Warum Dein Bauchgefühl sehr viel wert ist

Das kennt ihr bestimmt alle – man steht vor einer Entscheidung und hat ein ganz bestimmtes Gefühl in der Magengegend, das in eine gewisse Entscheidungsrichtung weist.
Oder man hört eine Neuigkeit und hat sofort ein Flattern oder Grummeln oder eine Welle im Bauch, die signalisiert, dass etwas superschön ist oder aber nicht mit rechten Dingen zugeht oder dass etwas skeptisch gesehen werden sollte.

Rational begründen kann man solche Gefühle meistens nicht. Die Information, die wir bekommen, ruft automatisch eine Regung in uns hervor, ohne dass wir dafür Argumente hin und her bewegen. Oder wir stehen vor einer wichtigen Entscheidung und sortieren tatsächlich Pro und Contra sowie alle zu bedenkenden Aspekte und haben ein gutes oder auch mulmiges Gefühl in einer ganz bestimmten Richtung.

** Dabei handelt es sich um Situationen, in denen neue Menschen in unser Leben treten und denen wir möglicherweise vertrauen müssen, dass sie wertschätzend mit unserem Kind umgehen.

** Dazu gehören Konfliktsituationen, die wir mit verschiedenen Menschen haben – die wir zum Teil auflösen können, manchmal aber auch stehenlassen müssen.

** Dazu gehören Situationen in der Familie, in denen es darum geht, vielleicht auch mal neue Wege zu gehen.

** Dazu gehört der Umgang mit Fachleuten, die etwas Bestimmtes vorschlagen, das wir in unser Leben lassen, es integrieren und umsetzen sollen oder auch nicht.

** Dazu gehört, ein Gefühl dafür zu haben, wann es sinnvoll und überhaupt möglich ist, Missverständnisse auszuräumen oder sie stehen lassen zu müssen.

** In ganz besonderem Maße gehört dazu der Umgang mit unserem autistischen Angehörigen. Das langjährige Miteinander, das aneinander wachsen und sich immer besser kennenlernen füttert (rw) auch unser Bauchgefühl, auf das wir in entscheidenden Situationen zurückgreifen dürfen: in Krisen, bei Therapieentscheidungen, der Kindergarten- und Schulwahl, dem Vertrauen in andere Menschen, dem Vertrauen in besondere Verhaltensweisen und deren Deutung, dem (Nicht-)Umgang mit anderen Personen, dem Einschätzen von Schmerzen und vielem mehr.

Auf sein Bauchgefühl zu hören, kann eine ziemlich spannende und auch sehr erleichternde Sache sein.

Denn erstens kürzt es endlose Gedankenschleifen ab, wenn wir Gefahr laufen überhaupt keine Entscheidung zu treffen.

Zweitens fühlen wir uns gut dabei, wenn wir unserer Intuition und unserem inneren Bedürfnis folgen.

Und außerdem lernen wir mit der Zeit wahrscheinlich immer besser, mit unserer inneren Antenne (rw) umzugehen, weil wir Erfahrungen mit Entscheidungen sammeln, bei denen wir auch auf unser Bauchgefühl gehört haben.

Schwierig ist es nur manchmal zu begründen, was nun eigentlich den Ausschlag für die eine oder andere Entscheidung gab, wenn es tatsächlich das Bauchgefühl gewesen ist. Oft wird man dann komisch angeguckt und darf sich sagen lassen: „Na, wenn Du meinst, dass das vernünftig ist.“ oder „Ach deshalb. Ich dachte mir schon, dass das nicht ausgereift ist.“ Oder „Meinst du nicht, dass du darüber nochmal nachdenken solltest?“

Meiner Meinung nach ist es eben gerade ein Zeichen von Reife, auch auf sein Bauchgefühl zu hören und ihm zu vertrauen. Und ich denke, dass man das sehr gut üben kann.

Zum einen kann man üben, diesem Gefühl überhaupt Raum zu geben und es bei Entscheidungen mitbestimmen zu lassen. Es braucht eine Weile bis man sich das traut und die erleichternde Wirkung zulassen kann.

