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🍀 So sieht Glück in unserem Leben aus – Stimmen aus der Community von Ellas Blog zum Weltautismustag 2026

veröffentlicht von Silke Bauerfeind im April 2026


Rund um den Weltautismustag melden sich jedes Jahr viele Stimmen zu Wort. Das ist gut und wichtig und gleichzeitig wird immer wieder kritisch angemerkt, dass manche davon sonst kaum hörbar sind.
Auf Ellas Blog ist das anders. Hier geht es nicht um einen einzelnen Tag im Jahr.
Hier geht es um Inhalte, die jeden Tag stattfinden.
Und hier findet ihr eine Webpräsenz, auf der ihr täglich stöbern und teilhaben könnt.

Ich möchte heute nicht meine, sondern eure Worte in den Mittelpunkt stellen.
Vor zwei Wochen hatte ich euch im Newsletter gefragt:

Was war ein kleiner Glücksmoment in eurem Alltag – so unscheinbar er auch gewesen sein mag?

Blumen am Fjord und Sonnenuntergang

©Foto: Silke Bauerfeind, Ellas Blog

Und das sind eure berührenden Antworten:

💛 Wenn Verbindung spürbar wird

Viele von euch haben von Momenten erzählt, in denen Nähe möglich war.
Nicht selbstverständlich, nicht planbar und genau deshalb so besonders.

„Letzten Freitag ist mein autistischer Sohn nach der Werkstatt aus seinem Taxi ausgestiegen, hat mich angelacht, überschwenglich umarmt und laut „Mama, Mama!“ gerufen – das war so schön.“ (Stephanie)

„Mein persönlicher Glücksmoment ist, wenn mein nonverbaler Sohn manchmal überraschend Mama sagt.“ (Karoline)

„Mein Glücksmoment ist eine bewusste lange Umarmung meines Sohnes: Sein Ausdruck mir mitzuteilen, dass er mich lieb hat auch wenn er es nicht sagen kann. :)“ (Anja)

„Mein Großer (FKA) konnte es aushalten, dass sein kleiner Bruder sich mit ins Bett gelegt hat zum Kuscheln. Und der Kleine hat gesagt, dass er seinen großen Bruder lieb hat. (Der Kleine ist leider der größte Trigger des Großen.)“ (Friederike)

Diese Momente lassen sich nicht herstellen.
Sie entstehen.
Und wenn sie da sind, verändern sie etwas, oft mehr, als Worte es könnten.

🌱 Wenn Entwicklung sichtbar wird

Ein anderer Teil eurer Rückmeldungen erzählt von Entwicklung.
Von Schritten, die vielleicht klein wirken, aber oft einen langen Weg voraussetzen.

„Meine Tochter wächst trotz weiterer Baustellen über sich hinaus. Das ist großartig.“ (Nina)

„Mein Sohn hat lesen gelernt. Allen Prognosen zuwider haben wir es zu Hause versucht und nicht aufgegeben. Buchstabe für Buchstabe gelernt und was soll ich sagen! Er meinte :“ Mama, ich danke dir- jetzt kann ich endlich Wissen sammeln!““ (Bianca)

„Mein 13-jähriger Sohn duscht seit ein paar Wochen selbstständig (nur nach Aufforderung, natürlich ;)). Ist für uns ein Riesenschritt.“ (Catrin)

„Seit meine autistische Klientin einen Talker hat, spricht sie jetzt richtig toll nach. Die Mutter und ich sind so glücklich.“ (Steffi)

„Ich bin glücklich, weil mein Sohn seit nun einem Jahr keinen epileptischen Anfall mehr hatte.“ (Roswitha)

„Ich habe zum ersten Mal mit dem nonverbalen autistischen Mädchen das ich ehrenamtlich unterstütze Ball gespielt. Sie hat mir tatsächlich den Ball zugeworfen, statt wie bisher gegeben.“ (Uli)

Solche Entwicklungen passieren selten plötzlich.
Sie sind das Ergebnis von Geduld, von Ausprobieren, von Dranbleiben – oft über Jahre hinweg.

Und genau deshalb sind sie so bedeutend. Wunderschön, dass ihr sie mit uns teilt. ♥

🧭 Wenn sich trotz Widerständen etwas bewegt

Einige von euch haben von Momenten berichtet, in denen sich etwas verändert hat, das lange festgefahren schien.

