Melanie ist Heilpädagogin und Reittherapeutin: „Die Pferde dienen für Viele als Türöffner zur Welt“

Liebe Melanie, Du bist Heil- und Reitpädagogin, Reittherapeutin und systemische Beraterin.
Wie vereinst Du Deine Qualifikationen in Deinem Beruf?

Im Moment bin ich noch Teilzeit angestellt in einer heilpädagogischen Praxis, wo ich mit Autisten arbeite. Jedoch ist die selbstständige Arbeit mit dem Pferd meine Herzensangelegenheit.
Hier sehe ich jeden Tag, wie die Pferde als Brücke und Co- Therapeuten so viel bewirken können. Sie sind Türöffner und Motivator und mit all ihren Fähigkeiten der beste Therapeut. Hier kann ich meinen Qualifikationen und mein Wissen als Ressource nutzen, um allen, die zu mir kommen, bestmöglich zu helfen. Dabei verbinde ich in der Reittherapie Methoden aus allen Bereichen. Der Schwerpunkt liegt auch in der Reittherapie auf der heilpädagogischen Arbeit, jedoch halt mit dem Pferd.

©Melanie Schmidt

Was ist das Besondere an der Verbindung zwischen Mensch und Tier?

Pferde haben so viele besondere Eigenschaften.
Als Fluchttier schenken sie uns wahnsinniges Vertrauen. Dabei nehmen sie eine tiefe Verbindung zu uns auf. Es entsteht eine Beziehung, welche auf Vertrauen basiert, welche uns in allen Bereichen (seelisch und geistig) anspricht. Diese Beziehung motiviert uns und lässt uns neue Erfahrungen machen.
Diese Erfahrungen schenken uns auch Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten. Dabei ist in meinen Augen mit das Wichtigste, dass Pferde uns so annehmen, wie wir sind. Sie urteilen nicht über uns, so wie wir das tun. Ihnen ist egal, woher wir kommen, welche Kleidung wir tragen oder welche Stellung wir in der Gesellschaft haben.
Sie bringen uns bei, im Hier und Jetzt zu sein und den Moment bewusst wahrzunehmen. Dabei reagieren sie immer unmittelbar auf unsere Stimmungen und Emotionen und machen diese sichtbar. Bei uns sagt man, sie spiegeln uns. Dabei können wir ihnen auch nichts vormachen.

©Melanie Schmidt

Wie kamst Du dazu, Tiere so intensiv in Deine Arbeit einzubeziehen?

Ich hatte schon von klein an immer eine besondere Verbindung zu Menschen und Tieren. Daher wusste ich schon früh, dass ich später mit Menschen und/oder Tieren arbeiten wollte.
Durch mein erstes eigenes Pferd kam ich in einen Stall, wo Reittherapie angeboten wurde. Ich wusste sofort „das ist es, was ich machen will“. Die Verbindung zwischen dem Pferd und den Kindern faszinierte mich und die Arbeit machte mich selbst auch wahnsinnig glücklich. Das Gefühl, etwas Gutes tun zu können.
So begann ich, ehrenamtlich in der Reittherapie zu helfen und entschied mich, Heilpädagogik zu studieren und machte, sobald es möglich war, die Weiterbildung zum Reittherapeuten.

Gibt es besondere Aspekte für Dich zu beachten, wenn Du mit Autistinnen und Autisten arbeitest?

Nicht mehr besondere Aspekte als bei allen anderen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die zu mir kommen.
Mir ist es zunächst einmal wichtig, das Kind oder den Erwachsenen so kennenzulernen, wie er ist. Ich mache mir immer gerne selbst ein Bild. Dabei beobachte ich zunächst sehr viel und schaue, wo es Ressourcen gibt, welche ich dann fördere.
Ich habe auch nicht ein festes Schema, nach welchem ich arbeite, sondern passe alles individuell dem Klienten an, wobei auch immer dessen Wünsche berücksichtigt werden.
Mir ist das Miteinbeziehen wichtig, da viele oft ein sehr fremdbestimmtes Leben haben und hier auch ihre Selbstwirksamkeit in einem positiven Setting erfahren. Dabei lege ich gerne den Schwerpunkt auf den emotionalen Bereich. Ich fördere den Beziehungsaufbau zum Pferd.
Durch die Beziehung entsteht eine Motivation, mit der ich auch Bereiche fördern kann, wo es ohne die Motivation durch das Pferd schwer wäre.

Was könnte mit einer Reittherapie bei Autistinnen und Autisten erreicht werden? Was sind Ziele, die Deine kleinen und großen Klienten mit Deiner Hilfe anstreben?

