Wie sich das Reisen mit Niklas mit der Zeit veränderte

Kürzlich wurde ich gefragt, wann wir das erste Mal mit Niklas auf Reisen gingen und was wir dabei beachteten. Wir waren mit ihm eigentlich schon immer unterwegs, allerdings hat sich die Art des Reisens mit der Zeit auch immer wieder verändert.

Lofoten

unser Lieblingsreiseziel: die Lofoten in Nordnorwegen

Es gibt ja so vieles zu beachten, wenn man seine Siebensachen für eine Reise zusammenpackt. Und wenn man ein Kind mit Handicap hat, dann sammelt sich da so allerlei an Dingen an, die zu bedenken sind. Das werden die meisten von Euch sicherlich sehr gut kennen.
Eine Urlaubsreise ist nur dann für alle erholsam, wenn sich das autistische Kind wohlfühlt, diese Erkenntnis stellt sich bei den meisten Familien sehr schnell ein und daher versucht man, alles zu berücksichtigen und zu bedenken, was dazu beitragen kann, dass ein gutes Miteinander auch außerhalb der vertrauten vier Wände zuhause möglich ist.

Ich habe in den letzten Jahren von vielen Familien gehört, die einen tollen Weg für sich finden konnten, aber auch von Versuchen, die scheiterten und von Urlauben, die abgebrochen werden mussten. Von alledem erlebten wir auch einiges und passten daher unsere Art zu reisen immer wieder neu an Niklas‘ Bedürfnisse an.

 

Die Flugreisen mit Niklas als Kleinkind

Seit fast 20 Jahren fahren wir einmal im Jahr mit der Großfamilie (10 Personen) für eine Woche in den Urlaub. Dafür wählten wir anfangs ein Ziel im Süden und flogen meistens in den Osterferien auf die Kanarischen Inseln.
Das klappte gut, solange Niklas klein war. Offenbar konnte er damals die akustischen Einflüsse und den Stress einer solchen Reise noch viel besser kompensieren als heute. Auch der Aufenthalt in einem Bungalow oder Appartement klappte damals recht gut. Mit Niklas und seiner Schwester konnten wir auf diese Weise ein paar Jahre lang verschiedene Inseln kennenlernen.

Als er etwa fünf Jahre alt war, wurde es schwieriger. Die Strapazen und Eindrücke eines Fluges waren nicht mehr so gut für ihn zu ertragen und auch der Aufenthalt an Ferienorten mit zu vielen Menschen wurde für ihn zu purem Stress. Und damit natürlich auch für uns alle.
In dieser Zeit schritt übrigens auch die Diagnostik voran, es war kurz vor der Diagnosestellung, die damals lautet: frühkindlicher Autismus mit hyperkinetischer Begleitkomponente.

 

Familienurlaub in Ferienhäusern

Wir überlegten gemeinsam einen neuen Weg, einmal im Jahr gemeinsam in den Urlaub zu fahren. Flugreisen waren passé und daher suchten wir nach Familienquartieren auf dem Festland in Italien, Frankreich und Kroatien. Der Zeitpunkt wurde wegen der Wetterprognosen auf die Pfingstferien verlegt und so lernten wir schöne neue Orte in Südeuropa kennen.
Die Häuser für unsere 10-Personen-Gruppe waren großzügig, meist mit Pool und vielen Rückzugsmöglichkeiten für Niklas.

Er genießt diese Urlaube nach wie vor, auch wenn er immer mit Faktoren zurechtkommen muss, die er zuhause nicht hat oder in anderer Ausprägung kennt: unbekannte Geräusche, neue Umgebung, fremde Betten, störende Lichteinflüsse.
Niklas ist ein absoluter Familienmensch und legt viel Wert darauf, seine Lieben um sich zu haben, auch wenn es manchmal sehr anstrengend für ihn ist. Daher versuchen wir in Absprache mit ihm, diese schöne Tradition aufrecht zu erhalten.

 

Wohnmobilurlaube

mit dem Womo in Norwegen

mit dem Womo in Norwegen

Das absolute Highlight für uns waren jedoch unsere Wohnmobilurlaube, die wir auch fast 20 Jahre lang mit unseren Kindern unternahmen. Meistens fuhren wir nach Norwegen und Schweden, um die Weite und Freiheit dort zu genießen. Aber auch Tripps in die Alpen, die Provence oder Italien waren dabei. Wir verbrachten maximal zwei Nächte an einem Ort und so konnten wir Niklas und seiner Schwester vor allem tolle Naturschauspiele zeigen und hatten immer die vier bekannten Wände um uns herum dabei.