Zum anderen kann man üben, im Nachhinein zu reflektieren, wie sich bestimmte Entscheidungen ausgewirkt haben. Man kann sich überlegen, inwiefern das eigene Gefühl getrügt oder doch in die richtige Richtung gewiesen hat.

Sicherlich ist es nicht verallgmeinerbar und eine Sache des Typs und der individuellen Denkstruktur jedes Einzelnen, aber wenn Du zu den Menschen gehörst, deren innere Stimme sich häufig bemerkbar macht, habe den Mut, auf sie zu hören, ohne dabei alle anderen Argumente über Bord zu werfen. Ich stelle es mir häufig wie einen Teil der Energie vor, die meinen Denkmotor durchfließt. Diese Energie wird bei manchen Prozessen ganz besonders gebraucht, um meinem Leben im Kleinen wie im Großen meine ganz persönliche Note und vielleicht auch Wendung zu geben.

Hast Du manchmal das Gefühl, den Kontakt zu Deinen Wünschen verloren zu haben? Oder hast Du das Gefühl, dass deine innersten Werte von außen unterdrückt werden?
Versuche, mehr auf Dein Bauchgefühl zu hören und habe den Mut, es mitentscheiden zu lassen. Selbst wenn es manchmal nicht möglich ist, weil die äußeren Zwänge zu stark sind und du gar keine wirkliche Entscheidungsmöglichkeit hast, mache dir trotzdem Deine Intuition bewusst, um sie nach und nach besser kennenzulernen und ihr irgendwann zu vertrauen.

Was Entscheidungen betrifft, die mit unseren autistischen Kindern und Angehörigen zu tun haben, denke ich, dass viele von uns mit der Zeit sehr besondere Antennen (rw) für ihre Bedürfnissen entwickeln – für unausgesprochene und auch für die, die sie in ihrer ganz eigenen Art und Weise vermitteln. Wir lernen, sie zu erkennen, sie zu respektieren und sie gegenüber anderen Menschen zu vertreten, wenn nötig.
Auch dabei spielt unser Bauchgefühl häufig eine ganz besondere Rolle.
Wenn Du mit der Zeit die Erfahrung gemacht hast, Dich auf Deine Intuition verlassen zu können, lass Dir dies gerade in Bezug auf Dein Kind nicht ausreden.

Eine Hilfe beim Kennenlernen und Nutzen Deiner eigenen Intuition können Auszeiten sein, in denen Du Dich auf Dich konzentrierst oder auch mehr Gelassenheit, die manchmal so schwer zu finden ist.
Dafür gibt es auf „Ellas Blog“ die kostenlosen Challenges, in denen Du Dir Zeit für Dich selbst nehmen kannst. Schau Dich dort gerne einmal um.

Und falls Dir Begleitung und Unterstützung beim Finden Deiner eigenen Ressourcen wünschst, dann schau Dich gerne mal HIER um.

One comment

  • Jan294

    Im Umgang mit Autisten finde ich Bauchgefühl auch ganz besonders wichtig! Es passiert so oft, daß andere etwas für einen entscheiden wollen und dabei Argumente zu Grunde legen, die am Bedarf eines Autisten total vorbei gehen. Oder vielleicht auch nur am Bedarf eines bestimmten Autisten vorbei gehen. Gerade in Bezug auf Kinder scheint viele Menschen ja ausschließlich zu beschäftigen: was könnte aus ihnen bloß später mal werden (und bei Autisten dann oftmals auch: wie können wir sie in „die Gesellschaft“ integrieren (oder drastischer ausgedrückt: wie bekommen wir sie gesellschaftskonform)). Da ist es oftmals ganz egal, ob man sein Bauchgefühl später vielleicht sogar argumentativ begründen kann, das Gegenüber wird es eventuell trotzdem nicht verstehen, weil es vielleicht ganz andere Maßstäbe ansetzt.
    Ich finde es schön formuliert, daß man Erfahrung sammelt beim Umgang mit seinem Bauchgefühl. :-)

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