Autismus und Schmerzempfinden – wie Autistinnen und Autisten ihren Umgang mit Schmerzen beschreiben

Kürzlich veröffentlichte ich eine Umfrage über das Schmerzempfinden von kaum oder nicht sprechenden Kindern. Die Fragestellungen richteten sich an Eltern, die die entsprechenden Signale ihrer Kinder mit der Zeit zu deuten lernen.

Dieser Beitrag soll Ausgangspunkt für die Schilderungen von Autistinnen und Autisten sein, die selbst über ihr Schmerzempfinden berichten. Dabei ist es unerheblich, ob mit oder ohne Verbalsprache.

Ich kann mich gut erinnern, dass Katja (Autistin, 16 Jahre alt, Name geändert) mir erzählte, dass sie manchmal Schmerz fühle, aber nicht sagen könne, „ob in der Hand, im Fuß oder irgendwo dazwischen“. Den Schmerz zu lokalisieren fällt ihr schwer.
Auch die Art und Intensität zu beschreiben, ist nicht einfach für viele Autistinnen und Autisten. Tom schrieb auf: „Ob es brennt, sticht oder pocht, kann ich nicht sagen. Das fragen die Ärzte manchmal. Und wie stark, kann ich auch nicht sagen, es tut eben weh.“

Auch Niklas ist ein gutes Beispiel dafür, dass man seine Reaktionen sehr sorgfältig zu deuten lernen muss. Er erzählt manchmal, ich müsse den Krankenwagen rufen, wenn er sich gerade am Regal gestoßen hat und es nur um einen blauen Fleck geht – als er hingegen eine Platzwunde hatte, die genäht werden musste, lachte er und meinte per Gebärden, dass das nicht schlimm sei.
Als kleiner Junge konnte er überhaupt nicht lokalisieren, wo ihm etwas weh tat, inzwischen kann er sehr gut zeigen, wo ihn etwas schmerzt, nur die Sache mit der Intensität ist nicht immer eindeutig.
Schwierig wird es auch, wenn Schmerzen erst verzögert wahrgenommen werden und sich dann schon eine Entzündung manifestiert hat, die man in einem früheren Stadium leichter hätte behandeln können.

Erfahrungswerte andere Autistinnen und Autisten, die ihren Umgang mit Schmerzen ausdrücken bzw. formulieren können, wären sicherlich sehr hilfreich für Bezugspersonen.

Wie geht es Euch anderen Autistinnen und Autisten mit dem Schmerzempfinden?

Wie hat es sich mit der Zeit verändert?

Was hilft dabei, einen Schmerz zu erkennen, zu lokalisieren und in seiner Intensität einzuordnen?

Ich würde mich über Erfahrungsberichte freuen – gerne hier in den Kommentaren, auf Facebook oder als Gastbeitrag, den ihr mir per Mail zukommen lassen könnt.

Dankeschön und LG, Silke alias Ella :-)

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Zum Weiterlesen:

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13 comments

  • M

    Mir geht es wie der oben genannten „Katja“. Ich spüre einen Schmerz, aber was genau und vor allem, wo? Da wird es sehr schwer mit dem Erklären. Ich konnte als Kind mit massiven Hautabschürfungen nach Hause kommen, habe geblutet wie nur was, es störte mich nicht, bzw ich merkte es meist nicht. Null Empfinden. Als Jugendlicher zog ich mir einen Sprunggelenksbruch verbunden mit dem kompletten Zerstören der Bänder bei einem Sprung von einer Treppe zu, an dessen Ende ich umknickte. Andere bekommen dabei mal mindestens Tränen in die Augen, ich ging noch munter zum Fasching. Erst Abends, als ich nicht mehr aus meinem Schuh kam war jedem klar, dass da was nicht stimmt.
    So zieht sich das wie ein roter Faden durch mein Leben. Ja, ich merke, dass ich irgendwo einen Schmerz habe, aber lokalisieren klappt gar nicht. Es strahlt im Grunde einmal durch den Körper. Kopfschmerzen landen so auch in den Knien, um es mal so zu erklären. Bedingt dadurch kann ich es auch nicht eingrenzen, wenn ich dann doch mal bei einem Arzt sitze. Ein simples „Ja, tut weh“, mehr bekomme ich dann nicht hin. Da verzweifeln Ärzte gerne mal, aber was soll ich sonst machen, wenn ich es nicht spüre? Ich glaube deshalb, das hat bei mir (Asperger) etwas mit der fehlenden Empathie zu tun, die ich auch mir gegenüber wohl an den Tag lege. Habe mich aber nie näher damit befasst.