Niklas liebte das viele Jahre lang, vom Fahren konnte er nicht genug bekommen, oftmals war es ein Problem, an einem schönen Ort stehenzubleiben, weil unser junger Mann den Fahrtwind um die Nase vermisste.
Egal, wo wir waren, Niklas hatte immer die Option ins Womo auszuweichen. Das kannte er, dort fühlte er sich sicher – es war wie ein zweites Zuhause.

Häufig hatten wir noch ein drittes Kind dabei, wenn Niklas‘ Schwester eine Freundin mit auf unsere Reisen einlud. Das war immer eine tolle Sache, die die Schieflage (rw), was Zeit für Pflege und erforderliche Aufmerksamkeit für Niklas in Vergleich zu seiner Schwester etwas entzerrte.

Irgendwann war Niklas‘ Schwester erwachsen und fuhr nicht mehr mit. Niklas ist inzwischen auch 18 Jahre alt, so dass er letztes Jahr beschloss, dass Womo-Urlaube mit Eltern doof sind und es ihm zu eng wird.
Das war eine Einsicht, die wir sehr schade fanden, zudem er sie sehr entschieden traf und äußerst energisch umsetzte. Blöd, dass wir uns zu diesem Zeitpunkt am nördlichen Polarkreis befanden und die Rückfahrt mit unserem protestierenden Niklas eine ganze Weile dauerte. Ich hatte darüber im letzten Sommer ausführlich geschrieben.

In Summe bleiben Erinnerungen an superschöne Urlaube, in denen wir unter uns waren, uns niemand in Hotels oder anderen Unterkünften störte, unser Leben kommentierte oder Regeln aufstellte. Wir waren unterwegs uns genossen die Freiheit.
Ausführlichere Berichte darüber findest Du in der Kategorie „Ellas Blog on Tour“.

 

Ferienhaus in Schweden

Nachdem wir uns nun wieder auf eine neue Art des Urlaubens einstellen müssen, werden wir es diesen Sommer mit einem kleinen Haus am See in Schweden versuchen. Mal sehen, wie Niklas es dort findet und ob wir da ähnlich zur Ruhe kommen können, wir auf unseren skandinavischen Womo-Reisen. Ich werde berichten…

 

Anpassen von Rahmenbedingungen und Vorbereitung einer Reise

Grundsätzlich denke ich, dass ein Urlaub nur dann wirklich schön für alle ist, wenn man demjenigen, der die größten Probleme mit Veränderungen hat, weitestmöglich entgegenkommt. Schwierig kann es natürlich werden, wenn Bedürfnisse mit anderen Familienmitgliedern kollidieren und Geschwister auch ihre berechtigten Wünsche anmelden. Manchmal ist das gar nicht so einfach und ein Patentrezept für diese Problematik habe ich leider nicht im Angebot.

Wir haben das Anpassen der Rahmenbedingungen immer wieder umgesetzt, fuhren damit eine Zeit lang gut, mussten aber auch lernen, dass sich die Anforderungen von Niklas an eine Reise mit der Zeit verändern.
Und das ist ja auch normal, auch wir verändern unsere Vorstellungen an schöne Urlaubsreisen mit den Jahren und es ist gut, wenn man das erkennt und darauf reagieren kann.

Meiner Erfahrung nach ist Vorbereitung, für welche Reise auch immer, das Wichtigste.
Dabei geht es darum, rechtzeitig gemeinsam zu planen, das Kind mit in die Entscheidung einzubeziehen, wohin und auf welche Weise es gehen soll, einen Plan zu malen, mit dem Zeiträume besser zu erfassen sind, gemeinsam zu packen, wenn möglich Fotos vom Reiseziel vorab zu zeigen und so weiter.
Eine Hilfe kann auch eine sog. Reliefkarte sein, auf der man Täler und Berge erfühlen kann. Für Niklas ist es hilfreich, auf diese Weise im wahrsten Sinne des Worte zu begreifen, ob uns die nächste Reise über Berge oder vielleicht auch übers Meer führen wird.

