Interview mit Alexandra Harth über kombinierte Autismus- und Familientherapie

Alexandra Harth kombiniert Autismus- und Familientherapie und ist der Überzeugung, dass man dabei „quer denken und neue Wege beschreiten“ muss.
Im Interview berichtet sie über das Konzept ihrer Arbeit, geht auf einige „Elternfragen“ ein, die ich ihr stellen durfte, und erzählt vom Einfluss der Kunst auf ihre Arbeit. Sie sagt: „Wir schauen auf die Ressourcen und darauf, wer was von wem lernen kann.“

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Liebe Alexandra, Du bist Diplom-Heilpädagogin und Systemische Familientherapeutin. In Deiner Praxis arbeitest Du unter anderem auch mit AutistInnen und deren Familien. Wie bist Du zum Thema Autismus gekommen?

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©Alexandra Harth

Zum Thema „Autismus“ bin ich „wie die Jungfrau zum Kinde“ gekommen. Autismus hat mich quasi gefunden. :-)
Nach meinem Studium fiel mir eine Anzeige einer stationären Einrichtung für erwachsene Autisten in die Hände. Dort habe ich angefangen zu arbeiten und das Thema „Autismus“ in seiner Vielschichtigkeit hat mich nicht mehr losgelassen.
Ich konnte dort einen Arbeits- und Förderbereich aufbauen und mit den KollegInnen haben wir so einiges im Sinne der dortigen Bewohner auf die Beine stellen können. 2009 habe ich mich dann mutig selbständig gemacht, um mich weiterentwickeln zu können.

 

Neben weiteren Leistungen bietest Du auch autimusspezifische Therapien an. Wie sieht diese Therapie in Deiner Praxis aus? Gibt es Dinge, die Dir besonders wichtig sind oder auch Methoden, die Du bewusst ablehnst?

Als ich meine Weiterbildung zur Systemischen Familientherapeutin machte, ist mir irgendwann die Idee gekommen, Systemische Therapie und Autismustherapie zusammenzuführen, um den umliegenden Systemen – insbesondere dem Familiensystem – gerecht(er) zu werden.
Aus meiner Erfahrung heraus greift die „Pädagogik“ zu kurz, wenn wir mit autistischen Menschen arbeiten, und die Eltern werden oft nicht als Fachleute ihrer Kinder gesehen, sondern müssen sich mit Zuschreibungen kränken lassen. ALLEN Eltern meiner Klienten wurde mindestens 1 x die Erziehungskompetenz abgesprochen und Schlimmeres.
Daher erlebe ich Familien mit autistischen Kindern als hochbelastet und oftmals als zutiefst gekränkt und verunsichert und gleichzeitig mit unglaublichen Ressourcen, die es zu würdigen gilt!
Das hat schließlich dazu geführt, dass ich 2009 ein eigenes Konzept der „Systemischen Autismustherapie – time.aut®“ entwickelt habe, um alle Systeme in die therapeutische Arbeit angemessen mit einzubeziehen, in denen sich der autistische Mensch bewegt. Neben den wöchentlichen Settings mit dem Kind oder jungen Erwachsenen arbeiten wir im Co-Team (Mann und Frau)  intensiv mit den Eltern in Form eines Coachings.

Ebenso beziehen wir auch Kindergarten und Schule in den therapeutischen Prozess ein. Hier ist sehr viel Aufklärungsarbeit zu leisten, da sowohl Kindergarten, als auch Schule pädagogisch orientiert sind. Wir sehen unsere Aufgabe auch darin, dort im Rahmen der Aufklärung über das Behinderungsbild für ein tieferes Verständnis zu werben.
Die Eltern begleiten wir mit einer wertschätzenden Haltung und entwickeln GEMEINSAM Handlungsalternativen. Im übrigen arbeiten wir ausschließlich aufsuchend – d.h. im häuslichen Umfeld und bieten den Eltern dadurch u.a. eine Transparenz der therapeutischen Arbeit mit dem Kind.

Die Idee ist, zu schauen, was braucht der Klient und was die Familie? Wir kommen also nicht mit einem „fertigen Behandlungskonzept“, das wir überstülpen, sondern wir richten uns vielmehr nach den Bedürfnissen unserer Klienten und entwickeln gemeinsam mögliche Ziele und die Wege dorthin.
Ich kann Dir sagen, dass wir unseren „Methodenkoffer“ natürlich immer dabei haben und nur das nutzen, bei dem der Klient und die Familie auch innerlich mitgehen können.