  • Christine

    Ich habe angefangen vor Arztbesuchen Zeichnungen von meinem Körper zu machen. Die liegen dann ein paar Tage auf meinem Tisch und ich schraffiere, sobald ich etwas lokalisieren kann, den Schmerz auf die Zeichnung. Mein Problem ist allerdings der Zugang zum Schmerz, wenn er da ist, ist er unerträglich und ich kann mich auf nichts anderes konzentrieren (egal wie stark die Beschwerden sind) und sobald Beschwerden mal kurz besser oder weg sind, habe ich überhaupt keinen Zugang mehr zu dem Gefühl, bzw eine Erinnerung daran.

  • Hiller

    Jonah empfindet alles übermäßig stark und besonders Schmerz! Schon wenn er von einem Fußball getroffen wird, er sich nur leicht stößt, bricht er schreiend auf dem Boden zusammen und wälzt sich vor Schmerzen hin und her. Es dauert auch sehr lange, bis dieser dann verschwindet. Auch das Duschen oder Hagel schmerzen ihn und kann daher z.B. nur baden, da Duschwasser nicht geht. Verändert hat es sich nicht mit der Zeit, es ist gleichbleibend. Helfen tut auch nichts, da z.B. ein Eisbeutel zur Külung, sogar noch mehr Reize gibt und er dann noch mehr aufschreit.

  • Zarinka

    „Wie geht es Euch anderen Autistinnen und Autisten mit dem Schmerzempfinden?“

    Das ist für mich (Asperger) jetzt gar nicht so einfach zu erklären.
    Es gibt Tage da schmerzt bei mir irgendwie ständig irgendwo immer irgend etwas.
    Beine…Nacken…Arme…Fußgelenke…Handgelenke…Muskeln…Haut und noch einiges andere.

    Das ist schon seit frühester Kindheit so und fast zur Alltäglichkeit geworden. Gefunden hat bisher noch kein Arzt so wirklich etwas und daher rede ich über diese Schmerzen schon seit langer Zeit mit niemandem mehr. (Habe auch oft das Gefühl dass meine Beschreibungen/Erklärungsversuche nicht wirklich ernst genommen/verstanden werden.)

    Kann ja nicht mal genau erklären wo und was genau da wie jetzt schmerzt. Es ist so eine Art ziehen und Brennen…keine Ahnung was genau ich da nun wirklich spüre. Aber es stresst mich schon an manchen Tagen sehr, und das macht mir dann zusätzlich zu schaffen.

    Anderseits gibt und gab es Augenblicke von „Schmerzen“ die ich überhaupt nicht als Schmerzen wahrnehme, bei denen aber andere Menschen in ähnlichen Augenblicken so heftige Schmerzen zu empfinden scheinen dass sie diese kaum noch aushalten können. (Stellte mal ein Arzt fest der nicht verstand dass ich im besagten Augenblick jetzt keine Schmerzen empfand.)

    Und dann gibt es Augenblicke wo z.B. ein kleiner Kratzer mich fast zur Verzweiflung bringen kann da ich den Schmerz als sehr unangenehm empfinden kann.

    Ähnlich empfinde ich auch wenn mich jemand z.B. nur mit dem Finger anstupst…das empfinde ich sehr unangenehm…noch einige Stunden später so gar.

    „Wie hat es sich mit der Zeit verändert?“

    Also bei mir hat sich dahingehend leider nichts verändert…war früher schon so und ist heute immer noch so.

    „Was hilft dabei, einen Schmerz zu erkennen, zu lokalisieren und in seiner Intensität einzuordnen?“

    Auf diese Frage weiß ich leider keine Antwort…habe auch bei meinem Sohn (Asperger und sprechend) nie wirklich erkennen können ob und was ihn, wo und wie heftig schmerzt. Und auch ich selbst kann beim besten Willen nicht sagen wie intensiv ein Schmerz jetzt ist.