Kleiner Tipp am Rande: für mich persönlich wurde es mit der Zeit wichtig, meine eigene Erwartungshaltung an einen Urlaub anzupassen. Es geht eben z.B. nicht mehr wie früher, dass ich sechs Bücher einpacke, um sie in Ruhe lesen zu können. Wenn ich ein paar Seiten schaffe, kann ich mich glücklich schätzen und etwas anderes zu erwarten, kann nur zu Frust führen. Also erwarte ich es nicht mehr. ;-)

Ich wünsche Euch tolle Strategien für Eure Familie, damit schöne Reisen möglich werden. Schreibt mir gerne davon :-)
Herzlich Silke alias Ella

***

Zum Weiterlesen:

Über Womo-Wehmut und Lust auf Neues

Gastbeitrag: Alltagsfluchten – unerreichbar sein und Freiheit genießen

 

 

 

10 comments

  • Daniela

    Hallo zusammen
    Vielleicht hat uns hier jemand einen guten Rat, betreff in die Ferien zu gehen. Unser Sohn hat das Asperger Syndrom. Ansonsten haben wir und vorallem er alles so ziemlich im Griff nur das „in die Ferien gehen“ ist gelinde ausgedrückt eine Katastrophe ! Nando ist sehr gerne in den Ferien und wir versuchen auch immer, die Destination so zu wählen, dass es für ihn stimmt. Nur das weggehen von zu Hause, ist für ihn extrem schwierig. Ferien planen, darüber reden, sich auf das eine oder andere freuen, können wir zusammen sehr gut. Nur wenn dann der Moment da ist, an dem es heisst, „wir gehen jetzt“ bekommt er Panik, Weinkrämpfe, Angstzustände !!! Die ganze Reise hin zu unserem Feriendomizil ist begleitet von Tränen und Angst, obwohl er unser Ziel kennt und sich dort auch wohlfühlt. Sind wir dann aber einmal da, ist es für ihn wie ein ankommen und er freut sich riesig über Strand, Meer und und und !! Er ist übrigens 14 Jahre alt. Wir arbeiten an diesen Ängsten mit professioneller Hilfe und unterstützen ihn wo immer es geht. Vielleicht hat mir ja hier jemand einen Rat, der dieses oder ein ähnliches Problem kennt. Es wäre so schön, wenn Nando auch die Hinreise geniessen könnte.

    • Silke

      Liebe Daniela, vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich kenne das, was Du beschreibst sehr gut. Es sind oft die Übergänge, die unseren Kindern so große Schwierigkeiten bereiten. Bei Niklas ist es auch so, dass der Übergang von einer Tätigkeit zur nächsten oder von einem Ort zum anderen mit vielen Sorgen, Widerstand und Ängsten verbunden ist. Wenn er dann angekommen ist, ist alles gut und manchmal will er dann gar nicht mehr nach Hause. Ein Patentrezept habe ich nicht, nur die Empfehlung die einzelnen Schritte nicht nur zu erklären, sondern zusätzlich zu visualisieren. Schreibe oder male auf, was alles passieren wird oder illustriere es mit Bildern. Wenn er den Ort, an den ihr fahrt, schon kennt, wird er ihn vielleicht auf den Fotos wiedererkennen. Pinne die Fotos auch ins Auto, damit er das Ziel die ganze Zeit vor Augen hat. Worte verhallen, Bilder oder Geschriebenes bleibt länger sichtbar und hilft dabei, etwas zu verinnerlichen. Ich wünsche Dir sehr, dass es besser wird, LG Silke

  • Kathi Von Der Heyden

    Hallo Liebe Silke,

    Deinen Beitrag zum Thema Urlaub mit autistischem Kind habe ich sehr gern gelesen. Ich finde es toll, wie ihr immer wieder neue Lösungen gesucht habt um gemeinsam zu Reisen. Ich habe mir für einen ganz kurzen Moment vorgestellt, dass wir diese Familie sind und kam zu der Erkenntnis, dass dies mit unserem Löwenpinguin leider nicht möglich ist. So gern würde ich mal in den Urlaub fahren mit Mann und beiden Kindern aber die Angst, dass der Urlaub in einer Katastrophe endet ist einfach zu groß. Hier in unseren 4 Wänden (Lukis Festung) fühlt sich unser Sohn sicher und wir als Eltern haben es unter Kontrolle. Wenn wir aber irgendwohin in ein Hotel fahren dann sind wir nicht mehr unter uns weil da noch andere Urlauber sind. Das heißt es muss Rücksicht genommen werden. Luki ist oft sehr laut und es ist schon wahnsinnig schwierig für uns wenn wir nur spazieren gehen oder in den Supermarkt. Die Leute glotzen regelrecht. In seltenen Fällen spricht uns mal jemand an warum wieso unser Sohn so laut ist dann erklären wir. Aber die meisten Menschen gaffe einfach blöd und schütteln den Kopf.