Ich habe in den Jahren meiner freiberuflichen Arbeit am meisten von meinen Klienten lernen dürfen. Sie gewährten mir Einblicke in ihre Lebenswirklichkeit, die mich mitunter sehr berührt und oftmals zutiefst demütig und dankbar gemacht haben. Demut und Dankbarkeit liegen für mich ja sehr nahe beisammen. Die Erkenntnisse, die ich durch meine Klienten gewonnen habe und jeden Tag aufs Neue gewinne sind der Motivator „quer zu denken“ und neue Wege zu beschreiten – immer im Vertrauen darauf, dass dieser Weg für den jeweiligen Klienten ein sinnvoller und zielführender Weg ist … weil es SEINER oder IHRER ist.

Ich kann mal ein Beispiel erzählen:

Eine Klientin hat mit 17 Jahren die Diagnose „Asperger-Syndrom“ bekommen. Sie galt in der Schule immer als „nur sehr schüchtern“ und somit wurde die Diagnose erstmal nicht ernst genommen. Lehrer, die es aus pädagogischer Sicht sicher gut meinten, motivierten sie des öfteren mit Sätzen wie: „Wenn sich deine mündliche Note verbessern soll, dann musst du dich nur öfter melden! Ich bin sicher, dass du das schaffst!“
Meine Klientin stürzte das jedes Mal in eine Krise. Warum? Weil es eben nicht so ist, wie es scheint.
In vielen Gesprächen mit ihr stellte sich heraus, dass sie sehr wohl eigentlich immer die Antwort auf die Fragen der Lehrer wusste, sich jedoch nicht melden konnte/wollte, weil sie nicht von den Mitschülern angeschaut werden wollte.
Darüber hinaus gab es Tage, an denen sie den Unterricht „wie durch eine Milch- glasscheibe“ wahrgenommen hatte. Das künstliche Licht und die Geräuschquellen hat sie als sehr störend und belastend empfunden und … das nur nebenbei … hat sie sich auch gefragt, wie die anderen Mitschüler das nur aus- halten können. Ihnen schien es ja nichts auszumachen.
Sie hat sich selber als defizitär erlebt und sich ständig abgewertet. Wenn dann der Lehrer aus seiner Sicht sicher- lich wohlwollend motivierende Ratschläge gab, drehte sich ihre Abwertungsspirale wieder nach unten und ließ sie schier verzweifeln.
Absprachen, die wir mit den Lehrern treffen konnten, dass sie die mündliche Mitarbeit durch schriftliche Referate ersetzen darf, wurden oftmals seitens der Lehrer nicht eingehalten, weil meine Klientin z.B. „nicht nochmal nachge-fragt“ hatte. Nun erlebte sie sich auch noch als „unsichtbar“ (und wurde schlechter benotet!)
Bis auf eine Lehrerin sahen sich die anderen Lehrer kaum imstande, auf das Mädchen einzugehen, weil sie „noch 200 andere Schüler haben“. Leider verfügen die Schulen nicht über die notwendigen Ressourcen, um Inklusion angemessen umzusetzen. Dies ist jedoch eine andere Baustelle …Ihr Wunsch innerhalb der Therapie war es nun, sichtbarer zu werden mit einer „natürlichen Präsenz“. Darüber hinaus wünschte sie sich, mit weniger Anspannung zu kommunizieren.
Sie war bereit, gemeinsam auf „Forschungsreise“ zu gehen.

Schaut man auf den „Methodenkoffer“, dann findet man dort im Allgemeinen „Kommunikationstraining“, „Training der sozialen Kompetenz“, womöglich noch „Selbstbehauptungstraining“ und vieles mehr. Aber „Training einer natürlichen Präsenz“?  Hmm, da denkt man erstmal ans Schauspieltraining. Das passte aber nicht zu ihr, es ging um etwas Anderes. Etwas, das tiefer lag als „Schauspiel“, in dem man in die Rolle eines Anderen schlüpfen kann. Es ging hier um eine Form der Selbsterfahrung und das Erleben der eigenen Selbstwirksamkeit.
Der Startschuss zum Querdenken :-) Aus dem letzten Urlaub des Mädchens gab es Fotos, die sie in der Nähe von Pferden zeigten. Sie sagte, dass sie sich sehr wohl in deren Nähe gefühlt habe. Tatsächlich zeigten die Fotos ein entspanntes Gesicht mit einem Anflug von Lächeln.

