Unterstützte Kommunikation mit zweisprachigen Themenmappen – Erfahrungsbericht

Ich heiße Sabina und habe drei Kinder. Mein mittleres Kind Moritz ist als frühkindlicher Autist diagnostiziert. Moritz ist fünf Jahre alt, hatte ab seinem 22. Lebensmonat einen regressiven Sprachverlauf, bis zum vollkommenen Verlust seines Wortschatzes.
Vor ca sechs Monaten fing er mit englischen Wörtern an und spricht nun immer mehr in ganzen Sätzen, aber sehr verwaschen Englisch. Hier schreibe ich über unsere Erfahrungen im Bereich Unterstützte Kommunikation.

Einsatz von Themenmappen in der Unterstützten Kommunikation

Auf die Idee, Themenmappen zu erstellen, bin ich über das Gruppencoaching „Unterstützte Kommunikation“ im Mitgliederbereich von Ellas Blog, dem Forum +plus+, gekommen.
Moritz hat zwar einen Talker, den er aber nicht gerne nutzt, weil er reden will. Einige Metacom Karten habe ich ausgedruckt, die nimmt er viel besser an, aber das Problem hier ist die Aufbewahrung.

Das Problem in unserem Umfeld ist, dass es hier nur eine Beratungsstelle zum Thema Unterstützte Kommunikation gibt, welche mit 200 € die Stunde für uns nicht leistbar ist. Der unabhängigen Betatungsstelle zur Unterstützten Kommunikation, welche uns kostenlos beraten und unterstützt hatte, wurde das Etat gekürzt, so dass sie nur noch schulintern agieren kann.
Daher war ich froh, als Silke dieses wichtige Thema im Mitgliederbereich aufgriff und hierzu die Forumsmitglieder einlud. Als ich dort von den Themenmappen hörte, hatte ich zunächst Sorge wegen des kleineren Vokabulars, aber da Moritz den Talker kaum nutzt, ist es allemal besser, als gar nichts.
Letztlich habe ich gestaunt, was so eine „einfache“ Themenmappe für einen Effekt hat.

Themenmappen
©Foto von Sabina

Zweisprachige Themenmappen

Ich begann für Moritz eine Themenmappe für den Bereich Kinderzimmer „Kaufladen“ zu erstellen. Silke gab mir den Tipp, diese zweisprachig zu gestalten, so dass Moritz seine „Wahlsprache Englisch“ erweitern könne und gleichzeitig in seinem Umfeld verstanden wird.
Daher gestaltete ich die Themenmappen zweiseitig, mit Englisch und Deutsch.
Das schwierigste hier war die Auswahl des notwendigen Vokabulars, gerade die kleinen Wörter, die sehr viel Bedeutung mittragen, wie „auch“, „mehr“ und auch die Fragen. Hierfür hat Metacom gute Ideen, die sich aber nicht immer von alleine erschließen. Da ist es sinnig, diese für die Spielbereiche zu Hause mit aufzunehmen, damit sie gelernt werden können.
Die fertigen Mappen habe ich auf die Theke des Kaufladens platziert, ohne dass Moritz das mitbekommen hat, da er sehr auf Veränderung reagiert und dann erstmal verweigert.

Moritz kam sehr bald mit einer Themenmappe zu mir ins Wohnzimmer – freudig.
Er hat diese Mappe dann auch als „Einladung“ zum Spielen für mich umfunktioniert „Mama, homm“.
Am Kaufladen ist Moritz jedes Bild durchgegangen, welches ich benennen sollte, und hat das passende Stück herausgesucht und in den Einkaufskorb gelegt.
Das Englische hat er sofort aufgegriffen und wiederholt (verwaschen und manche Buchstaben ersetzt er in machen Wörtern durch andere). Richtig freudig. Es hat ihm richtig Spass gemacht!

Meine Erfahrungen mit den Themenmappen

  • die begrenzten, aber wohlüberlegten Vokabeln zu einem Bereich haben eine schnelle Auswahl des benötigten Begriffes ermöglicht
  • das Spiel wurde dadurch nicht mehr durch langes Suchen oder hin-und herswitchen unterbrochen – es war ein flüssiges Spielen möglich
  • das Spiel „Kaufladen“ war dadurch in einen Handlungsrahmen eingebettet, welcher Struktur und damit Sicherheit im Spielen gegeben hat
  • Moritz´ Spiel war insgesamt „aufgeräumter“, nicht mehr so laut und wild, nicht mehr so durcheinander.
  • auch im Bereich „Interaktion“ wurde Sicherheit geschaffen, eben durch den vorgegebenen „Rahmen“.
  • Moritz konnte verständlicher mit seinem Bruder umgehen, ohne dass ich ständig vermitteln musste (das heißt jetzt aber nicht, dass kein Eingreifen mehr nötig war)
Kaufladen mit Themenmappen
©Foto von Sabina

Mein Fazit

Ich bin erstaunt.
Die „Themenmappe“ hatte ich aufgrund des begrenzten Vokabulars völlig unterschätzt.
Aber genau dieser begrenzte Rahmen hat meinem Kind immens und auf mehreren Ebenen beim Spielen geholfen.
Das hat mich am meisten überrascht.

Mir war nicht klar, dass dieser klar umrissene Rahmen Sicherheit bietet, indem er Struktur vorgibt und auch das Spiel auf den Kaufladen begrenzt bleibt, was wiederum Handlungsabläufe klarer ermöglicht hat, damit Sicherheit und Klarheit im Miteinander/Interaktion.

Das ist jetzt erstmal auf das „Spielen“ beschränkt.

Die nächste Themenmappe werde ich für den Bereich Therapie gestalten.
Hier werde ich ein erstes Schimpfwort miteinbauen. Moritz gebraucht nämlich schon das Wort „stupid“. Da alle anderen Kinder das im gleichen Alter anfangen, werde ich ihm auch hier die Möglichkeit einräumen, sich altersentsprechend zu äußern. Dann werde ich zwar sagen, „Mensch“ (oder so) und motzen. ABER das gehört zum normalen Alltag dazu.
Auch er hat das Recht seinen Frust, mal etwas unangemessene kundzutun und dafür in seine Schranken verwiesen zu werden.

Inspiration zog Sabina aus dem Austausch im Forum +plus+

Logo vom Forum plus
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One comment

  • Jana

    Das freut mich sehr, dass du einen guten Weg für euch gefunden hast, ich wünsche euch weiterhin viel Spaß und Erfolg mit den Themenmappen.

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