Erfahrungsbericht einer Schulbegleiterin, die seit vielen Jahren autistische Schüler unterstützt

Bild mit Schülern an einem Tisch

Gastbeitrag:

Liebe Silke, Danke, dass du mir die Möglichkeit eines Gastbeitrages gibst. Mein Anliegen ist es, über die Situation der Anstellung in der Schulbegleitung zu berichten.

Zu meiner Person:
Ich bin seit 10 Jahren an einer Förderschule als Fachkraft (Erzieherin).
8 Jahre davon betreute ich einen nichtsprechenden jungen Mann mit ASS.

Bereits in meiner Ausbildung vor über 20 Jahren konnte ich erste Erfahrungen in diesem Bereich sammeln. Ich habe schon in einigen anderen Schulen und in verschiedenen Schularten, sowie mit anderem Klientel vertreten dürfen.

Ich arbeite leidenschaftlich gerne als Schulbegleitung und finde es jeden Tag als Herausforderung, aber auch als totale Bereicherung für mein Leben.
Ich habe bezüglich Autismus eine Vielzahl von Fortbildungen besucht und viele Einrichtungen und Fachleute kennenlernen dürfen.

In den ersten Jahren musste ich mich zu den Sommerferien jedes Jahr im Juli arbeitsuchend melden, da der Bezirk und der damalige Arbeitgeber nie wussten, ob die Schulbegleitung weiter bewilligt wird. Ich hatte zumindest das Glück, dass meine eingearbeitete Zeit für die Sommerferien gezahlt wurde – von vielen Schulbegleitern weiß ich, dass dies nicht immer der Fall ist.
Nach drei Jahren wechselte ich dann meinen Arbeitgeber, da dieser eine bessere Bezahlung, Sozialleistungen und auch Fortbildungen, sowie Teamsitzungen anbot. Dies ist leider bei einer Vielzahl von Trägern nicht der Fall.

In den letzten Jahren nimmt der Markt an Arbeitgebern für die Schulbegleitung stetig zu. Liest man Stellenanzeigen nur für meine Stadt, gibt es zwischenzeitlich mindestens 10 verschiedene Träger.
Jeder dieser Träger hat andere Rahmenverträge mit den Mitarbeitern und auch nach 10 Jahren Inklusion gibt es in diesem Bereich noch Arbeitgeber, die zu den Sommerferien ausstellen oder den Schulbegleitungen die Stunden vom Gehalt abziehen, sollte das Kind krank sein oder früher abgeholt werden.
Viele der Schulbegleiter erhalten Jahr für Jahr nur einen Jahresvertrag und müssen im Juli um ihre Arbeitsplätze bangen und wissen oft nicht, an welcher Schulart und an welchem Ort sie im darauffolgenden Schuljahr eingesetzt werden.
Daraus ergibt sich, dass man jährlich den Arbeitnehmer wechseln sollte oder müsste, möchte man seine Qualifikationen einbringen.

Viele Schulbegleitungen arbeiten als Hilfskräfte (ohne pädagogische Vorkenntnisse) und werden demensprechend schlecht bezahlt und erhalten wenig oder keine Einarbeitung sowie Fortbildungen. Oft ist man gerade zu Beginn der Arbeit sehr auf sich alleine gestellt, hat man nicht eine Lehrkraft die sich, um den Schüler mit Begleitung bemüht.

Ich hoffe sehr für alle Schulbegleiter und auch für die zu betreuenden Kinder, dass sich dies endlich ändert und die Arbeitsbedingungen sich in diesem Bereich verbessern. Nur dann ist es möglich, dass alle motiviert und und langfristig sich in diesem Arbeitsgebiet einbringen können.

Danke für Dein bereits langjähriges Engagement als Schulbegleiterin. Es ist toll, dass Du trotz der häufig widrigen Rahmenbedingungen dabei geblieben bist und unsere autistischen Kinder unterstützt.

Gerne veröffentliche ich weitere Erfahrungsberichte von Schulbegleiter_innen. Schreib mich gerne an.

Der Onlinekurs „Autismus und Schule“ bietet eine Einführung und Vertiefung für Schulbegleiter_innen, die mit autistischen Kindern und Jugendlichen arbeiten. HIER bekommst Du weitere Informationen.

Logo Onlinekurs

One comment

  • Susanne

    Hallo, meine Erfahrung als Vertreter eines Anbieters ist auch das die Bedingungen oft schlecht sind. Das liegt aber zum Teil an der Struktur der Hilfe, die noch immer nicht einheitlich geregelt ist. Zum einen werden die Hilfen von unterschiedlichen Kostträgern mit unterschiedlichen Bedingungen bewilligt. durch die Einzelfallhilfe ist die Schulbegleitung eine recht teure Hilfe und dem entsprechend werden oft die billigsten Anbieter genommen. Mit niedrigen Stundensätzen kann der Anbieter wenig an Zusatzleistungen bieten, wie regelmäßige Fortbildungen. Der Anbieter bekommt nur die tatsächlich geleisteten Stunden bezahlt. Wenn der Mitarbeiter krank ist, das Kind in Kur fährt etc. bleibt er auf den Kosten sitzen.
    Eltern können seriöse Anbieter unterstützen, in dem sie es ablehnen die Hilfe von windigen Anbietern anzunehmen, die nur auf das schnelle Geld aus sind.
    Hört euch um mit welchem Anbieter die Schule gute Erfahrungen gemacht hat oder wie die Erfahrungen in den örtlichen Selbsthilfegruppen sind. Achtet darauf das der Anbieter nach Tarif bezahlt und regelmäßige Teamsitzungen anbietet.
    Ein seriöser Anbieter setzt sich für die Belange von allen Seiten ein, Eltern, Kind, Schule und Kostenträger. Man erkennt ihn auch daran das er sich, wenn es mal nicht rund (was leider immer mal passieren kann) läuft kümmert und weder MA noch Eltern alleine lässt.

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