Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt – gemeinsam im Balanceakt Autismus und Aufklärung (Blogparade)

Lange habe ich darüber nachgedacht, welchen Beitrag ich bei der Blogparade der von mir sehr geschätzten Technikelfe beisteuern könnte. Meine Verbindung zu ihrem Blog liegt ausnahmsweise mal nicht im Thema Autismus begründet, sondern in der rein praktischen Tatsache, dass meine Angebote, wie Ellas Blog, die Onlinekurse, das Online-Mentoring und das neue Forum +plus+ natürlich auch immer einen technischen Background haben, der gepflegt und gehegt werden muss. Bei der lieben Sara alias Technikelfe hole ich mir da immer sehr gerne Informationen und Input.
Nun hat sie eine Blogparade gestartet, an der ich gerne teilnehmen möchte.

Quelle: pixabay, User GDJ, vielen Dank!

Motto: „Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt.“

Ich habe gegrübelt, wie diese Welt sein sollte: tolerant, wertschätzend, aufgeschlossen, neugierig, ohne Angst und Missgunst vor Neuem und Unbekanntem und frei. Denn das ist es, was vielen Autistinnen, Autisten und deren Familien häufig entgegenschlägt: Misstrauen und Argwohn, Unverständnis und trotzdem Einmischung und Einschränkungen bzw. Bevormundung.
Ja, ich wünsche mir, dass das aufhört. Das wäre eine Welt, wie sie mir gefällt und ich versuche, mit meiner Arbeit einen kleinen, bescheidenen Beitrag dazu zu leisten.

Ich wünsche mir aber auch, dass all die guten Beispiele, die tollen Menschen, die mit uns und unseren autistischen Angehörigen zu tun haben, auf andere abfärben (rw). Ich wünsche mir, dass sie gehört werden und dass man es ihnen gleichtut. Denn es gibt sie natürlich – diese wunderbaren Personen, die uns unterstützen und unsere Kinder, Jugendlichen und erwachsen gewordenen Kinder fördern und dabei ihre Individualität nicht aus den Augen verlieren (rw).

Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt – es ist wichtig, dass wir uns auch auf unsere eigenen Bedürfnisse fokussieren und gerade für unsere Autistinnen und Autisten Rahmenbedingungen schaffen, die sie brauchen, um eine gute Lebensqualität zu haben.

Aber – und das habe ich vor allem in den letzten Monaten und Jahren immer stärker gemerkt – es ist so wichtig, dass wir zusammenhalten, dass wir als Community offline und online stark sind, uns im Großen und Kleinen nicht selbst inszenieren, sondern auf die Bedürfnisse und Anliegen aller schauen, auf sie aufmerksam machen und begreifen, dass Bedürfnisse unterschiedlich sein können, ohne dies als persönlichen Angriff zu werten.
Oft hilft es, sich nicht selbst zu wichtig zu nehmen – es hilft dabei, den Blick zu weiten und es hilft dabei, einiges auch mit Humor zu sehen und über manche, manchen oder manches einfach auch mal nur zu lächeln.

Entsprechend braucht es hier und da gezielte Angebote, aber es braucht auch das große Ganze, um eine Chance zu haben, gehört zu werden.
Ich merke es gerade jetzt in meinem neu gegründeten Forum +plus+, welche Energie von einer Gemeinschaft ausgeht, die ähnliche Bedürfnisse hat und sich gegenseitig unterstützt. Da ist niemand, die oder der sich in den Vordergrund stellt, mehr oder weniger gehört wird.

Genau das wünsche ich mir auch für die Aufklärungslandschaft zum Thema Autismus – trotz aller Individualität braucht es Zusammenhalt, weniger Profilierung, die es in jeglicher Ausprägung gibt und zwar von ganzen Berufsgruppen (mit Ausnahmen natürlich) und von Einzelpersonen.
Es braucht positive Dynamik, die konstruktiv ist.
Und das ist ein Balanceakt beim Gestalten der Welt, wie sie uns gefällt.

Nochmal das Motto der Blogparade:

„Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt.“

Was heißt das für mich persönlich? Für meine Arbeit mit „Ellas Blog“?
Denn etwas machen, bedeutet ja, aktiv beizutragen.