    • Silke

      Liebe Kathi, das kann ich sehr gut nachvollziehen. Und daher war uns auch immer die Freiheit und die eigenen vier Wände, die so ein Womo mit sich bringen, enorm wichtig. Auf einem Campingplatz mit Nachbarn vorne, hinten, rechts und links standen wir aus diesem Grund auch nie. Mal sehen, wie es uns in dem schwedischen Häuschen, das natürlich auch abseits von möglichen Nachbarn steht, gefallen wird. Ich verstehe, dass es viel Kraft kostet, sich aus dem häuslichen Schutz herauszubewegen. Alles Gute Dir und Deiner Familie.

    • Liebe Silke und an ALLE die hier sich zu diesem Thema gemeldet haben, wir sind in einer ähnlichen familiären Situation (unser autistischer Sohn ist 23 und lebt bei uns Zuhause ohne Tagesstruktur) und haben bis vor 3 Jahren unseren Ferienhof an der Nordsee mit 5 Ferienwohnungen und 2 Doppelzimmern mit Frühstücksservice für Ruhesuchende Nordseeliebhaber angeboten. Der Autismus unseres Sohnes hat die Weiterführung des Betriebes sehr erschwert und wir haben den Betrieb eingestellt und versuchen jetzt schon seit geraumer Zeit das Anwesen zu verkaufen. Doch der Platz hier ist ideal für Autisten, wir liegen weit ab von allem was stören könnte und das Reetdachhaus wäre der ideale Urlabusort für Familien mit autistische Kindern. Wir selber haben aber keine Kraft mehr dieses Projekt umzusetzen. Wir suchen Mitstreiter und Ideen der Umsetzung. Was wir einbringen können ist die ideale Immobilie am idealen Ort, aber alles andere – wie z.B. muss man einen Elternverein gründen, oder eine gemeinnützige Betreiber GmbH die dann die Immobilie anmietet und wieder an die Eltern weiter vermietet und auch die notwendigen Mitarbeiter anstellt? Fragen über Fragen….vielleicht findet sich hier auf deinem Blog liebe Silke die richtige „Truppe“ zusammen? Mein Leuchtturmdasein am Ende der Welt macht es da doch etwas schwierig die richtigen Menschen zu finden. Auf Facebook lese ich den Blog normalerweise und poste meine Kommentare auch dort und hatte diesbezüglich auch schon etwas geschrieben. Würde mich freuen, wenn sich interessierte Familien melden würden und es vielleicht doch noch eine Zukunft für das lANDHAUS TRENDERMARSCH auf Nordstrand geben würde und sich hier eine Urlaubs- oder auch Lebens- und Wirkungsstätte von Autisten für Autisten entwickeln könnte. Mit herzlichen Grüssen an ALLE aus der Nordsee, Anja

    • Silke

      Liebe Anja, das ist ein toller Ansatz für ein Projekt. Vielleicht magst du einen extra Beitrag dazu schreiben, mit Fotos und genaueren Ideen? Dann geht es hier in den Kommentaren nicht so leicht unter. (Die Links auf der von Dir verlinkten Webseite funktionieren leider nicht). Wir brauchen Visionen, um Neues zu schaffen – toll, dass Du das anpackst.

  • Lisa

    Ich will mich einer persönlichen Herausforderung stellen. So lange so weit weg war ich bislang noch nie. Und ich muss alles alleine organisieren. Die größten Sorgen mache ich mir um die Anreise an sich: Finde ich mich auf dem Abflughafen zurecht (wahrscheinlich Frankfurt/Main)? Finde ich am Ziel die Gepäckausgabe schnell genug? Erkenne ich meinen Koffer wieder? Was muss ich unbedingt in den Koffer packen? Wie finde ich vom Zielflughafen a) zu einer Unterkunft und b) zu meinen Ansprechpartnern vor Ort? Wo kann ich zügig Geld wechseln? Wie komme ich zu meinem eigentlichen Ziel? Wie vermeide ich, mit meinem Englisch auf dem Schlauch zu stehen? Und ich pauke jetzt schon die Landessprache, um mir vor Ort ansatzweise selber helfen zu können.