 

*Erster Gedanke: Pferdenähe = Entspannung = könnte eine gute Arbeitsgrundlage sein.

 

*Zweiter Gedanke: Wo gibt es Pferde und Menschen, die eine Sensibilität für das „Anderssein“ mitbringen? Recherche im beruflichen und privaten Netzwerk = fündig geworden :-)

 

*Dritter Gedanke: Anfrage an die Freundin, ob sie sich vorstellen könnte, mit mir gemeinsam mit einer Asperger-Autistin zu arbeiten. Sie konnte! … Yipieh! :-)

 

*Viertens und Ziel der Klientin: Ich möchte sichtbar sein (aber nicht im Mittelpunkt stehen) und möchte, dass das, was ich sage auch ankommt und verstanden wird.

 

*Viele Wochen einer hochsensiblen Bodenarbeit mit dem Leitpferd einer Herde, deren Prozesse uns mitunter sehr berührten, und begleitende Reflektionsgespräche führten dazu, dass sie die mündliche (!) Abiprüfung mit 1,0 bestand.
Die Prüfer konnten sich auf eine „Sitzordnung“ einlassen und darauf vertrauen, dass Sprechpausen keine Unsicherheit darstellen, sondern zum „Gedankensortieren“ genutzt werden. Das erste Mal in 12 Jahren Schule wurde sie leistungsentsprechend bewertet!!!!!!!!!!
Das Erleben der eigenen Selbstwirksamkeit der Klientin war spürbar geworden!
Das war für uns „Helfer“ sehr berührend zu erleben und wir waren so dankbar dafür, dass wir uns alle getraut haben, diesen „Quer-Denk-Weg“ zu gehen.
Ach, ich bin immer noch ganz begeistert …

Dies ist ein Beispiel aus meiner praktischen Arbeit, das deutlich macht, dass wir individuell und mit den Ressourcen der Klienten arbeiten.
In unserem Team finden sich viele Professionen, die wir klientenorientiert einsetzen (Marte-Meo, Kunsttherapie, Entspannungstechniken, Musik, Social Stories, Aspekte der kognitiven Verhaltenstherapie, Teacch, Theaterpädagogische Projekte, Tanz und vieles mehr).
Bei uns wird man keine Methoden finden, die im negativen Sinne konditionieren und gegen einen Menschen arbeiten. Wir denken quer und greifen auf Methoden zurück, die passend erscheinen und entwickeln sie individuell zum Klienten weiter.
Wir setzen darauf, einen verlässlichen und sicheren Rahmen für ein autistisches Kind zu schaffen und dafür müssen wir durchaus in die Führung gehen und den Klienten einladen, uns zu folgen. Wir alle wissen, dass autistische Kinder nichts ohne einen für sie erkennbaren Sinn tun. Wenn wir sanktionieren, würden wir mit „Angst“ arbeiten. Das tun wir nicht und das wäre menschenunwürdig!
Wir arbeiten „sinnstiftend“ :-) … und versuchen es jeden Tag auf’s Neue ….

 

Was passiert in einer Familientherapie?

Ich kann Dir davon erzählen, was bei uns – in der Kombination aus Autismus- und Familientherapie passiert, was wir unter „Systemischer Autismustherapie“ verstehen … Das ist viel spannender, als „nur“ Familientherapie :-)
Auch hier arbeiten wir nicht mit „Patentlösungen“, sondern in einem respektvollen Dialog mit dem Ziel, Blockaden aufzulösen und gemeinsam neue Perspektiven des Zusammenlebens zu ermöglichen.

In Familien mit Autismus erleben wir uns z.B. als Dolmetscher (neurotypisch – aspergerisch oder autistisch). Wir schauen gemeinsam hinter das „herausfordernde Verhalten“ und übersetzen das vermutlich dahinterliegende Bedürfnis und den Kommunikationsversuch, der als solcher oftmals nicht erkannt wurde. Und hier muss ich sagen, dass die Eltern ihn oftmals sehr wohl spüren, sich aber vom sozialen Umfeld verunsichern lassen, weil dort z.B. herausfordernde Verhaltensweisen als „Provokation“ interpretiert werden.