    • Nadine

      Mir geht es genau wie ZArnika. Aktuell geht es mir überhaupt nicht gut. Ich habe aber keine Ahnung, wie ich meine Beschwerden beschreiben soll. Ich weiß auch nicht ob es schlimm ist, da es mir immer irgendwie, irgendwo weh tut. Das gehört zu meinem Leben und ich habe gelernt es zu ertragen. Eine Lösung für das Problem der SymptomBeschreibung habe ich leider auch nicht. Es wäre vielleicht gut, wenn ein Arzt die richtigen Fragen stellt und ich mit ja oder nein antworten könnte. Es ist schwierig.

  • Die Intensität für andere zu beschreiben ist schwierig, weil oft abweichend: Manches tut meiner Tochter (Asperger) sehr weh, obwohl objektiv eher eine kleine Verletzung ( z.b. Kratzer auf der Haut), anderes wird erst zu spät als stark wahrgenommen ( da würden andere schon weinen).
    Belastungsschmerz des Knochengerüstes nimmt meine Tochter zu spät war. Dann ist es meist schon eine Gelenkentzündung.
    Eitrige Entzündungen werden erst wahrgenommen, wenn sie auch sichtbar sind.

    Manchmal frage ich mich, ob sie auch das Fehlen von chronischem Schmerz als Schmerz fehldeutet.

