Gastbeitrag von Maria: Verspätete Gedanken zum Welt-Autismus-Tag

Ballon mit Farbspektrum
©Quelle: pixabay, User geralt

Gastbeitrag von Maria:

Hallo, liebe Mitleserinnen und Mitleser von „Ellas Blog“,
meine Gedanken und Wünsche zum Welt-Autismus-Tag habe ich mir bewusst für heute aufgehoben, da ich mir wünsche, dass es ihn nicht zu geben bräuchte, weil sich die Menschheit jeden Tag bewusst machen würde, dass es einige gibt, die nun einmal ein bisschen anders sind.

Das gleiche gilt für den Frauentag, und meine Mutter würde es auch für den Muttertag unterschreiben: dass sich Männer und Kinder lieber jeden Tag vor Augen führen sollten, was Frauen im allgemeinen und Mütter im Besonderen jeden Tag leisten.

So ähnlich sehe ich es mit dem Welt-Autismus-Tag. Ein weiterer Wunsch ist, dass die Autistinnen und Autisten untereinander nicht vergleichen, da es nun einmal ein Spektrum ist zwischen vollkommen selbständig und vollkommen pflegebedürftig. Und zwischen Früh- und Spätdiagnostizierten. Und zwischen Kindern und Erwachsenen. Und Verbalen und Non-Verbalen. Und … und … und …

Eine Spätdiagnostizierte Ende 40, die gut durchs Leben gekommen ist, bei der sich Mobbing und Verständnis unter dem Strich ausgeglichen haben und die mit Anfang 20 beschlossen hat, „sich die Freiheit zu nehmen“, anders zu sein, zu ticken und zu handeln, sofern es niemandem schadet, und die erst auf die Idee kam, eine Diagnose zu suchen, als der stabile äußere Rahmen wegfiel, will anders behandelt werden als der Spätdiagnostizierte Ende 40, der mit dem Bewusstsein aufwuchs, „falsch“ zu sein, und eine Odyssee von Ärzten, Fehldiagnosen und unpassenden Therapien hinter sich hat. Die eine sieht ihr ganzes bisheriges Leben in Frage gestellt, der andere verspürt Erleichterung, zu wissen, was los ist.

Auch bei der Art, mit Schwierigkeiten umzugehen, gibt es Riesenunterschiede. Wenn man eine schlechte Orientierung hat, kann man

  • sich nach Angaben auf der Karte ausrechnen, wie viele Schritte man braucht, bis man abbiegen muss.
  • sich an einem übersichtlichen Treffpunkt abholen lassen.
  • sich auf markante Punkte konzentrieren, die man sich merken kann (ich persönlich eher Straßennamen und Hausnummern als Läden auf dem Weg. „Beim Bäcker links abbiegen“ verwirrt mich eher, wenn der Erklärende nicht genau weiß, wie das Geschäft heißt, es früher anders hieß und auf dem Weg mehrere Bäcker sind. „In die Sophie-Scholl-Straße links abbiegen“ ist hilfreicher, weil man an jeder Ecke gucken kann, wie die Straße heißt. Wer sich eher ein besonderes Geschäft merken kann, sollte aber lieber nicht mich fragen 😊.)

Das ist nur ein Alltagsbeispiel von vielen. Gibt es da ein „Richtig“ und ein „Falsch“?

Empfindlichkeiten sind auch unterschiedlich verteilt. Die Frage, ob ein Haustier alles kontaminiert oder so viel Beruhigendes an sich hat, so dass beim Streicheln aller Alltagsstress verschwindet, kann unter Autisten zum Diskussionsthema werden. Aber auch da kann der Haustierhalter den anderen außerhalb treffen. 

Hilfe sollte beantragt, gewährt und angenommen werden, wenn notwendig, aber ich möchte auch in meiner relativen Selbständigkeit respektiert werden. Ich brauche z. B. manchmal 5 Minuten für eine Entscheidung, die andere in 5 Sekunden treffen, aber deswegen keine Entscheidungshilfe! Aber wer sie braucht, sollte sie bekommen. Als Nachteilsausgleich hätte ich mir in der Schule eher eine Sportbefreiung als mehr Zeit bei Klassenarbeiten gewünscht. Auch hier sollte mehr individuell entschieden werden und mehr auf den einzelnen gehört werden.

Ich hoffe, Ihr versteht, was ich meine!

Einen schönen Start in den Mai wünscht „Maria“

Zum Weiterlesen gerne ein anderer Gastbeitrag von Maria:
„Das ganze Leben ist ein Quiz“


One comment

  • Natalie

    Liebe Maria,
    verständlicher hättest du es nicht schreiben können.
    Danke für den schönen Beitrag. ❤
    Sooo wahr!

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