Von Menschen, die Deine Energie und Nerven rauben, und wie Du Dich von ihnen löst

Sicherlich kennt jeder von euch diese Menschen, die immer nur nehmen und fordern und dabei vergessen, dass sie ein Gegenüber mit eigenen Bedürfnissen haben. Sie rauben deine Energie, deine Nerven, deine Zeit und nehmen viel Raum in deinem Handeln, Denken und Fühlen ein.
Gerade wenn wir als Angehörige autistischer oder behinderter Kinder in unserem Alltag sehr gefordert sind, brauchen wir solche Energieräuber nicht noch zusätzlich.
Wie erkennt man sie? Was kann man tun? Was darf ich tun?

Oftmals sind es Personen, die ihr eigenes Leben und ihre eigenen Bedürfnisse derart in den Vordergrund stellen, von anderen Aufmerksamkeit und oftmals auch Hilfestellung einfordern, ohne zu merken, dass sie mir ihren Problemen nicht alleine auf der Welt sind und andere auch ihre „Päckchen zu tragen haben“ (rw). Ein Geben und Nehmen ist nicht im Gleichgewicht, sie vereinnahmen ihr Gegenüber und sind schwer auf Abstand zu halten.

Manchmal sind es aber auch Personen, die nie gelernt haben, richtig zuzuhören, schon immer oberflächliche Gesprächspartner waren und wenn überhaupt, nur für den Moment Interesse und Anteilnahme zeigen, wenn ihnen etwas erzählt wird. Danach ist Funkstille, wochen-, monate-, manchmal jahrelang, in denen man sich fragt, ob überhaupt etwas von dem, was man irgendwann einmal erzählte, angekommen ist, ob es von Bedeutung war – ob man selbst überhaupt von Bedeutung ist, ob das Vertrauen, das man schenkte, am richtigen Platz war.

Dann gibt es Personen, die strikt an eigenen Meinungen und Werten festhalten und jeden verurteilen, der anders denkt, Diskurse nicht zulassen und nicht einmal bemerken, wenn sie anderen vorwerfen, was sie selbst tun. Dieses Projzieren von eigenen Erwartungen auf andere und darüber hinaus das Nichterkennen vom Spiegeln eigenen Fehlverhaltens, ist besonders schmerzhaft.

Dann gibt es Personen, die sich in das Leben anderer „einzecken“ (rw) – sie lassen nicht mehr los, sie schleichen sich Stück für Stück in den Alltag, ins Denken und schließlich auch die Empfindungen ihres Gegenübers. Irgendwann beginnen sie das zu verurteilen, was sie eigentlich anfangs am anderen schätzten, versuchen das lieb gewonnene Umfeld, das sie sich einverleibt haben, so umzugestalten und zu instrumentalisieren, wie es ihnen beliebt. Sie verurteilen in Folge dessen all das, was ihnen doch nicht so gut gefällt, nachdem sie die „rosarote Brille“ (rw) der Anfangseuphorie abgesetzt haben. Oftmals üben sie bewusst oder unbewusst derartigen Druck auf andere aus, dass es sehr schwer wird, sich davon zu befreien. Und das kann krank machen – psychisch und physisch.

Kleeblatt
©pixabay, User silviarita

Hast Du eine Situation aus deinem Leben oder eine Person darin wiedererkannt?
Diese toxischen Menschen (wie man heutzutage neumodisch sagt) begegnen uns immer wieder. Manchmal bleiben sie nur für Stippvisiten in unserem Leben, aber manchmal verweilen sie auch länger und dann wird es schwer, sie wieder loszuwerden. Denn man gibt ihnen zunächst viel und braucht häufig eine ziemlich lange Zeit, um sich des Ungleichgewichts bewusst zu werden, sich ehrlich einzugestehen, dass man sich geirrt hat und dann die Initiative zu ergreifen, sich wieder zu lösen.

Wie kann es dennoch gelingen, sich wieder davon zu befreien?

Lasse Dich nicht auf jede Provokation und Kritik ein.