  • Kaktus

    Mein Körper zeigte bis zum meinem Unfall stark verspätete und reduzierte Reaktionen auf Verletzungen. Als ich mir das Sprunggelenk angebrochen hatte, habe ich weitergearbeitet – der Fuss hatte gebrannt – diese Reaktion war neu. Ich habe dann die Schuhe fester gebunden und weitergearbeitet. Wenn es nichts großartiges ist verschwindet der Schmerz meistens wieder komplett oder reduziert sich auf ein zu vergessendes Maß, wenn ich ruhe. So auch in diesem Fall, mein Vater brachte mich dann am nächsten Tag zum Arzt.
    Wenn Ärzte fragen, wie intensiv etwas schmerzt, habe ich mir mittlerweile eine eigene Skala entworfen. Behandelte Verletzungen -> Intensität der Körperreaktion (Schmerzen). Ein angebrochener Fuß zum Beispiel rangiert, in einer Skala zwischen 1 bis 10, wobei 1 das niedrigste darstellt, bei 7.
    Ein Glasscherbenstück, das in der Wunde verblieben und überwachsen worden ist, lag variierete: entweder 0 oder 4.
    Damit können die meisten Ärzte etwas anfangen. Wichtig ist, das man Ihnen mitteilt, das man aus dem autistischen Spektrum kommt. Und wichtig ist gerade bei hyposensiblen, das sie diese Eigenschaften mitteilen und erklären.
    Ärzte wollen ausschweifende Erklärungen zum Körper, mit viel Gestik und Mimik. Ich kann bis heute nicht richtig Schmerz mitteilen. Auf Schmerz reagiere ich mir Rückzug, Schmerzmittel und dem Versuch der Überlagerung mit Stimming-Aufgaben. Oftmals reagiere ich dann sehr aggressiv, wenn ich dann unterbrochen, angesprochen, etc. werde weil Schmerzen mich an den Rand eines Overloads bringen können: zu viel eigene Körperwahrnehmung, die man sonst nicht gewöhnt ist und die hypersensitiven Kanäle (Sehen, Hören, Riechen) dann noch stärker bei mir Arbeiten.
    Es gibt auch wenige Verletzungen, die mich z.B. von meinen Routinen abhalten können. Bei Routinen/SI schaltet mein Körper auf einen Sondermodus – außer auf das Bedürfnis „Atmen“, reagiert mein Körper auf kein anderes Bedürfnis z.B. Hunger, Durst, Müdigkeit,….
    Und das Bedürfnis nach Routine/SI ist fast immer größer, als dem Bedürfnis nach ausruhen bei Schmerzen.
    Aber ich teile diesen Prozess nicht mit. Ich habe mal einige Zeit versucht jedes mal „Aua“ zu sagen um der Umwelt mitzuteilen, das etwas schmerzt, aber mein „Aua“ war nicht überzeugend – sondern eher amüsant – anscheinend passen Mimik/Gestik nicht zu der Aussage – frustrierend. Außerdem versteht keiner, wie wichtig es ist, trotzdem meinen Routinen nachzukommen – egal in welchem Störmodus mein Körper läuft. Sie verstehen nicht, das fast nichts so schlimm sein kann wie Chaos im Kopf.
    Für Eltern würde ich das raten, was meine Mutter mit antrainiert hatte. Wenn ich gehört habe, das mein Kopf irgendwo kollidiert ist z.B. unter dem Tisch, ich hingefallen bin oder scharfe Gegenstände Kontakt mit meiner Haut hatten, musste ich zu ihr und ihr das zeigen/sagen. Sie hat dann entschieden ob etwas gemacht werden musste oder nicht.
    Man lernt, nicht Schmerz als Körpersignal zu nutzen um zu kontrollieren ob etwas defekt ist sondern man nutzt die anderen Sinne.
    Ich bin heute 36 und meine Routine bei blutenden Verletzungen ist heute noch:
    Wasserstoffperoxid und Pflaster – aber es funktioniert. Wenn es viel blutet, nach oben halten und zudrücken. Wenn es nach 30 Sekunden nicht aufhört -> jemandem zeigen. Es stellte sich bis dato bei mir kein reflexartiges Verhalten ein, auf Verletzungen/Krankheiten zu reagieren, Meine Reaktionen sind immer bewusst.
    Seit meinem Unfall, hat sich diese Situation noch verstärkt. Anscheinend wurde Nerven beschädigt, jetzt bekomme ich auf der linken Seite fast gar nichts mehr mit, also weder heiß/kalt, spitz/stumpf oder Schmerz. Dafür habe ich jedoch Dauer-Schmerzbeschallung direkt unterhalb vom Kopf. Eine Situation, die mein Kopf so nicht kennt, weil mein Körper noch nie Dauerschmerzen produziert hat. Sobald etwas abheilt oder ich überlagere, verschwanden sonst immer die Schmerzen. Für den Rest den Körpers gilt dies auch heute noch, nur eben nicht für die Schmerzen, die diesem Bereich entspringen. Aber da ist auch kein Grund, das wieder und wieder mitzuteilen. Ich habe es ja schon mitgeteilt und ich glaube dies ist auch ein wichtiger Punkt.
    NTs kommunizieren diese Situation wiederkehrend. Bei mir ist es anders.
    Ich teile selten mit wenn ich Schmerzen habe und dann auch nicht so, das es NTs ernst nehmen. Und ich teile mittlerweile freiwillig mit, wenn es wieder gut ist – das erspart mir die wiederkehrenden Fragen „wie geht es dir“. Aber zwischen „Aua“ und „alles wieder gut“ kommuniziere ich nichts, warum auch ich habe den Anfang benannt und das Ende ist eben noch nicht erreicht. Das glaube ich, ist wichtig für NTs zu wissen. Nur weil z.B. ein Autist nicht jammert, heißt das nicht, das alles okay ist, vielleicht kann er es nicht kommunizieren oder kommuniziert es nicht NT-konform sondern über Reaktionen z.B. Stimming, SI, vehementem Nachgehen von Routinen,….

