Ideen für Beschäftigungsmöglichkeiten im Urlaub, den Ferien und der Freizeit

Was macht ihr mit euren autistischen Kindern in den Ferien oder im Urlaub?

Manche Autistinnen und Autisten haben durchaus Hobbys und Lieblingsthemen, mit denen sie sich gerne und viel beschäftigen. Gerade in den Ferien, um Urlaub und am Wochenende ist dafür dann meist richtig viel Zeit.

Viele autistische Kinder haben aber keine Hobbys wie Tablet spielen oder Bücher lesen. Gerade wenn ihre Handlungsmöglichkeiten stärker eingeschränkt sind, tigern sie durchs Haus, beschäftigen sich mit dem, was sie gerade sehen und benötigen dazu wegen Selbstfährdung häufig noch lückenlose Betreuung.
Auch kann es sein, dass manche Aktivitäten wegen der besonderen Wahrnehmung und möglicher Reizüberflutung für manche einfach nicht möglich sind. Freibad, Zoo, Computerspiele und organisierte Ferienprogramme in Gruppen sind für uns und viele andere zum Beispiel undenkbar.

Da kann es echt schwierig werden, wenn man Wochen damit überbrücken muss und einem immer wieder etwas Neues einfallen soll. Ich spreche hier bewusst von Kindern und Erwachsenen, die sich wenig bis überhaupt nicht alleine beschäftigen, wohlwissend, dass es natürlich auch Autistinnen und Autisten gibt, die das sehr wohl können und auch genießen.

Quelle: Pixabay, User Agnali, vielen Dank!

Per Newsletter hatte ich kürzlich meine Leserinnen und Leser gefragt:

Was bietet ihr euren Kindern an? Welche Beschäftigungsmöglichkeiten klappen und was würdet ihr weiterempfehlen?

Es kamen einige Mails mit tollen Ideen, die ich hier gerne an euch weitergebe und unsere eigenen Tipps gleich mit einfließen lasse. Vielleicht ist das eine oder andere Interessante für euch dabei, das ihr gerne ausprobieren möchtet.

Musik-CDs, CD-Vorstellungs-Videos durch Bandmitglieder
Märchenfilme
Comic-Videos
Kinoabend mit Popcorn
Hörbücher
Musikbücher, TipToi-Musikbücher, Tonie-Boxen
Musik mit Kopfhörer unter einem Baum hören
Basteln, Lego, Malen, Lesen
Wohnmobilurlaub, bleiben wo und solange man möchte,
aus dem Fenster schauen, mit Abstand Menschen beobachten
Zelten und abends Sterne gucken
Nachtspaziergang, wenn alles still und dunkel ist
Federball, Winkinger-Schach und Boccia spielen
Spiele mit Klett- und Schaumstoffbällen (auch als Vorstufe zum Üben für Federball)
Höhlen, Zelte, kleine Baumhäuser bauen
Barfußpfad oder Boxen mit Naturmaterialien im Garten bauen und füllen
Dinge bauen und wieder umwerfen
Rolltreppe fahren
Seilbahn fahren
Boot fahren
Flugzeuge am Flughafen beobachten
Züge beobachten, dabei Pommes essen
Feuerwehr, Müllautos, Bagger anschauen
Raketen aus Brausetabletten, Sprudelvulkane
Glibber selbst anrühren
Fönen und Schaumspiele
Gesichter schminken
Spielzeugauto mit Luftballon antreiben
GoCart fahren
Skateboard hin und her gleiten lassen, wenn selbst fahren nicht möglich ist
Radfahren, Tandem fahren
Zuhause genießen
Kochen und Backen, Schüsseln ausschlecken (extra mehr Teig zubereiten)
Gemüse direkt vom Hochbeet wegnaschen
Stockbrot und Marshmallows für Lagerfeuer
Picknick im Garten, am Fluss oder See
Schubladen und Schränke ausräumen und ausmisten
Möbel umstellen, falls das Kind Veränderungen mag
Handwerkliche kleine Projekte (mitmachen oder zuschauen), vorher zum Baumarkt fahren
Trampolinpark, Freibad (sofern die Kinder Trubel mögen)
Erfahrungsfelder besuchen
Natur- und Barfußpfade besuchen
Barfußpfad im Garten anlegen
mit der Murmelbahn spielen
Fühl- und Klangspiele
Instrumente spielen
Ruhe, kleine Meditationen mit Musik
Massagen mit Bällen und Materialien, die man in der Natur findet
in der Natur sein, See, Wald und Wiesen
Pflanzen und Tiere beobachten
Bauernhof, Alpacafarm und Falknerei besuchen
Herbarium einrichten, Fossilien suchen
unter dem Rasensprenger herumlaufen
vibrierendes Wasserspielzeug in einer Wanne oder Plantschbecken
Aktivitäten fotografieren, ausdrucken und laminieren für ein Erinnerungsbuch


