Gedanken-Grübel-Gemenge – wenn man sich ständig Sorgen macht

Ganz bestimmt kennen das fast alle von Euch und eigentlich ist es ja auch ganz normal: man sorgt sich um seine Kinder, weil man sie liebt.
Mit einem behinderten Kind sorgt man sich auch noch wegen anderer Dinge, weil sie mehr Hilfe und Fürsorge brauchen – manchmal ein Leben lang.

Als Eltern muss man in viele Situationen erst hineinwachsen.
Wenn man ein behindertes Kind hat, kann man sich nicht einfach bei Freunden, die auch Eltern sind, abschauen, was anliegt und an was man denken muss. Vieles ist anders, Meilensteine, Erwartungen, Bedürfnisse, Notwendigkeiten, Selbstverständlichkeiten,…. das alles erscheint oft in neuem, anderem Licht. Da muss man sich erstmal zurechtfinden und das geht nicht von jetzt auf gleich.

Unsicherheit, Selbstzweifel, Mitgefühl… das alles kann zuweilen auch zermürben und lähmen, weil man ständig am Überlegen ist, was ist, was sein könnte, was man vielleicht übersehen hat und was man tun müsste.
Diese Gedanken hören nie auf, wenn man nicht lernt, damit umzugehen und ein gewisses Maß an Gelassenheit zu entwickeln. Für einige von uns bedeutet das richtige Arbeit – in gewisser Weise ab einem bestimmten Punkt auch notwendige Überlebensstrategie.

Es ist ein Thema, an dem ich selbst hart arbeite, denn mein „Gedanken-Grübel-Gemenge“ ist schwer zu stoppen und lässt mich manchmal in den „Grübel-Graben“ stürzen (rw).
Dort ist es dunkel, kalt und ziemlich einsam. Man hat das Gefühl, dass man in einem Krater stitzt, unter dem ein Vulkan brodelt und jederzeit ausbrechen kann.
In Habachtstellung achtet man auf alles, was störend und irritierend ist und dann hört und sieht man auch nur noch diese Dinge. Man verkrampft und fühlt eine schmerzende Anspannung.
Wenn man mal hineingestürzt ist in diesen Graben, kommt man alleine schwer wieder raus.

***

Neulich las ich dieses Zitat von Frank Kafka, das ich auf eine wunderschöne Aufname vom Ledrosee (Urlaub 2015) setzte:

Es spricht mich sehr an, weil es das Bestreben hin zu mehr Gelassenheit unterstützt.
Manchmal vergegenwärtige ich mir, was in der Vergangenheit konkret passierte, nachdem ich mir unendliche Sorgen wegen einer Bewegung, einer Äußerung, eines Geräusches, eines Verhaltens von Niklas gemacht hatte. Und meistens steckte nichts Schlimmes dahinter und meine Sorgen entpuppten sich als unbegründet.

„Das Hindernis“ – das Problem – wird sich schon eindrücklich melden, wenn es beachtet werden muss. Also suche nicht danach!

Das ist etwas, das ich versuche zu verinnerlichen und ich kämpfe mit mir, weil ich immer wieder Angst habe trotz oder wegen einer anzustrebenden Gelassenheit, etwas Wichtiges zu übersehen bzw. dann nicht mehr zu sehen.
Vielleicht geht es Dir ja ähnlich, dann weißt Du jetzt, dass Du mit Deinem „Gedanken-Grübel-Gemenge“ nicht alleine bist. – Und wenn wir uns mal im „Grübel-Graben“ treffen sollten, können wir ja Räuberleiter machen (rw) ;-)

Falls Du übrigens alleine nicht mehr rauskommst aus dem Grübel-Graben, dann lies gerne mal hier weiter.

Alles Liebe ♥

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4 comments

  • Bianca

    Wieder mal toll geschrieben und wie immer findet man sich auch darin wieder.
    Ich muss dazu sagen wie du weißt habe ich ja zwei beim großen habe ich ja nie gewusst das er Autist ist ich habe mir auch sorgen gemacht aber anders als beim kleinen wo ich die Diagnose nun früh habe.
    Beim großen war das immer so das ich dachte das wird schon und ich habe immer gedacht wenn er groß ist.und im Laufe der Jahre machte er wirklich Fortschritte und würde ruhiger aber ich hatte immer die Hoffnung.Beim kleinen ja da weiß ich nun viel über Autismus der Blickwinkel ist ein anderer.bei ihm mache ich mir dann eher die gedanken „Hoffentlich“ und was kommt noch wobei ich voller ahoffnung sein sollte den mein großer hat sich ja sich toll entwickelt.
    So habe ich auf beide Kinder eine ganz andere Sichtweise beeinflusst von einer Diagnose.
    Oftmals macht man sich auch Zuviele Gedanken und das völlig unnötig.

  • Jana

    …oder wir graben uns ein „Grübel-Graben-Labyrinth“, nehmen unsere Grubenlampen und besuchen uns dann gegenseitig; – selbstverständlich nicht ohne uns vorher Gedanken gemacht zu haben wie wir da ganz gelassen wieder raus kommen. Räuberleiter mache ich aber auch sehr gern mit…

  • Bärbel

    Nein, abschauen geht nicht wirklich. Gelassenheit entwickeln ist nicht einfach, ginge theoretisch ganz gut.
    Wenn, ja wenn, da nicht “Fachleute” (Ärzte, Lehrer, Therapeuten etc.) und “liebe Mitmenschen” wären, die sich ständig einmischen, quer schießen, negieren, alles besser wissen, obwohl sie von Autismus wenig bis keine Ahnung haben.
    Es ist verdammt Kräfte zehrend, wenn man immer wieder Sätze zu hören bekommt wie: “jetzt lassen Sie das Kind doch mal, da muss es durch und das lernen” (fahren im überfüllten, lauten Bus, einkaufen im Supermarkt und ewig an der Kasse anstehen, locker mit für ihn chaotischen Situationen umgehen usw. – aber bitte nicht in 5 Jahren sondern jetzt sofort versteht sich!) oder “Gott, andere Kinder/Jugendliche machen das auch, da muss sich ihres eben zusammenreissen” oder “ach, bei mir (NT!) ist das auch so, ich muss das trotzdem machen ” oder “ja da muss der junge Mann halt in eine medizinische Reha, dann lernt er das” (begleitet von einem Blick, der besagt, dass die Glucken-Mama wohl zu blöd ist, ihm das beizubringen 🙄😡😫) oder “ja mei, es gibt halt nix anderes hier, da muss man eben das nehmen, was da ist” (Schulformen, Ausbildungsberuf und -möglichkeit).
    Wie soll man da sein Kind (auch wenn es schon Volljährig ist) vertrauensvoll in andere Hände geben, wenn schon im Vorfeld zu sehen ist, dass es schief geht? Und viele Erfahrungen in der Vergangenheit gezeigt haben, dass jedes Scheitern, jede schlimme Erfahrung Monate braucht, um halbwegs verdaut zu werden vom Autisten? Und die Belastungsgrenze vom Autisten und damit zwangsläufig der Mutter (oder Betreuungsperson) immer weiter sinkt? Mangels verbaler Ausdrucksfähigkeit wird eben somatisiert und der Körper des Autisten spricht dann eine sehr klare Sprache … die von Fachleuten nicht verstanden wird/werden will. Und Dolmetscher (=Mutter/Betreuungsperson) werden nicht anerkannt.
    Netzwerke sind wertvoll – je nach Umgebung aber schwer aufzubauen. Und es fehlt an rechtssicheren Grundlagen (Stichwort: Förderschwerpunkt Autismus) und echter Beratung.

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