Wer meine Beiträge und Angebote in den letzten sieben Jahren verfolgt hat, wird bemerkt haben, dass meine/unsere persönlichen Geschichten, die private Note immer mehr in den Hintergrund rückte. Mit der Reichweite stieg das Bedürfnis nach Rückzug. Klingt paradox irgendwie, auch für mich, wenn ich es so aufschreibe.
Meine Leserinnen und Leser wissen inzwischen auch so, dass ich „eine von ihnen bin“, daher hat sich die sehr persönliche Silke alias Ella nach und nach zurückgezogen. Neulich schrieb mir eine Leserin: „Du brauchst deine persönliche Geschichte gar nicht herauszukehren, man spürt auch so, dass du genau meinst und lebst, was du sagst und eine von uns bist“. Das war eine der schönsten Rückmeldungen, die ich dazu bisher bekommen habe.

Es geht um die allgemeine Aufklärung und darum, auch anderen eine Plattform zu geben, sie an meiner Reichweite teilhaben zu lassen.
Nur damit kann ich meiner Meinung nach wirklich zu mehr Akzeptanz, Toleranz, Wertschätzung und Lebensqualität beitragen – ein klitzekleines bisschen
.
Und damit machen wir uns gemeinsam diese Welt ein bisschen mehr, wie sie uns gefällt.

Die persönliche Silke alias Ella findet man inzwischen im Mentoring und im Forum +plus+ — immer weniger jedoch in der Öffentlichkeit. Das ist mein Weg, der mir gefällt und der sich für mich richtig anfühlt und der hoffentlich zu einer sachlichen Aufklärung aus Elternperspektive beiträgt.
Das ist auch ein Balanceakt.

Sachlichkeit schließt übrigens Emotionen nicht aus, davon bin ich fest überzeugt – sie sind ein Teil von uns und sollten viel, viel mehr wahr- und auch ernstgenommen werden, von allen Beteiligten, die rund um das Thema Autismus aufklären, therapieren und begleiten.
Emotionen disqualifizieren Gesprächspartner nicht, sondern tragen häufig zu deren Qualifikation bei, weil sie ehrlich und ein Teil von uns sind und ein tiefes Gefühl anrühren, das allzu häufig weggedrückt wird.
Dass das in den Köpfen vieler ankommt, würde ich mir auch für eine Welt wünschen, die mir und hoffentlich uns allen gefällt.

Liebe Sara alias Technikelfe, danke für den Anstoß, den du mir mit deiner Blogparade gegeben hast. Es war gut, die Gedanken und Prozesse mal in Worte zu fassen, die bisher zwar präsent, aber irgendwie diffus durcheinander gewürfelt in mir waren. Ich habe keine Ahnung, ob das annähernd das ist, was du dir als Beitrag für deine Parade vorgestellt hast, aber damit musst du jetzt leben :-)))

Mich hat es übrigens auch zu einer Aktion inspiriert, die ich für den Weltautismustag ins Leben rufen möchte – darüber werde ich in Kürze mehr schreiben. Eine Aktion ganz nach dem Motto: „Wir“ sind entscheidend und nur gemeinsam können wir etwas bewegen.
Herzlichst, Silke ♥

Wenn ihr weitere Beiträge zu Saras Blogparade lesen möchtet, gerne HIER entlang.

3 comments

  • Liebe Silke,

    danke für deinen tollen Blogartikel. Ich lebe damit :-) und bin sehr begeistert.
    Ich finde es wundervoll wenn Menschen sich Gedanken darüber machen, wie sie anderen das Leben leichter, schöner und angenehmer gestalten können. Und deine Aufklärungsarbeit ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung!

    Herzlichst,
    Sara

  • Ilse Lechner

    Liebe Silke,

    ich bin immer wieder begeistert, was du leistest und auf die Beine stellst. Vor allem aber bewundere ich deinen Reflexion beim Schreiben und dass du jede Redewendung kennzeichnest. Beim Lesen deiner Bücher ist mir erst bewusst geworden, wie viele Redewendungen wir selbstverständlich verwenden und wie sehr sie missverstanden werden können.

    Danke für deine Arbeit!

    Liebe Grüße
    Ilse

    • Silke

      Liebe Ilse, vielen Dank.
      Ich bin sicher, mir rutschen auch noch Redewendungen durch, aber ich bemühe mich.
      Danke Dir sehr und herzliche Grüße

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