Viele schrieben, dass ihre Kinder bewusst alleine sein möchten. Sie mögen es zwar auch hin und wieder in Gesellschaft zu sein, möchten aber lieber den beobachtenden Part übernehmen und indirekt an der Interaktion anderer teilhaben.
So ist Niklas auch. Er liebt es, alte Schulfreunde mit deren Eltern zu uns einzuladen. Dann freut er sich sehr, auch wenn er sich zwischendurch zurückzieht und kein wirkliches gemeinsames Spiel stattfindet.

Einige von euch schrieben, wie schwierig es in diesen Situationen ist, die eigenen Wünsche von denen des Kindes zu unterscheiden. Denn die Bedürfnisse und Wünsche gehen manchmal deutlich auseinander und nicht immer macht das, was uns glücklich macht, auch unsere Kinder glücklich.

Besonders hakelig wird es, wenn es um Familienaktivitäten oder gemeinsame Einladungen geht, die von der Autistin oder dem Autisten abgelehnt werden. Denn dann steht häufig auch zur Disposition, ob wir selbst an Gemeinschaft teilhaben können, die uns wichtig wäre. Hier Kompromisse zu finden und/oder sich mit der/dem Lebenspartner/in bei der Betreuung abzuwechseln, ist häufig Thema in den Familien.

Noch ein paar Tipps

Wir nehmen uns für jeden Tag eine Kleinigkeit vor – und wenn es einfach die Fahrt zum Baumarkt ist, um etwas zu besorgen. Niklas steigt nicht aus, weil der Besuch des Marktes für ihn viel zu reizüberflutend wäre. Einer von uns steigt aus und der andere wartet mit ihm im Auto. Aber er findet es spannend zu sehen, woher die Dinge kommen, die wir zuhause verwenden.

Wir versuchen bewusst, in den Ferien bzw. in der Urlaubszeit Freunde zu sehen. Es klappt mit den autistischen Kindern dann häufig besser, weil noch nicht so viel Energie im Alltag verbraucht wurde.

Und sucht euch, so gut es geht, Unterstützung. Ich weiß, das ist nicht einfach und viele suchen vergeblich nach lieben Menschen, die im Rahmen der Verhinderungspflege unterstützen. Ich kann euch nur ermutigen, sucht weiter, es lohnt sich nachhaltig, ein Unterstützernetz aufzubauen (ganz häufiges Thema in Eltern-Coachings, weil es so ein wunder Punkt und gleichzeitig so wichtig ist).

Den Kopf zwischendurch frei bekommen. Wenn euch alles zu viel wird und ihr denkt (wie ich manchmal), dass ihr jetzt einfach mal ein ganz normales Gespräch mit einem anderen Menschen führen möchtet: Freunde anrufen, kurze Verabredung online, um Besuch bitten (viele kommen nicht von alleine auf die Idee, dass es für euch eine willkommene Abwechslung wäre), bewusst Ablöse nutzen (wenn möglich) rausgehen, Tapetenwechsel, Mini-Spaziergang, Tasse Kaffe irgendwo, wo dich keiner sonst sieht (10 Minuten sind schon super hilfreich) …..
In diesem älteren Beitrag findest Du weiter unter noch Anregungen.

Danke nochmal allen, die so fleißig mitgeholfen haben, die Ideen zu sammeln. (Falls du übrigens auch noch etwsa beisteuern möchtest, schreib mir gerne. Ich ergänze es dann.)
Ich hoffe, dass ihr das eine oder andere herauspicken könnt und womöglich ein Gedanke dabei ist, der weiterhilft.
Herzlichst, eure Silke alias Ella ♥

Zum Weiterlesen:

Der letzte erste Schultag nach den Sommerferien

Wie sich das Reisen mit Niklas mit der Zeit veränderte

Gedanken am Ende der Sommerferien

One comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.