Wir arbeiten mit dem gesamten (auch gerne dem erweiterten) Familiensystem. Insbesondere schauen wir auch auf die Geschwisterkinder und deren Platz in der Familie und darauf, auf Elternebene Entlastung zu schaffen. Wir arbeiten hier im Co-Team und können somit der Familie als „Modell für Kooperation“ dienen. Wir schauen auf die Ressourcen und darauf, wer was von wem lernen kann. In mind. 80% unserer Klientenfamilien ist mind. ein Elternteil ebenfalls im Autismusspektrum. Hier kann von zwei Lebenswirklichkeiten profitiert werden.

 

Könntest Du Dir vorstellen, mit erwachsenen Autisten zusammenzuarbeiten, die Deine Arbeit mit den Familien möglicherweise wie Dolmetscher ergänzen?

Du wirst schmunzeln: Das tue ich bereits :-) Es ist wunderbar!
Gerade im Bereich „Schule“ erlebe ich es als unglaublich hilfreich, wenn Autisten aus ihrer Wahrnehmung heraus berichten können. Die Klientin, von der ich oben erzählte, begleitet mich gerne zu Terminen in den Schulen, wenn es um „herausforderndes Verhalten“ geht und hospitiert mit mir gemeinsam Unterrichtseinheiten. In den anschließenden Reflektionsgesprächen mit den Lehrern ist sie in der Lage, Beobachtungen exakt auf den Punkt zu bringen, z.B. das störende künstliche Licht in den Klassen, die Aufbereitung von Arbeitsblättern mit oftmals viel zu vielen Infos auf einem Blatt, Reizüberflutung, räumliche Struktur etc.

Aussagen wie: „Das können wir als Schule nicht leisten“, werden mit ganz pragmatischen Lösungsvorschlägen entkräftet :-)
„Nicht tragbares Verhalten“ kann als womöglich gescheiterter Kommunikationsversuch entschlüsselt werden.
Ich als Therapeutin spiele in der gleichen Liga wie die Eltern und die Gefahr ist groß, dass Lösungsansätze nicht ernst genommen werden. Aus der Wahrnehmung einer „Betroffenen“ kommen die Botschaften interessanterweise nochmal anders an.
Die Lehrer waren bisher sehr berührt von den Rückmeldungen und sehr an regelmäßigen Hospitationen interessiert – im Sinne eines Coachings. Sehr spannend!

 

Neulich veröffentlichte ich auf „Ellas Blog“ den Beitrag „Einfach mal die Klappe halten! Oder: Sprüche, auf die Eltern autistischer Kinder gut verzichten können“.
Obwohl ich mir selbst schon einige Dinge anhören musste, war ich erschüttert zu lesen, was anderen Eltern alles an den Kopf geworfen wird. Da geht es um das Absprechen oder Kritisieren von Erziehungsfähigkeit, um das Bewerten von Leben um das Infragestellen von Diagnosen und die Übernahme von Klischees bezüglich Autismus aus den Medien. Eltern wird sogar geraten, ihre Kinder zu schlagen, wenn diese sich nicht normal verhalten.
Oft befinden sich Eltern dann in Situationen, in denen sie so verletzt sind, dass sie nicht mehr wissen, was sie antworten können. Vielleicht kannst Du uns ein Stückchen weiterhelfen.
Was rätst Du Eltern zu antworten, wenn ihnen die Kompetenz ihre Kinder zu erziehen abgesprochen wird?

Ich war sehr betroffen, was ich in Deinem Blog gelesen habe und so manches Mal konnte ich vor Sprachlosigkeit nicht mehr denken.
Weißt Du, ich möchte den Menschen, die solche Dinge sagen, keinen Raum geben. Vermutlich wissen sie nicht, was sie tun, weil sie nicht wirklich wissen, wen sie vor sich haben. Sie agieren aus ihrer Lebenswirklichkeit und ihrer Sozialisation heraus. Ich finde es übergriffig und distanzlos, anderen Menschen ungefragt Ratschläge zu geben oder gar die Erziehungsfähigkeit abzusprechen.
Anfangs habe ich ja auch davon erzählt, dass tatsächlich ALLEN meiner Klienten-Eltern Ähnliches passiert ist.