„Für einen Klienten mit ASS habe ich beim Jugendamt hybrides Lernen erwirkt, nach monatelangen Kämpfen. Als der Anruf kam, musste ich fast heulen!“ (Claudia)

„Glück ist, dass wir nach zehn Jahren Achterbahnfahrt trotz anhaltender Herausforderung Ideen für aufsuchende Hilfe entwickeln konnten. Das gibt uns große Hoffnung.“ (Katrin)

„Strahlende Augen bei meinem Sohn, weil seine I-Kraft hoffentlich wieder kommen kann. Das war wirklich mein Glücksmoment.“ (Silke)

„Eine Lehrerin war froh und dankbar über meinen Vorschlag zum Nachteilsausgleich für eine Klassenarbeit, womit ich kaum gerechnet hatte.“ (Catrin)

„Obwohl es das gute Recht meines Sohnes ist, empfinde ich es als Glück, beim sozialmedizinischen Dienst zum Thema Wohnen endlich auf Verständnis gestoßen zu sein. Sein Bedarf wird nun gesehen.“ (Ronja)

„Es ist ein großes Glück, dass wir Sachbearbeiter haben, die sich mit dem Persönlichen Budget auskennen und es nun endlich vorangehen kann.“ (Tanja)

Hier zeigt sich eine andere Seite von Glück.
Nicht die Leichtigkeit, sondern das Durchhalten. Und oft die Erleichterung, endlich auf offene Ohren gestoßen zu sein oder geltendes Recht zugesprochen zu bekommen.

Und manchmal auch das Gefühl:
Es hat sich gelohnt, nicht aufzugeben.

🤝 Wenn Begegnung möglich wird

Manche Momente erzählen davon, dass sich Türen öffnen, leise, vorsichtig und oft unerwartet.

„Eine siebenjährige Klientin hat mir ihre Sorgen erzählt – sie ist selektiv mutistisch und hat sich auf mich eingelassen. Das war bewegend.“ (Claudia)

„Ich bin glücklich, weil ich als Schulbegleiterin erleben durfte, wie mein anfangs als unbeschulbar geltender autistischer Junge seinem Mitschüler zum Geburtstag gratulierte und ihn umarmte. Da ging mir das Herz auf.“ (Manuela)

„Ich bin glücklich, weil meine sechsjährige Tochter das erste Mal zu einem Kindergeburtstag eingeladen wurde.“ (Thomas)

„So glücklich, weil wir kürzlich Besuch hatten und sich die beiden autistischen Jungs mit viel Abstand, aber glücklich beäugten. Ganz andere Begegnungen, als ich das bisher kenne, aber so wohltuend.“ (Rita)

Das sind Momente, die man nicht erzwingen kann.
Aber man kann Räume schaffen, in denen sie möglich werden, und einen offenen Blick dafür behalten, dass sie überhaupt stattfinden ♥

☀️ Wenn der Alltag einfach gelingt

Viele Glücksmomente sind erstaunlich schlicht.
Und gerade deshalb so wertvoll.

„Glück ist, wenn es beide Kinder, trotz ihrer Hypersensorik gegenüber Kleidung, schaffen sich anzuziehen und wir das Haus verlassen können. Wenn dann noch draußen die Sonne scheint, hüpft mein Herz!“ (Theresia)

„Mein Glücksmoment ist, wenn ich an einem Schultag, an dem mein Kind (wie meistens….) nicht zur Schule gehen kann, KEINE E-Mail oder Anrufe der Schulleitung bekomme!“ (Saskia)

„Gestern haben wir es seit langer Zeit geschafft mit der ganzen Familie etwas zu unternehmen, ein kleiner Besuch im Schwimmbad.“ (Corinna)

„Neulich hat mein neunjähriger Sohn das erste Mal mit uns gemeinsam Nudeln am Tisch gegessen und er hat sich selbst so sehr darüber gefreut, dass ich sehr glücklich bin.“ (Tamara)

„Ich bin glücklich, weil meine autistische Tochter mit ihren 13 Jahren seit einiger Zeit endlich durchschläft.“ (Jens)

Das sind für viele von außen betrachtet, keine außergewöhnlichen Ereignisse.
Aber genau das ist der Punkt, denn für uns sind sie absolut bedeutend.
Dass etwas „einfach funktioniert“, ist in vielen Familien alles andere als selbstverständlich.

