Gastbeitrag von Maria, Autistin:
Hallo, liebe Leserinnen und Leser von „Ellas Blog“,
den Beitrag über Autismus im Gesundheitssystem kann ich mal wieder nicht kommentieren, daher schreibe ich einen eigenen Gastbeitrag.
In dieser Woche war ich bei einer Routine-Untersuchung. Nebenbei für die, die es interessiert: es ist alles in Ordnung. Mit meinen Ärzten habe ich Glück: Sie sind höflich, kompetent und sachlich, können zuhören und erklären mir alles auf meine Nachfragen und sehen sich Untersuchungsbilder auch mit mir gemeinsam an. Damit ist schon alles gesagt, was ich von einem Arzt erwarte, und ich habe sie mir zum Teil etwas länger danach ausgesucht. Da ich Berufspendlerin bin und nicht alle Fachärzte an meinem Wohnort vorhanden sind, sind sie weitgehend in der Nähe meiner Arbeit, und es ist für beide Seiten ziemlich normal, dass ich Termine kurz vor oder unmittelbar nach der Arbeit (sog. Randtermine) vereinbare.
Nun habe ich den Vorteil, dass meine Familie weitgehend im medizinischen Bereich tätig ist bzw. war. Ich kann also nicht beurteilen, ob es mit Autismus oder Prägung zu tun hat, dass ich mich rela-tiv wenig geniere und vieles rein medizinisch betrachte. Selbst habe ich auch ein gewisses Spezialin-teresse an medizinischen Dingen und kann Symptome und Beschwerden exakt schildern. Da mein Schmerzempfinden mit Verzögerung eintritt und ich nicht immer einschätzen kann, ob ich mich „anstelle“, achte ich eher auf andere Symptome: Rötungen, Schwellungen, Husten, Fieber … und ich ärgere mich ein bisschen über die Frage der Damen am Empfang, wenn ich mal rasch einen Termin brauche: „Haben Sie Schmerzen?“, als ob es kein anderes Dringlichkeits-Kriterium gäbe. Meine Antwort darauf im Zweifel: „Nein, aber … (deutliche Schilderung der Symptome).“ Meistens klappt es!
Ein Punkt, den ich als Spätdiagnostizierte vielleicht ein wenig anders sehe als Mütter mit betroffe-nen Kindern: wer vor meiner Diagnose mit meiner Art klargekommen ist, braucht jetzt auch nicht darüber aufgeklärt zu werden. Das gilt auch für meine Ärzte. Ich bespreche schließlich mit dem Zahnarzt auch nicht das Ergebnis der letzten Krebsvorsorgeuntersuchung. Nur beim Hausarzt lau-fen alle Infos zusammen.
Wenn Ihr es als notwendig erachtet, den Arzt im Vorfeld aufzuklären, finde ich folgende Punkte wesentlich:
• Ist Körperkontakt im Rahmen von Untersuchungen und Maßnahmen ok? Sollte er angekündigt werden?
• Möchtet Ihr/die Betroffenen bis ins Detail wissen, oder lieber nicht, weil Ihr Euch zu Dramatisches vorstellt?
• Wieviel Information braucht Ihr, um durchdachte Entscheidungen zu fällen? Braucht/wollt Ihr Entscheidungshilfe?
• Könnt Ihr mit Trost etwas anfangen, wenn er das Problem nicht praktisch löst? Wie sieht bei Euch der ideale Zuspruch aus? Oder wollt Ihr lieber erst einmal in Ruhe gelassen werden?

Für Notfalltermine habe ich mir über diese Punkte einen Zettel erstellt. Weitere Tipps von mir sind
• Fragen an den Arzt im Vorfeld aufzuschreiben, damit man in der Situation nicht vor Aufre-gung die Hälfte vergisst
• Sich im Vorfeld über mögliche Untersuchungen und Maßnahmen zu informieren. Leider habe ich die auf dem Markt befindlichen Kinderbücher nicht im Kopf, halte es aber für eine gute Methode.
Ich hoffe, Ihr könnt damit etwas anfangen.
Liebe Grüße, „Maria“
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