Maria ist Autistin: „Mein Schmerzempfinden tritt mit Verzögerung ein.“

SchmerzKürzlich veröffentlichte ich zwei Beiträge zum Thema Schmerzempfinden und bat um weitere Erfahrungsberichte von Autistinnen und Autisten. Maria schickte mir ein paar Erfahrungen.

Gastbeitrag von Maria:

Wie ergeht es mir mit Schmerzempfinden?

Mein Schmerzempfinden tritt mit Verzögerung ein, z. B. sehe ich, wenn ich mich in den Finger piekse, zuerst das Blut, dann kommt der Schmerz.
Ich bin fast 51 Jahre alt und habe meine Diagnose erst seit zwei Jahren; dass ich als Kind mit einem gebrochenen Bein noch ein paar Schritte gelaufen bin, habe ich auf den Schock bzw. Jahre später mit medizinischen Kenntnissen auf die Endorphine geschoben, da ich in der Unfallsituation mir selbst und meinen Mitschülern beweisen wollte, dass ich nicht nur motorisch ungeschickt bin.
Damit kann ich aber leben; mein größeres Problem ist, dass ich nicht einschätzen kann, ob ich zu Recht über Schmerzen klage oder mich „anstelle“.
Lokalisieren und beschreiben kann ich Schmerz sehr gut, Ärzte sind froh über meine präzisen Schilderungen.

Wie hat es sich mit der Zeit verändert?

Die Tatsache, dass ich Schmerzen mit Verzögerung empfinde, hat sich nicht verändert. Ich bin nur mit zunehmendem Alter unsicherer geworden, ob ich mich „anstelle“. Das wurde noch verstärkt durch die Diagnose und die Tatsache, dass diese nicht interessanter sein sollte als andere (Wesens)Merkmale.
Als Kind und Jugendliche habe ich einfach gesagt und gezeigt, was ich empfinde (auch in Gefühlssituationen) und bin so lange immer deutlicher geworden, habe mich auch als „Heulsuse“ u. ä. beschimpfen lassen, bis man mich ernst nahm. Heute bin ich froh, wenn ich es sachlich schildern kann.

Was hilft dabei, den Schmerz zu erkennen, zu lokalisieren und die Intensität einzuordnen?

Ich achte auf Begleiterscheinungen, wie Blut, Rötungen, Schwellungen …

Ganz herzlichen Dank, dass Du Deine Erfahrunge mit uns teilst, liebe Maria, und alles Gute für Dich.

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Zum Weiterlesen:

Autismus und Schmerzempfinden

One comment

  • Nadine Schmidt

    Hey, das ist genau mein Thema. Mein Sohn 13 Jahre alt. Er hat die Diangnose seit einem Jahr .
    Damals lief er bis zum schlafen gehen den ganzen Tag mit gebrochenen Fingern an seinem Geburtstag rum . Als er abends zur Ruhe kam merkte er erst den schmerz und kam zu mir an, so sah ich dann auch wie angeschwollen die waren. Wo wir dann in die Notaufnahme gingen und alle 4 Finger gebrochen waren. Oje !
    Letzte Woche hat er mir aus Zufall nebenbei gesagt das sein Knie nicht richtig funktioniert, dann sind wir zum Arzt und er hat eine schleimbeutel Entzündung und rennt damit 3 Wochen rum . Auch heute erst kamen wir von der Kassenärztlichen Vereinigung da mein Sohn sich beschwerte das sein innen Knöchel weh tat. Wir arbeiten mit einer Skala von 1 bis 10 . 1 ist nix und 10 ist dann schon höchste Eisenbahn. Sein empfinden war bei 9 darum bin ich los . Er ist blau und dick was bzw. Wie er das gemacht hat konnte er nicht sagen. Für mich als Mutter ist es oft schwierig ernst genommen zu werden. LG Nadine Schmidt

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