🌿 Ihr und eure Seelenstreichler in der Natur

Und dann gibt es diese Momente, die nichts erklären müssen und trotzdem wirken.

„Ich bin dankbar für die schöne Natur und das Vogelgezwitscher im Wald.“ (Barbara)

„Ich habe ein wunderschönes Tagpfauenauge fotografiert und mich daran erfreut.“ (Christel)

„Mein kleiner Glücksmoment ist, wenn ich meine kleine Blaumeise dabei erwische, wie sie ihr tägliches Bad in meiner Vogeltränke auf dem Balkon nimmt…sooo süß!“ (Katrin)

„Am frühen Morgen auf dem Weg am See entlang zur Arbeit durch eine Wolke Schokoladenduft zu radeln…“ (Ilona)

„Ein großer Glücksmoment für mich war eine kleine Wanderung im Altmühltal… ganz entspannt, einfach Zusammensein mit meiner Familie.“ (Lilo)

„Für mich war es der Himmel auf Erden, als ich neulich durch tiefen Schnee stapfte und mir tatsächlich keine Sorgen machte.“ (Silke)

Diese Momente haben keinen Zweck.
Sie müssen nichts leisten.
Und vielleicht liegt genau darin ihre Kraft.

💙 Wenn Beziehung spürbar wird

Einige eurer Sätze zeigen auch, wie viel in kleinen Gesten steckt.

„Mein Sohn hat mir einen Blumenstrauß geschenkt, einfach so.“ (Katrin)

„Mein autistischer Partner hat mir eine kleine Eule aus Holz geschnitzt… sie ist mein täglicher kleiner Begleiter.“ (Katrin)

„Mein autistischer Bruder war sehr aufgewühlt. Ich habe eine CD gefunden, die ihn beruhigt hat.“ (Ina)

„Ich konnte meinen Sohn beruhigen, indem ich seine Füße massierte.“ (Gisela)

„Mein Sohn hat mich neulich umarmt, ganz plötzlich, das war ein wunderschöner Moment.“ (Natascha)

„Mein Sohn hat neulich im Schlaf mehrmals Mama gesagt und dann Luftküsse verteilt. Ich hätte ihm stundenlang zuhören können.“ (Silke)

Beziehunge, die trägt und so oft nicht gezeigt werden kann, ist gold wert und so wunderschön, wenn wir sie spüren dürfen.

🍀 Was ich aus euren Antworten mitnehme

Glück im Alltag mit Autismus ist oft leise.
Es hat nichts mit Perfektion zu tun.
Und auch nichts mit den Bildern, die rund um den Weltautismustag oft gezeigt werden.

Es ist ein Moment von Verbindung.
Ein Schritt, der gelingt.
Ein Tag, der ruhig bleibt.
Ein kleines Stück Selbstständigkeit.
Ein Gefühl von: Es ist gerade in Ordnung.

Während an einem Tag im Jahr über Autismus gesprochen wird,
lebt ihr diesen Alltag jeden einzelnen Tag.

Danke, dass ihr eure Momente geteilt habt. 💛

Zum Weiterlesen:

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wer hier schreibt

Silke Bauerfeind

Gründerin von Ellas Blog (2013), Buch- und Kurs-Autorin, Kulturwissenschaftlerin, psychologische Beraterin, Referentin. 

"Ich verbinde persönliche Erfahrung mit Wissen rund um Autismus, Teilhabe und Familienrealität. Mein Schwerpunkt liegt auf Autismus mit hohem Pflege- und Unterstützungsbedarf – Themen, die in der öffentlichen Wahrnehmung oft zu kurz kommen"

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Es ist immer wieder überwältigend, was wir als Eltern autistischer Kinder bedenken, organisieren und verarbeiten müssen. Neben viel Wissen und Erfahrungen, die du hier im Blog findest, ist eine solidarische Gemeinschaft unglaublich hilfreich. Das Forum plus ist ein geschützter Bereich nur für Eltern autistischer Kinder. Hier findest du außer praktischen Tipps viel Verständnis und Menschen, die ähnliche Erfahrungen machen wie Du.

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