Aus meiner Erfahrung heraus, bringt es nichts, in einer kritischen Situation mit Menschen, die es vermeintlich besser wissen, in Diskussion zu gehen oder sich gar zu erklären.
Meine ganz pragmatische „De-Eskalation“ ist, den Eltern eine Karten-Vorlage (Beispiel auf Ellas Blog) zu geben, die sie individuell für sich nutzen können. Wenn z.B. die Butter durch den Supermarkt fliegt oder der Kassiererin der Arm zerkratzt wird, weil sie nicht den Kassenzettel – wie sonst auch – an die dafür vorgesehene Stelle legt, sind die Eltern mit dem Kind beschäftigt und haben sicherlich keine Ressourcen, noch in Diskussion zu gehen.

Ich verstehe allerdings auch, dass Eltern als „gute“ Eltern wahrgenommen werden wollen und nicht als „Vollpfosten“ (Zitat eines Vaters ;-) ). Dieses würde einer Rechtfertigung gleichkommen, für die in einer solchen Situation nicht der Raum ist und die auch sinnlos wäre, weil zwei Lebenswelten aufeinander treffen.

Die Rückmeldungen der Eltern, die einen solchen Zettel – manche haben ihn auch in Ausweisgröße gedruckt und laminiert – an die „Kritiker“ gegeben haben, waren zu 98% positiv. Sie haben beim Gegenüber eher Betroffenheit und Scham ausgelöst. Oftmals wurde sich sogar entschuldigt.
Wenn sich die vermeintlichen „Besserwisser“ über das Behinderungsbild informieren und sich auch nur ansatzweise darüber bewusst werden, was Eltern von autistischen Kindern leisten, werden sie zukünftig eher den „Hut ziehen“, als nochmals „korrigierend einzugreifen“!

 

Wie können Eltern sich und ihre Kinder schützen, wenn das Recht ihrer Kinder auf Leben in Frage gestellt wird? Zum Bespiel mit der Äußerung: „So ein Kind muss man doch heutzutage nicht mehr bekommen.“ Was kann man konkret antworten?

Ehrlich? … Da fehlen selbst mir die Worte …. Vielleicht nur soviel: Liebe Eltern, sollte diese Aussage aus dem Familien- oder Bekanntenkreis kommen, dann melden Sie zurück, was diese Aussage mit Ihnen macht. Z.B. „Es verletzt mich sehr, wenn Du so über mein Kind sprichst!“
Solche Aussagen von Menschen, die Sie nicht kennen, ignorieren Sie am besten. Sie sind keines Wortes wert!

 

Wie verhält man sich am besten, wenn andere Menschen meinen, die Diagnose Autismus sei falsch?

Da gibt es nichts zu diskutieren! Wenn aus einer Diagnostik „Autismusspektrumsstörung“ resultiert, dann steht es schwarz auf weiß und basta!
Im Rahmen einer Autismustherapie könnte der Therapeut oder die Therapeutin im Sinne eines tieferen Verständnisses bei den „Bedenkenträgern“ Aufklärung leisten.
Genauso kritisch finde ich aber im Rahmen einer Diagnostik seitens der Fachärzte eine „Ignoranz“ von Autismus.
Ich habe vermehrt Asperger, bei denen im Vorfeld „Autismus ausgeschlossen“ wurde, weil sie z.B. „Augenkontakt“ halten können …. Wohlgemerkt: Wir leben im Jahre 2016!
Dass diese Kinder Eltern haben, die z.B. Augenkontakt üben, wird von den Fachleuten ebenfalls ignoriert.
In Sachen „Diagnostik“ haben manche Städte noch Luft nach oben.

Und noch etwas für die Eltern:
Liebe Eltern, Ihr seid die Fachleute Eurer Kinder! Eure Kinder wären nicht da, wo sie heute stehen ohne Eure Unterstützung!
Vertraut Eurem „Bauchgefühl“, wenn es um Kindergarten und Schule geht.
Wenn Ihr Hilfen (Eingliederungshilfe) beantragt, dann ist es kein „Bittstellen“, sondern Euer Rechtsanspruch!!!
Gemeinsam sollten wir Aufklärung leisten.

Pina Bausch hat mal gesagt: „Tanzt, tanzt … sonst sind wir verloren!“
Im Sinne Ihrer Kinder und aller Autisten sollten wir unsere Aufgabe auch darin sehen, immer und immer wieder aufzuklären, damit die Menschen nicht verloren gehen, die uns und unser Dasein in so vielfältiger Weise bereits bereichert haben.

