
Das kennen sicherlich alle Eltern. Irgendwann kommen diese Fragen: Geht Dein Kind denn schon aufs Töpfchen? Geht er schon auf Toilette? Warum trägt sie denn immer noch Windeln? Und wann war Dein Kind sauber?
Wenn man ein behindertes Kind hat, verschieben sich oft die allgemein zeitlich getakteten Meilensteine – auch beim sogenannten „sauber werden“.
Bei meinen letzten Lesungen wurde ich in den anschließenden Einzelgesprächen einige Male gefragt, ab wann Niklas keine Windeln mehr brauchte. Und als ich dann sagte, dass er seit einem Jahr windelfrei ist, also mit 16 Jahren diesen Schritt schaffte, sah ich in große Augen.
Es ist zwar noch so, dass auch mal was daneben geht und ich an manchen Tagen einiges an Wäsche habe, weil die Klogänge nicht so gut funktionieren, aber insgesamt ist die Entwicklung absolut positiv. Und wenn es noch ein Jahr dauert bis es ganz sicher klappt, macht es auch nichts – wir haben unseren eigenen Zeitplan.
Die Großmutter eines autistischen Enkels sagte zu mir: „Ach dann ist es bei meinem Kleinen mit seinen fünf Jahren ja gar nicht so schlimm. Und ich dachte immer, dass es jetzt aber langsam Zeit wird.“
Ein Vater hatte Tränen in den Augen und meinte: „Dann besteht ja noch Hoffnung. Mein Sohn ist 12 Jahre alt. Wie haben Sie denn das geschafft, dass Niklas jetzt keine Windeln mehr braucht?“
Ich sagte ihm darauf das, was ich immer sage: Wir haben das nicht geschafft, sondern Niklas hat irgendwann selbst beschlossen, dass jetzt Schluss mit den Windeln ist.
Jegliche Überzeugungsarbeit von unserer Seite war gescheitert und irgendwann ließen wir es auch bleiben und überließen ihm, wie er das mit den Windeln zu handhaben gedenkt.
Ich kann nicht mit absoluter Sicherheit sagen, was schließlich den Ausschlag gab. Vielleicht hat er erst mit der Zeit und in der Pubertät angefangen, seinen Körper auf eine Art und Weise wahrzunehmen, die es ihm nun ermöglicht, auch gezielt und rechtzeitig auf Toilette zu gehen. Und vielleicht war etwas mehr Motivation dabei, weil seine kleine Cousine und sein kleiner Cousin „sauber“ wurden.
Meine Botschaft an dieser Stelle ist: ich habe keinen Trick sondern kann nur den Rat geben und dazu ermutigen, Geduld zu haben und unseren autistischen Kinder zuzutrauen, dass sie für manche Dinge und Entwicklungen einfach selbst den Zeitpunkt bestimmen. Wir haben immer wieder Angebote gemacht und ihn gefragt, ob er auf Toilette gehen möchte, ihn aber nie gezwungen, überredet, trainiert oder manipuliert.
Er wollte es irgendwann von selbst – das war bei uns der Schlüssel.
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Zum Weiterlesen:
Autismus und Entwicklung hin zu mehr Selbstregulation