    Die Unterkunft ist eine Gemeinschaftsunterkunft. Ich war während der Ausbildung im Internat. Von daher weiß ich, dass ich es eine begrenzte Zeit durchaus aushalte. Die Herausforderung ist aber, dass ein deutschsprachiger Mitbewohner so wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto ist. Auch schwierig ist, dass viele Details erst vor Ort feststehen.

    Andrerseits möchte ich deutlich länger bleiben als die üblichen 2-3 Wochen. In so einer kurzen Zeit hetze ich auch nur die Sehenswürdigkeiten ab. Hinterher bin ich kaputt und habe nicht wirklich was vom Land gehabt. Über mehrere Monate kann ich mich in gewisser Weise auf die Bedingungen dort einstellen – einen geregelten Alltag inklusive. Außerdem ist ein normaler Urlaub im Verhältnis zur Dauer für mich dort viel zu teuer. Bei 2000 Euro bin ich bei jeder Dauer locker.

    Organisierte Gruppenfahrten wie im kommenden Herbst haben auch ihre Tücken: Bei jemandem im Gästezimmer zu übernachten ist in der Regel vorteilhafter als im Hotel. Allerdings hänge ich sehr vom Terminplan der Gruppe ab. Mittagessen gibt es im Restaurant (laut). Und an irgendeiner Stelle geht der Plan bestimmt nicht auf. So ist die ganze Gruppe mehr oder weniger unruhig. Immerhin kenne ich die meisten Mitreisenden. Vorteil dieses Jahr: Ich bin letztes Mal mitgefahren und kenne noch ein paar Tücken: Ein großer Empfang, nach dem sich alle laut im Rathaussaal unterhalten. Dass ich besser bei dem Ausflug am 2. Tag schon meine Sachen für den Abend mit einpacke. Das war ein unnötiger Stress beim letzten Mal. Außerdem habe ich schon etwas Französisch (es geht nach Frankreich) gelernt. Das dürfte die Verständigung erleichtern.

    Ganz allgemein kann ich nur wegfahren, wenn An- und Abreise und die Unterkunft geklärt sind und ich weiß, wo ich hin muss bzw. wo sich der Ort der anvisierten Veranstaltung befindet. Ich kann nirgendwo anlasslos oder ohne ein konkretes Vorhaben hinfahren.

    Auch bei meinem Großprojekt im nächsten Jahr habe ich ein Ziel: Die Leute dort kennenlernen und ein realistisches Bild vom Alltag bekommen. In den Nachrichten sehe ich ja nur Bilder von Gewalt oder Regierungsvertreter. In anderen Formaten geht es um die bekannten Sehenswürdigkeiten – und vielleicht noch darum, dass sich Leute darum kloppen. Das Land besteht doch nicht nur aus den Konflikten mit seinen Nachbarn! Zum andern berührt dieses Land mein Spezialinteresse, das in diesem Land gleichzeitig ein heißes Eisen ist. Äußerungen gewisser Leute dazu bringen mich regelmäßig auf die Palme.

    Appropos Großprojekt: Silke, kann ich, wenn es so weit ist, darüber berichten, wie es mir so ergangen ist? Ich war zwar mit meiner Mutter früher im Urlaub, auf Klassenfahrten und Jugendferienfreizeiten. Ich bin auch geflogen und mit dem Zug gefahren. Ich war im Internat. Aber eine so große Reise habe ich bislang noch nicht alleine organisiert. Ich muss mich vollkommen auf mich verlassen. Ich bin nicht nur mal kurz in der Fremde, andere Mentalität, andere Sprache, wärmeres Klima, andere Lebensmittel und Hygieneprodukte inklusive. Mir fällt kein Ort ein, der wirklich komplett jenseits der Zivilation ist außer der Wüste. So viel kann ich dir jetzt schon sagen: Bestimmt nicht für Niklas geeignet – so viel Mühe sie sich dort auch geben würden, es für Niklas so angenehm wie möglich zu machen.