  • Eveline

    Bei mir ist es so, dass ich je nach Situation mehr oder weniger Schmerzempfinden habe. Als Kind wollte ich meiner Mutter zwei kleine Sträußchen Blumen bringen, ich hielt eins in der linken Hand und eines in der Rechten und rannte auf meine Mutter zu als ich stolperte und um die Blumen zu schützen beide Arme weit nach hinten weg gehalten habe, ich habe keine Schmerzen gehabt als ich auf dem Brustkorb gelandet bin, ich war eher verwirrt es hatte sich angefühlt wie wenn man mit der Hand auf ein Kissen drückt (nicht schlägt vermutlich läuft in meinem Gehirn da soviel ab das eine Art Zeitlupenaufnahme entsteht), dann habe ich gemerkt irgendwas stimmt nicht (ich hatte nicht realisiert das ich nicht atmete) weil meine Mutter kreide bleich war und mich in den Arm nahm, ich habe keine Erinnerung was um mich herum passiert ist zwischen dem Sturz und dem Bewusstwerden das meine Mutter mich im Arm hielt(davor stand sie mindestens 30 Meter weit weg von mir) dann habe ich eingeatmet und erst dann kam der Schmerz ich war darüber so erschrocken, dass ich nicht ausgeatmet habe sondern erst mit Verzögerung und dabei auch gleich schrie wie am Spieß. Meine Mutter hat mich sofort zum Kinderarzt getragen (der war nicht weit weg) der hat mich dann untersucht (eine von den seltenen Gelegenheiten wo das ohne „Theater“ ging). Meine Mutter hat mir vor einiger Zeit erzählt wie sie das damals erlebt hat, ich war wohl ganz kalt geworden und hatte blaue Lippen (der Arzt hatte ihr dann wohl auch etwas erklärt dass ich mir das Herz geprellt hätte) jedenfalls hat sie damals wohl gedacht ich währe dem Sterben nahe. Ich habe ihr versucht zu erklären warum mir die Blumen so wichtig waren, dass ich sie unbedingt schützen musste, das hat sie aber nicht wirklich verstanden, dann habe ich darüber nachgedacht jetzt ist mir klar sie kann es vermutlich gar nicht verstehen weil sie den natürlichen Reflex hat sich mit den Händen ab zu fangen wenn sie fällt, bei mir ist das aber eine bewusste Entscheidung.
    Das war jetzt die Beschreibung für eine Zeitlupen Erfahrung.
    Wenn ich Zahnschmerzen habe ist das für mich richtig doof, da kann ich oft weder sagen ob das im Ober oder Unterkiefer ist noch welchen Zahn es betrifft, zudem kommt es auch vor, dass mir die Ohren anstelle des Zahnes weh tun. Weil ich auch noch Angst vor Zahnarztbesuchen habe, merke ich meistens aber schon mit der Zunge wo das Problem liegt bevor ich zum Zahnarzt gehe (meistens zu spät). Vor einigen Jahren hatte ich immer ein Gefühl als ob mir etwas von unten in die Nase sticht, wenig später habe ich beim Zähneputzen bemerkt, dass ich eine kleine weiße Beule am Zahnfleisch hatte, das habe ich dann aber erstmal nicht weiter wichtig gefunden, als das dann aber größer wurde hat es mich gestört, ich habe es mit einer steril gemachten Nadel geöffnet und ausgedrückt, und mit einer antiseptischen Kräuterpaste behandelt. Vor einem Jahr hat mich meine Zahnärztin darauf angesprochen nach dem ich wegen erneutem Auftreten der Schwellung hin gegangen bin, das der Zahn nur noch die Hälfte von einer Wurzel habe und der Kieferknochen ein Loch hat, und die Entzündung wohl ursprünglich von einer gebrochenen Zahnwurzel käme, ob ich denn nicht früher hätte kommen können die Schmerzen müssten doch nicht aus zu halten sein. Als ich ihr von der „Selbstbehandlung“, damals lag die schon 5 Jahre zurück, erzählt habe war sie glaube ich etwas beleidigt, hat jeden falls gesagt bevor ich so was noch einmal mache soll ich lieber zu ihr kommen (ich weis bis jetzt noch nicht wo vor ich mehr Angst habe). Solange ich denke, dass ich etwas selber in Ordnung bringen kann ist (fast) alles erträglich.
    Ab einem gewissen Grad scheinen sich Reize nicht mehr zu steigern ich kann dann nur noch nach „hell“ und „dunkel“ unterscheiden ich habe das eine Weile beobachtet und bemerkt, dass alle Reize wie Temperatur/ Licht/Hautverletzungen/Migräne/Geräusche in hohen Frequenzen in die „helle“ Kategorie fallen (das bedeutet dass ich sie ungefähr fühle wie einen Eiswürfel den man sich auf die Haut legt oder wenn man ungeschützt in Richtung Sonne schaut.
    Die „dunkele“ Kategorie sind Sachen die ich gebündelt im Bauch (bis hin zum Brechen) fühle „normale“ Kopfschmerzen/wenn ich mich an einem abgerundeten Gegenstand gestoßen habe / Husten / Bronchitis/ Hirnerschütterung/ wenn ich mir lange Sorgen mache / wenn ich traurig bin …
    Und dann gibt es noch eine dritte Kategorie (ist mir grade erst aufgefallen weil meine Nachbarin an die Scheibe geklopft hat) es gibt Sachen die fühlen sich an wie ein Stromschlag in den Füßen, das sind aber fast alles Sachen die mit meiner Innenwelt zusammen hängen, Erschrecken/ akute Angst/ und wenn ich sehr auf etwas Warte.