Es gibt Personen, die provozieren und kritisieren, einfach weil sie dies gerne tun und daraus Kraft ziehen. Das Schlimmste, was ihnen passieren kann, ist sie zu ignorieren. Sicherlich ist das nicht immer einfach, zumal Kritik, wenn sie unsachlich und auf falschen oder einseitigen Annahmen und Informationen beruht, sehr verletzend sein kann.
Aber oft kommt man mit Argumenten ohnehin nicht dagegen an und dann überlege, ob es sich wirklich lohnt, diesen Kampf zu kämpfen.
Lass auch mal los, blende manche Schauplätze aus, achte auf deine Ressourcen und verschwende deine Energie nicht an Menschen, die eigentlich nicht wirklich an dir und deiner Familie interessiert sind.

Das ist ziemlich schwer, ich weiß, und es ist auch nicht immer ratsam, auf diese Weise zu agieren, aber es kann häufig helfen. Und es schafft Zeit und Energie für die Dinge und Menschen in deinem Leben, die dir lieb und wichtig sind.

Schaffe Abstand zwischen dir und bestimmten Personen.

Wenn Du realisiert hast, dass dir bestimmte Menschen nicht (mehr) gut tun, dass sie dich runterziehen, dass sie dich augenutzt haben oder schlecht über dich sprechen, distanziere dich von ihnen. Tu dir das nicht weiter an, halte Abstand.
Das ist so, wie wenn man jemanden, der eine ansteckende Grippe hat, nicht unbedingt zuhause besucht oder ihm die Hand gibt. Auch negative Energie ist sehr ansteckend und wirkt sich schlecht auf dich und dein Umfeld aus. Tu dir das nicht an.

Schaffe auch zeitlichen Abstand. Reagiere nicht immer sofort auf eine Anfrage, eine Bitte, eine Kritik oder Provokation desjenigen. Gönne dir entweder einen Moment, in dem du den Raum verlässt und in Ruhe irgendwo anders darüber nachdenkst, was zu tun ist. Wenn es möglich ist, schlafe eine Nacht darüber, bevor du etwas entscheidest, von dem du nicht sicher bist, ob du es wirklich möchtest bzw. was du eigentlich möchtest.

Schreib dir deine Überzeugungen und Vorhaben auf.

Manche Personen, die dir nicht gut tun, haben das Talent, andere zu beeinflussen. Sie verfügen über Manipulationstaktiken (unbewusst oder auch bewusst), die dazu führen, dass andere Mitleid haben, ihre Überzeugung ändern, Kompromisse eingehen und sich instrumentalisieren lassen. Es ist häufig sehr schwer, sich dem zu entziehen.
Wenn du diese Erfahrung bereits gemacht hast, schreibe dir auf, was dir wirklich wichtig ist, was du auf keinen Fall mehr machen möchtest, in welche Situationen du nicht wieder geraten möchtest, welche Verabredungen du nicht mehr treffen möchtest, welche nicht zielführenden Diskussionen du nicht mehr führen möchtest, usw.
Schau auf diesen Zettel, wenn die Gefahr groß ist, dass du erneut vereinnahmt wirst.

Und achte darauf, dass du bei deinen Gefühlen bleibst. Nimm das mögliche Gefühl von Enttäuschung oder Frust oder Wut deines Gegenübers wahr, aber lass nicht zu, dass es sich auf dich überträgt. Du bist nicht verantwortlich dafür, welche Überzeugungen und Erwartungen andere pflegen. Du bist aber sehr wohl für dein eigenes Wohlergehen verantwortlich.

Du darfst „nein“ sagen.

Du musst nicht alles und jeden aushalten. Traue dich, „nein“ zu sagen – auch wenn du weißt, dass es deinem Gegenüber nicht gefallen wird, auch wenn du weißt, dass du damit jemanden enttäuschst, auch wenn du weißt, dass du mit diesem „nein“ einen Eindruck vermittelst, den du eigentlich nicht vermitteln möchtest.
Du bist nicht dafür verantwortlich, was andere von dir erwarten. Du bist auch nicht dafür verantwortlich, was andere in dein Handeln hineininterpretieren.
Die Menschen, denen du wichtig bist, werden dich fragen, warum du etwas gesagt oder getan hast, was sie nicht verstehen. Sie werden dich nicht vorschnell verurteilen, sondern an deiner Erklärung interessiert sein.
Dein „nein“ oder deine gezeigte Ablehnung zu etwas kann die Erklärung nicht direkt mitliefern. Das ist manchmal nicht einfach auszuhalten, weil wir uns gerne erklären und allzu oft rechtfertigen. Versuche das trotzdem so zu entscheiden, wenn es sich richtig für dich anfühlt, und erkläre dich nur den Menschen, die auch ein wirkliches Interesse an dir und deiner Geschichte haben.