    • Silke

      Liebe Lisa, ich bin sehr neugierig, mehr darüber zu erfahren. Melde Dich gerne, wenn Du über das Projekt einen Gastbeitrag schreiben möchtest. Alles Gute! :-)

  • Katrin fiedler

    Bei uns läuft alles seit Jahren nach dem gleichen Schema ab, aber nicht nur, weil unsere Tochter (13 Jahre) Asperger hat, sondern ich das auch in der Form brauche. Wobei ich den Drang verspüre nach Schweden zu fahren oder sogar Norwegen, aber mir meine „Dämonen“ im Weg stehen, ich nenne meine Ängste so.
    Was unsere Tochter betrifft, sieht sie einen Urlaub als unlogisch an. Man könne doch auch Urlaub zu Hause machen, man geht ja nur nicht zur Schule und in die Arbeit, da muss man doch nicht wegfahren. Wir fahren immer zweimal im Jahr an die Ostsee ins gleiche Ferienhaus. Wir nehmen immer ihren PC mit, denn das ist ihr Spezialinteresse, aber auch Mangas, Anime malen und lesen. Sie verlässt genau wie zu Hause nur unter Protest das Haus. Vor Abreise sage ich ihr, dass sie dreimal mit an den Strand muss, dann kann sie sich schon darauf vorbereiten. Wir stehen immer wieder vor der Frage, machen wir es richtig, dass wir sie dann im Ferienhaus zurücklassen, um eine kurze Fahrradtour zu machen oder an den Strand zu fahren, wir möchten jeden Tag an den Strand, am liebsten ein paar Stunden lang. Wir fahren nur zu Ostern und im Herbst, da meine Tochter und ich auch noch an einer Muskelschwäche leiden und Wärme nicht gut vertragen, unsere Muskeln werden dann noch müder. Meine Tochter ist, denken wir, auch wahrscheinlich nicht in der Lage sich zu helfen, wenn irgendetwas im Ferienhaus nicht so läuft wie immer. Sie hat im Ferienhaus eine eigene Etage und die verlässt sie auch nicht, wenn wir weg sind. Wir brauchen diese Auszeiten unbedingt, also weg von zu Hause, raus aus dem Trott, keine Termine etc. Unserer Tochter macht das auch nichts aus, wenn sie allein im Ferienhaus bleibt, sie will nur ihre Ruhe und nicht raus. Ist ja auch okay, aber so langsam fragen wir uns, ob es sich überhaupt noch lohnt in den Urlaub zu fahren, wenn man doch nicht den Kopf freibekommt, wenn das Kind allein im Ferienhaus ist. Sie hat Pflegegrad 3, weil sie in der Alltagskompetenz überhaupt nicht allein klarkommt. Nur unter Anleitung und Nachkontrolle. Wir lieben das „große Wasser“ und sind so gern da oben, mein Mann ist dort aufgewachsen… wir haben diese Gedanken, durch Schweden zu fahren und Ruhe zu finden, aber wir kennen den Weg nicht dorthin, quälen wir uns zu sehr, sollen wir unsere Träume wirklich begraben? Entschuldigung für das Durcheinander der Sätze und Gedanken, aber ich musste mich auch arg bremsen, weil doch so viele Gedanken auch in meinem Kopf sind und auch Fragen…Vielen Dank und liebe Grüße

    • Silke

      Liebe Katrin, kein Grund Dich zu entschuldigen. Es ist schön, Deinen Gedankengängen zu folgen. Der Gedanke – was bringt es, wenn das Kind doch nur so wenig das Haus verlässt? – den kenne ich. Erst im letzten Familienurlaub in der Toskana war Niklas 90 Prozent der Zeit mit einem Erwachsenen im Haus, während alle anderen sich draußen vergnügten. Da kommen dann schon mal Zweifel auf, ob das so toll ist. Aber dann denke ich wieder, dass es seine Entscheidung ist und er mag es, das „andere Zuhause auf Zeit“ zu erkunden. Blöd nur, dass einer von uns immer dabei sein muss.
      Ich wünsche Euch, dass Ihr vielleicht irgendwann den kleinen Traum verwirklichen könnt und „den Weg nach Schweden findet“. Alles Liebe, Silke alias Ella

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.