Da gibt es eine ganze Menge, was erreicht werden kann.
Die Pferde dienen für Viele als Türöffner zur Welt. Sie lernen durch die Pferde, ihr Sozialverhalten zu verbessern. Sie bekommen mehr innere Ruhe und lernen mit verschiedenen Situationen besser umzugehen.
Auch im emotionalen Bereich lernen sie, sich selbst und ihr Gegenüber besser zu verstehen. Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen.
Auch erlernen sie Handlungsstrukturen, selbst Probleme zu lösen und ihr Verhalten zu reflektieren und anzupassen.
Viele haben gar keine großen Ziele, wir sind einfach nur ein Ort, an welchem sie sich dazugehörig und angenommen fühlen. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass man mit den Pferden nie das „Therapie“-Gefühl hat.

Du bietest auch Coaching mit dem Pferd an? Wie kann man sich das vorstellen und wer darf sich an Dich wenden?

Im Coaching kann sich prinzipiell jeder an mich wenden. Hier schaue ich zunächst gemeinsam im Gespräch, was aktuelle Themen bei meinem Gegenüber sind, mit welchen wir arbeiten sollen. Dabei kann es um Fragen gehen wie: „Wer bin ich eigentlich?“ „Was sind meine Stärken?“ „Was gelingt mir wirklich gut?“ „Wie wirke ich echt und authentisch?“ „Wie wirke ich auf andere?“ „Was kann mir dabei helfen Entscheidungen zu treffen?“ „Wo will ich hin?“.
Aber auch bei Fragen wie „Welchen Job möchte ich machen?“, „Wie sieht es mit meiner Partnerschaft aus?“, „Was möchte ich in Zukunft mit meinem Leben erreichen?“, also bei so allen Fragen, welche unsere Leben verändern könnten, kann ein Coaching hilfreich sein, um Klarheit zu bekommen.
Im Coaching an sich erarbeiten wir erst einmal das Kernthema und schauen so, was der Klient eigentlich möchte. Im Anschluss daran arbeiten wir dann gemeinsam daran, das Potenzial zu entfalten und die Fähigkeiten und Ressourcen zu erweitern, natürlich alles mit den Pferden.

Zum Schluss gehen wir dann an unser Kernthema und die Pferde und ich arbeiten dann so, dass der Coachee eine Antwort für seine Kernfrage bekommt. Hier betreuen wir natürlich auch gerne nach und lassen keinen dann alleine stehen, da oft noch einmal Bedarf für ein Nachgespräch ist.

Was nimmst Du für Dich selbst aus Deiner Arbeit mit? Gibt es Aspekte gerade in der Zusammenarbeit mit Autistinnen und Autisten, die Dir besonders am Herzen liegen?

Aus meiner Arbeit nehme ich vor allem die Wärme, Freude und das Glücksgefühl aller mit, welche zu mir kommen. Wenn man nach der Stunde wieder sieht, was man einem Menschen Gutes tun konnte, gibt es einem wahnsinnig viel.
Auch die Dankbarkeit, welche einem alle entgegen bringen, ist kaum zu beschreiben.
Vor allem ist es super schön zu sehen, wie Autistinnen und Autisten aufblühen und eine tiefe Bindung zum Pferd eingehen.

Was ist Dir sonst noch wichtig zu sagen?

Ich hoffe inständig, dass die Ämter die Wirkung der Reittherapie endlich anerkennen und die Übernahme einfacher vonstatten geht. Denn momentan muss man noch für jede Kostenübernahme kämpfen. Natürlich helfen ich den Klienten immer bei dem Weg, eine Finanzierung zu finden. Eine Idee ist momentan auch, einen Verein zu gründen, um über Spenden noch mehr Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die tolle Therapie zugute kommen lassen zu können.
Ansonsten hoffe ich natürlich, dass ich meine Arbeit noch lange gemeinsam mit meinen Pferden machen darf und wir langfristig einen eigenen Hof finden, um ein Zentrum für Reittherapie gründen zu können.

Wie kann man Kontakt zu Dir aufnehmen?

Meine Website findet Ihr hier: „Soul Horses“

Am besten per E-Mail oder anrufen, falls ich mal nicht dran gehen sollte gerne auf die Mailbox sprechen. Kontaktdaten findet Ihr auf der verlinkten Seite.

Liebe Melanie, aus jeder Zeile Deiner Antworten liest man die Liebe zu Deiner Arbeit und natürlich zu den Pferden heraus. Toll, was Du auf die Beine gestellt hast und wie konsequent Du Deinen Traum verwirklichst.
Ich wünsche Dir, Deinen Pferden und natürlich allen Deinen Klienten eine lohnende, schöne Zeit miteinander. Vielen lieben Dank für das Interview.

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