 

Auch die Kunst spielt in Deiner Arbeit eine Rolle. Du hast Bildhauerei studiert und eine eigene Künstler-Website. Was bedeutet Dir die Kunst und wie integrierst Du sie in die Therapie?

Ja, die Kunst …. leider komme ich aufgrund meines hohen Arbeitsaufkommens nur noch selten ins Atelier.
Als ich mich 2009 selbständig gemacht habe, war meine Idee: 50% therapeutische Arbeit und 50% Kunst. Von der Kunst alleine leben wollte ich nie, weil mich dieser Gedanke in meiner Kreativität einzuschränken schien. Ich wollte auch die Therapie von meiner Kunst ganz klar trennen, denn ich bin keine Kunsttherapeutin, sondern Bildhauerin und wollte in dem Bereich auch als solche wahrgenommen werden.

Was soll ich sagen … die Idee war toll :-) Die Realität gestaltete sich anders. Wie so oft im Leben :-)
Die therapeutischen Anfragen füllten sehr schnell mein gesamtes Zeitkontingent aus und manche Klienten nutzen kreative Ausdrucksformen, die ich selbstverständlich in den therapeutischen Prozess integriere. Viele meiner Klienten sind Synästheten und ich erlebe den Ausdruck diese Wahrnehmung als sehr bereichernd.
Einige meiner Klienten drücken sich in Bildern aus und zeichnen z.B. Comics oder malen ihre Gedanken in verschiedenen Farbcollagen. Das ist wunderbar und ich unterstütze sie gerne, wenn sie dies im Sinne der Aufklärung zeigen möchten. Wir hatten in Wuppertal und Remscheid schon zwei Ausstellungen mit einem breiten Publikum.

Kunst ist für mich persönlich eine Quelle der Energie! Ich liebe es, Ausstellungen zu besuchen und mich mit Kunst und deren Machern auseinanderzusetzen, in deren „Spirit“ einzutauchen und mich inspirieren zu lassen.
Mein Lieblingskünstler ist Alberto Giacometti und seine Auseinandersetzung mit Nähe und Distanz und der Suche nach dem Wesentlichen im Menschlichen – gerade in der Arbeit an Köpfen. Da gab es mal eine wunderbare Ausstellung in Basel … Davon zehre ich noch heute.
Ich muss mittlerweile nicht unbedingt selber Kunst machen. Ich bin eher ein Mensch, der über die Inspiration in eine Atmosphäre tauchen und dort bedingungslos verweilen kann.

 

Gibt es noch etwas Wichtiges, das Du vermitteln möchtest?

Ja, das sind zwei Sätze, die ich irgendwo mal aufgeschnappt habe und sehr treffend fand und nicht müde werde, sie an geeigneter Stelle auch anzubringen:

1.    „Autismus ist keine Systemfehler, sondern ein anderes Betriebssystem“

2.    „Kennst du einen, kennst du einen!“

Und ein Zitat von Hermann Hesse:
„Es ist nicht unsere Aufgabe einander näher zu kommen,
so wenig wie Sonne und Mond zueinander kommen
oder Meer und Land. Unser Ziel ist, einander zu erkennen
und einer im anderen das zu sehen und ehren zu lernen,
was er ist: des anderen Gegenstück und Ergänzung.“

 

Wie kann man Kontakt zu Dir aufnehmen?

Am besten per Email.
Allerdings möchte ich sagen, dass ich leider momentan keine Therapieanfragen bedienen kann. Mein Team und ich arbeiten seit geraumer Zeit am Limit und möchten auch mit unseren Ressourcen haushalten, damit wir auch in Zukunft noch eine wertvolle Arbeit leisten können :-)
Für workshops, Fort- und Weiterbildungen bitte über die
Website unseres Institutes

Außerdem gibt es noch diese Seiten:

Website von Alexandra Harths Praxis

Alexandras Künstlerinnenseite

 

Vielen Dank, liebe Alexandra für dieses ausführliche Interview und die anschaulichen Beispiele. Ich wünsche Dir alles Gute für Deine Arbeit und weiterhin viele Klienten und deren Familien, denen Du helfend und beratend zur Seite stehen kannst.

Silke alias Ella

 

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