    Vielleicht hat mir das mit den Kategorien geholfen meine Eindrücke anderen mit zu teilen, aber die Kategorien versagen leider grade dann wenn es wirklich ernstlich wird, ab einer bestimmten Intensität fühlt sich nämlich alles an wie der vorher erwähnte Eiswürfel , nur eher flüssig, weil es dann ist als ob das Gefühl über meinen ganzen Körper läuft, durch ihn durch kriecht und wieder von vorne anfängt, (ich weis nicht wie ich es jetzt beschreiben soll aber das Wellenartige daran erinnert mich an den Warpkern in Star Treck TNG gemischt mit diesem Windows Bildschirmschoner mit den Linien die immer rum gewandert sind und die Form und Farbe gewechselt haben).
    Dann ist aber auch alles zu viel, da braucht mich keiner etwas fragen oder mir etwas sagen, da bin ich in meiner Innenwelt gefangen, kümmere mich darum irgend wie dieses Problem aus zu schalten, möglichst ohne Tränen, dabei zu laut zu werden oder durch für Andere nicht nachvollziehbare Handlungen auf zu fallen (es kann passieren, dass ich sinnlos hin und her oder im Kreis laufe und dabei sehr tief durch atme um nicht in Tränen aus zu brechen, daran arbeite ich noch) , so etwas ist mir nämlich, selbst dann noch, sehr Peinlich.
    Und jetzt habe ich schon wieder so viel geschrieben (ich hoffe ich gebe hier nicht den „Elephant im Porzellanladen“ den mir schon öfter Leute attestiert haben), falls doch sagt mir das bitte.

  • michael corleone

    ich bin asperger autist und ich spühre schmerz sehr viel stärker als andere menschen ich weiss meistens auch sofort direkt was ich habe und warum diese schmerzen verursacht werden :) Ich bin schon ein paar mal zum arzt gegangen und habe ihn gesagt was ich habe und er hat mir diese selbstdiagnose dann im nachinein bestätigt. Ich weiss nicht wie es bei euch ist aber ich bin der meinung das fast alle autisten ein schmerz ausgesetzt sein muss der für sie so unerträglich ist das diese auch mit schmerzmittel kaum auszuhalten sind :) ich habe es auch wenn ich schmerzen habe dann kann ich mich für den moment nur auf diesen schmerzen konzentrieren für den moment wo ich schmerzen gibt es nur mich und meine schmerzen :) Ich weiss das es auch autisten gibt die ein schmerzpegel haben wobei andere schon ihr bewusstsein verloren hätten. Ich bin mir aber sicher das dass was mit der sensibilität zu tun hat :) Also ich von meiner seite aus spühre immer sehr genau wo ich schmerzen habe und empfinde diese als sehr schmerzhaft und unangenehm

  • Arvid

    Ich habe ein sehr tolles Schmerzempfindung bei dem zähnen wenn ich in stress geratet ziehen die schmerzen bei mir auf die Zähne. und ich kann nicht einschätzen woher der schmerz kommt. früher bin ich des Öfteren hingefallen als ich klein war ich kann mich nur daran erinnern das ich nicht geweiht habe und dem schmerz später gespürt habe aber bei spritzen und Kanülen habe ich da ein Höllen schmerz und schreien sogar. absonden sind bei mir schmerzen zur ertragen.

