Einige von Euch fragen mich manchmal, was denn eigentlich der Unterschied zwischen einer Autorin und einer Bloggerin ist.
Was ich hier dazu als Antwort schreibe, ist nur ein Ausschnitt meiner Erfahrung, mag sein, dass es andere AutorInnen und BloggerInnen anders sehen. Aber Ihr habt ja mich gefragt :-)
Als Autorin eines Buches bin ich über einen langen Zeitraum mit einem Projekt beschäftigt, recherchiere, schreibe, korrigiere, recherchiere nochmal, schreibe, korrigiere, lasse lektorieren und veröffentliche schließlich ein Gesamtwerk (stark verkürzt geschildert).
Der Austausch mit Leserinnen und Lesern erfolgt verzögert – manchmal per Mail, und sogar persönlich. Als ich früher noch zur Veranstaltungen und Lesungen unterwegs war, auch dort.
Als Bloggerin habe ich eine Idee und kann sie häufig sofort umsetzen und wenn ich schnell und kreativ bin, noch am selben Tag veröffentlichen. Und das Tolle: es kommt sofort Feedback, wohlwollendes und natürlich auch kritisches – per Mail oder Kommentar. Das kann ich sofort reflektieren und zum Teil direkt in meine weitere Arbeit einfließen lassen. So habe ich einen Redaktionsplan mit Beiträgen, die sich spontan ergeben, und Beiträgen, die mehr Zeit brauchen, mehr Recherche, mehr Austausch mit Interviewpartnern und Menschen, die Gastbeiträge beisteuern.

Wenn man als Autorin ein Buch geschrieben hat, steht dieses als Ganzes zur Verfügung.
Nach und nach ergibt sich eine komplette Geschichte, eine „runde Sache“.
Beim Bloggen steht jeder einzelne Beitrag für sich, aber doch auch wieder nicht.
Wenn ich blogge, dann hat der Beitrag zwar einen Anfang, aber irgendwie kein Ende und auch keinen festen Rahmen. Das Geschriebene ist Teil des ganzen Blogs, den aber natürlich niemand in dem Moment nochmal vollständig durchliest. Manche Beiträge fügen sich als Teil in ein Gesamtkonzept, das in diesem Fall das Autismus-Spektrum abbilden soll.
Und da kommen wir zu dem, was ich in der Überschrift als „Dilemma“ bezeichnet habe: Es gibt über das Autismus-Spektrum unendlich viel zu sagen, vielfältige Erfahrungen weiterzugeben und je nach Lebenssituation unterschiedliche Anregungen und Tipps zu formulieren. Das lässt sich natürlich nicht in jedem Beitrag aufs Neue umfassend leisten. Und ich würde auch niemals behaupten wollen, dass ich hier das gesamte Spektrum abbilde, das geht einfach nicht – weder in einem Beitrag, einem Buch, noch in einer Doku oder einem Film. Es werden immer nur Teile erfasst und danach fühlen sich manche gesehen und manche eben nicht.
Ich kann das sehr gut nachvollziehen, denn es gibt z.B. auch Filme, die sooo viele Menschen gut und genial finden und ich nehme sie zur Kenntnis, weil sie zwar für einen Teil des Spektrums deren Lebenswirklichkeit abbilden mögen, für mich aber nicht.
Und so hat auch jeder Beitrag seinen eigenen Schwerpunkt, auch ich als Verfasserin lege Schwerpunkte und setze Akzente und nicht jede/r Leser/in kann sich jedes Mal immer vollständig mit jedem einzelnen Beitrag identifizieren. Das ist ganz normal. Und das ist der Charakter eines persönlichen Blogs, der Ellas Blog trotz aller Entwicklungen immer geblieben ist.
So kommt es dann zum Beispiel zu Kommentaren oder Nachrichten an mich, in denen ich lese:
„Ja, aber bei mir ist das ganz anders. Warum erzählst Du nicht darüber?“
„Das stimmt nicht, bei mir ist das so und so.“
„In dem Beitrag fehlt eine Erfahrung zum Thema Berufsleben.“
„Warum geht es in dem Beitrag nur um Jungs? Ich habe ein Mädchen.“
„Warum schreibst Du nur über Paare? Ich bin alleinerziehend und habe auch/andere Probleme.“
Und so weiter. Ich denke, Ihr könnte es Euch vorstellen.