Lass los, was nicht zu ändern ist.

Manchmal versuchen wir, an Beziehungen und Freundschaften herumzutüfteln, sie zu verändern und zu retten. Das ist natürlich erstmal gut, wenn man nicht sofort alles über Bord wirft (rw), was nicht so läuft, wie man es sich vorstellt. Und manchmal klappt es auch, weil es wertvoll war und ist.
Aber hier sprechen wir von Beziehungen, die Schaden bei und in dir anrichten, Freundschaften, bei denen du realisiert hast, dass sie nicht auf einem ausbalancierten und gleichberechtigten Fundament stehen (rw).
Habe Mut, loszulassen. Dinge kommen und gehen, das ist auch bei Menschen so. Und manches lässt sich nicht ändern, es passt einfach nicht zu uns.
Lass diese Menschen ziehen und konzentriere dich auf das, was dich glücklich macht, dir Spaß, Freude, Liebe und Energie zurückgibt.

Hinterfrage dich selbst.

Vergiss nicht, auch dich selbst zu hinterfragen und dir zu überlegen, ob und falls ja, warum, du bereits Menschen vereinnahmt, manipuliert, benutzt und womöglich wieder fallen gelassen hast und was daraus entstanden ist – bei demjenigen, sofern du es weißt – und bei dir.
Manchmal trifft das, was wir anderen vorwerfen, auch auf uns selbst zu. Manchmal aber auch nicht.
Die Option sollten wir aber nicht aus den Augen verlieren.

Konzentriere dich auf die Menschen, die dir gut tun, die dich schätzen und bei denen du von Herzen gibst.
Dabei spielt es auch keine Rolle, ob sich diese Beziehungen jeden Tag im Gleichgewicht befinden. Selbstverständlich gibt es in jeder Beziehung und Freundschaft Phasen, in denen der eine mehr Aufmerksamkeit und Hilfe braucht als der andere. Und dann kommen wieder andere Zeiten, in denen es andersherum ist. Und dann kommen auch Zeiten, in denen es unbeschwert sein darf – auch das brauchen Beziehungen und Freundschaften.

–> zur psychologischen Begleitung und zum Eltern-Coaching auf Ellas Blog


3 comments

  • Sabrina

    Sehr schön geschrieben ❤️ Danke

  • Saskia

    Ein sehr schwieriges Thema.
    Vielen Dank.

  • Silke

    Ein meiner Ansicht nach sehr guter Beitrag. Bei mir selbst ist das Thema „mich einem für mich toxischen Menschen entziehen“ gerade eben topaktuell. Deshalb freut es mich sehr, dass du mir mit deinem Beitrag hier ein ganzes Stück weiterhilfst.

    Deinen Tipp: „… schreibe dir auf, was dir wirklich wichtig ist, was du auf keinen Fall mehr machen möchtest, in welche Situationen du nicht wieder geraten möchtest, … , welche nicht zielführenden Diskussionen du nicht mehr führen möchtest, …“ möchte ich umsetzen.

    Und ich werde auch versuchen, darauf zu achten, bei meinen Gefühlen zu bleiben. Ich habe nämlich erlebt, dass sie mir „wegargumentiert“ wurden und meine Wahrnehmung in Zweifel gezogen wurde. Ich habe es in der Situation nicht geschafft, verbal noch für mich selbst einzustehen. Vielleicht ist ein rein schriftlicher Austausch mit Leuten, die für mich „toxisch“ sind, besser zu händeln und eine Lösung.

    Den letzten Punkt mit dem sich selbst hinterfragen finde ich auch wichtig. Und deinen letzten, gefetteten Absatz finde ich ganz Klasse.

    Ich danke dir herzlich für deinen wertvollen Beitrag.

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