  • Katja Aust

    Mutter eines autistischen Jungen

    Mein Sohn (14 Jahre) klagt öfter über Schmerzen, meist in den Gelenken, die unspezifisch sind. Er kann nur grob die Stelle zeigen, wo es wehtut, aber genau sagen, ob im Gelenk drinnen oder außen an der Haut, kann er nicht. Auch die Intensität der Schmerzen kann er nicht genau bestimmen – es tut eben weh, manchmal sehr, manchmal wenig. Mehr kann er dazu nicht sagen. Ich fühle mich oft hilflos als Mutter, weil ich weder eine ansatzweise Diagnose geben kann, was es sein könnte, noch wie ich ihm Linderung verschaffen könnte. Auch Arztbesuche sind undenkbar und der absolute Albtraum für ihn. Auch habe ich festgestellt, dass er bei Kleinigkeiten „recht hart im Nehmen ist“, also eine gewisse Schmerzgrenze ohne Jammern aushält – sprich in Ansätzen schmerzunempfindlich ist. Letztlich tue ich mein Bestes als Mutter, tröste ihn und rate ihm, die Stelle, die schmerzt, etwas zu entlasten und sich auszuruhen. Meist ist über Nacht der Schmerz dann verflogen.

  • Silke Burmeister

    Bei mir ist das etwas komplexer, da ich auch noch eine Körperbehinderung dazu habe. Ich versuche trotzdem mal mit allgemeineren Schmerzempfindungen anzufangen.

    * Oft kommen Schmerzen verzögert bei mir durch.

    * Wenn ich eh schon Schwierigkeiten habe Schmerzen zu lokalisieren, wird dies fast unmöglich, sobald sie ausstrahlen. Leider scheint das sehr häufig der Fall bei mir zu sein, auch schon bei kleineren Problemen, was es echt schwer machen kann, meine Probleme zu kommunizieren.

    * Mein allgemeines Schmerzempfinden ist vermindert, zum Beispiel laufe ich mit größeren Verletzungen oder meinen Rückenschmerzen häufig noch munter durch die Gegend, während bisher noch jeder, den ich kannte, bei ähnlichen Verletzungen oder Rückenproblemen (Wirbelgleiten, mehrere Bandscheibenschäden) mehrere Wochen krank geschrieben zuhause war oder wegen der Bandscheiben gar in Frührente ging.

    * Das hat auch praktische Konsequenzen im Alltag, da ich mich dann verstärkt zurücknehmen muss um geschädigtes Gewebe oder Knochen nicht noch weiter zu schädigen indem ich z.B. gezerrtes Gewebe weiteren Zugkräften aussetze, wie etwa, wenn man beim Einkauf schwer trägt.

    *Ich gehe auch nicht gerne zu Ärzten, da man dort oft gleich den Stempel Hypochonder aufgedrückt bekommt, wenn sich das, was man über die Schmerzen erzählt, etwa nicht in Mimik und Gestik wieder finden lässt. Dass kann dann dahin führen, dass ich wie in der Vergangenheit einige Male geschehen, von meinem Mann regelrecht angebettelt werde, doch endlich zum Arzt zu gehen und er am Ende sogar mitkommen muss, damit ich mich überhaupt hin traue. Obwohl ich seit dem 12 Lebensjahr verstärkt mit den Bandscheiben zu tun habe, und deshalb mit 14 sogar einen Behindertenausweis mit 50% bekam (damals war von Autismus bei mir noch keine Rede, sprich, mir fehlte damals ein Name für meine Schwierigkeiten), war ich das letzte Mal 2012 beim Orthopäden, also vor etwa 7 Jahren, und vor diesem einen Termin war ich mindestens weitere 5 Jahre nicht dort!!!

    * Viele Overloads verursachen in meinem reizüberfluteten Gehirn schmerzähnliche Empfindungen bzw werden „schmerzhaft wahrgenommen“. Wenn ich zum Beispiel in eines dieser Geschäfte gehe, die seit einiger Zeit ihre Auslagen mit synthetischen Düften versetzen, darf ich mich darauf freuen, dass meine Schleimhäute in wenigen Sekunden bis Minuten brennen wie Feuer, obwohl objektiv nichts rot, gereizt oder angeschwollen ist und dem auch keinerlei allergische Reaktion wie etwa Atemnot folgt. Läuft auf dem glatten Steinboden eines Kölner Einkaufszentrums eine Dame mit Stöckelschuhen hinter mir lang, könnte man mir ebenso gut bei jedem ihrer Schritte ein Buch im Hardcover auf den Schädel zimmern!

    • Silke Burmeister

      PS. Dazu kommt, dass ein kleinerer aber dauerhafter (Schmerz-)Reiz sich viel zersetzender auf meine Grundverfassung auswirkt als ein großer Reiz, der mich für kurze Zeit förmlich überschwemmt.

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