Manchmal kann ich direkt auf einen Beitrag verweisen, den ich an einem anderen Tag veröffentlicht hatte und in dem ich genau über das schrieb, was die- oder derjenige vermisst.
Aus diesem Grund stehen zum Teil unter aktuellen Beiträgen Verweise zu anderen Beiträgen, die möglicherweise weiterführend oder ergänzend sein könnten.
Manchmal gibt es aber noch keinen Beitrag zum angeregten Thema und dann nehme ich den Hinweis dankbar auf und notiere mir, dass ich zu dem Thema recherchieren und schreiben werde.
Manchmal kann ich den vermissten Part aber auch nicht bedienen, weil mir das Wissen, die Erfahrung oder die Motivation dafür fehlt, die es jedes Mal braucht, um einen Beitrag zu verfassen.
Aus dem allen ergibt sich dann das erwähnte Dilemma:
- man ist nie fertig
- man kann niemals auf alle Zusammenhänge gleichzeitig verweisen
- ich kann und darf nicht davon ausgehen, dass jeder alles gelesen hat (so wie das in einem Roman eigentlich normal ist)
- aber es ist superspannend
- immer aktuell
- immer interaktiv mit Euch
- und ständig im Wandel
Daher möchte ich das Bloggen nicht missen, weil es mich flexibel hält und Ihr mir ermöglicht, direkt an Eurer Erfahrung, Euren Fragen, Eurem Wissen teilhaben zu lassen und mein eigenes Denken zu reflektieren.
Ich liebe es, spontan reagieren zu können, Ideen umsetzen und Euch nach Feedback fragen zu können.
Weil der Blog mit allen weiteren Buch- und Kursveröffentlichungen inzwischen einen Großteil meiner Zeit beansprucht, habe ich ihn vor einigen Jahren von einer Nebenbeschäftigung zum Beruf werden lassen und das ist wirklich ein toller Job – mal abgesehen von notwendigem Marketing, Buchhaltung, Kalkulationen, Datenschutz,… baaaaa, nein ich schreibe nicht weiter ;-)
Gleichzeitig ist da aber auch immer die Sehnsucht nach neuen Buchprojekten – nach einer großen abgeschlossenen Geschichte, die bereits in meinem Kopf herumschwirrt, oder nach weiteren Veröffentlichungen zum Thema Autismus.
An beidem gleichzeitig zu arbeiten – Bloggen und Buch schreiben – ist eine große Herausforderung, weil es so unterschiedliche Prozesse sind und verschiedener Rahmenbedingungen bedarf. Aber ich bin sicher, dass es nächstes (naja, ich sage lieber mal vorsichtig), spätestens übernächstes Jahr auch wieder ein neues Buch geben wird.
Also, seid bitte nachsichtig, wenn das obige Dilemma aufkommt und ihr nicht jede Facette, die Ihr Euch wünscht, in jedem einzelnen Beitrag wiederfindet.
Danke fürs treue Mitlesen, alles Liebe
Silke alias Ella
Wahnsinnig interessant.
Vielen Dank für den Einblick, so habe ich das noch nie gesehen und finde es faszinierend, was man da alles bedenken muss.
Viele Grüße
Katharina
Hallo Silke,
ich glaube, darüber macht sich kaum jemand Gedanken beim Blog lesen. Es ist schon bemerkenswert, wie das ineinandergreift und wie schwierig das auch für dich ist und welche Kommentare dazu kommen.
Danke für deine unermüdliche Arbeit, sowohl in Blog, Büchern und Kursen.
Susan
Erst entdeckt, und schon dankbar, dass Du das machst.
Hoffentlich magst Du das noch lange weitermachen.
Danke!
Besten Dank für diese schöne Rückmeldung, seit Schreiben dieses Beitrages ist ja auch schon wieder einige Zeit vergangen ;-) LG Silke