Gastbeitrag von Mark: Freundschaften und ich, das wird nichts. Oder doch?

Mark kennt Ihr schon aus seinem Gastbeitrag „In meiner Freizeit zähle ich keine Zahnstocher und lerne auch nicht das Telefonbuch auswendig.“
Heute hat er einige Gedanken zum Thema Freundschaft für euch…

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Gastbeitrag von Mark:

Natürlich hatte ich schon Freunde in meinem Leben. Mit Ende 40 wäre es wohl auch absurd, wenn ich es nicht wenigstens mal versucht hätte. Aber, ich schaffe es einfach nicht, auch wenn sich dies scheinbar eher auf neurotypische Menschen beschränkt, denn mit Autisten komme ich recht gut klar, schon weil der Kontakt eher über das Netz stattfindet und man so keinen persönlichen Treffen ausgesetzt ist.
Meine zwei bis drei Freundschaften, die ich im Leben schloss, endeten immer im Chaos. Meist im großen Streit, so dass man sich danach nicht mal mehr lesen und hören wollte. Ich neige dann immer dazu, alles zu löschen und Mail- bzw Telefoniekontakt zu blockieren.
Um meine Ruhe zu haben, um „abschließen“ zu können. Natürlich hinterläßt man damit keinen wirklich guten Eindruck, aber welche Trennung schafft das schon.

Oberflächliche Bekanntschaften funktionieren, zumindest so, dass es nicht eskaliert, wenn es mal nicht so gut läuft. Allerdings habe auch ich immer mal das Bedürfnis, mich auszutauschen. Sicherlich gäbe es Tools wie Facebook und Twitter, nur bin ich kein großer Freund davon, weil beide mich auch an einigen Tagen sinnlos aufregen. Speziell Facebook verkommt immer mehr zu einem asozialen Netzwerk, wenn man vieles mitliest. Das ist nicht meins.
Nur, wie bekommt man sonst Kontakt zu anderen Autisten, um vielleicht doch Freunde zu
finden, wenn auch eher auf Mail reduziert, was für mich völlig okay wäre? Es trägt ja keiner plakativ seine Diagnose vor sich her. Autisten-Foren habe ich hinter mir, das ist auch nicht meins. Ich suche direkte Kontakte. Autisten, die den direkten Austausch ebenfalls schätzen und sich abseits von Foren und Netzwerken austauschen wollen. Autisten, denen ich meinen tagesaktuellen Zustand nicht noch groß erklären muss, die aus eigener Erfahrung heraus wissen, dass Abstand auch mal angebracht ist. Schlicht Menschen, die mir „ähneln“ und die mich verstehen.

Selbst meine oberflächlichen Kontakte sind doch immer wieder mal angenervt, wenn ich etwas schlicht nicht kann, schon gar nicht auf Knopfdruck. Dass dadurch zusätzlicher Stress entsteht, will man dann auch nicht sehen.
Mir ist klar, dass ich „anders“ bin und im Grunde ist es schon so, dass ich Menschen, die
mich gerade kennenlernen, fast vor mir „warne“. Gleich alle Klischees aus dem Spiel nehme und „mich“ vorstelle. Also so, wie ICH bin. Verbiete auch sofort jeden Vergleich mit RainMan.
Macht man sich mit dieser Form der Aufklärung Freunde? Wohl kaum. Erfahrungsgemäß
eher weniger. Die meisten gehen sofort auf Abstand. Natürlich erst, wenn das Herz mit Kordelobligatorische „Kann man dagegen nichts machen? Tust mir wirklich leid“ gefallen ist.
Es wird auf lange Sicht wohl darauf hinauslaufen, dass ich auch weiterhin ohne Freunde
durch das Leben gehe. Meine bisherigen Partnerinnen haben nie verstanden, dass ich mich
so noch am wohlsten fühle, weil kein Druck entstehen kann, wenn keine Auslöser vorhanden sind. Auf der anderen Seite schafft es natürlich auch sofort neue Probleme in einer Beziehung, wenn man vom Freundeskreis der Partnerin auch eher Abstand nimmt.

Wie gesagt, die wenigsten verstehen, dass ich damit noch am besten klar komme. Ich habe es in jeder Beziehung sicherlich erstmal wenigstens versucht. Habe die Personen erstmal kennengelernt. Aber, es ist jedes Mal so, dass mich irgendetwas triggert. Oder so sehr nervt, dass ich meinen Mund nicht halten kann. Es kommt dann immer zum gleichen Ergebnis. Streit.
Sowas will ich natürlich auch nicht, aber es passiert eben. Zu mir passt nur jemand, der meine Eigenschaften teilt. Zu mir passt vermutlich nur ein Autist. Und hier beginnt wieder mein eigentliches Problem.

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Zum Weiterlesen:

Gastbeitrag: „Mögen Sie Mr. Spock? – Autismus und Kommunikation

3 comments

  • Saskia

    Danke für deine Offenheit.
    Nur als Idee, vielleicht nicht nach Freundschaften suchen. Setzte dich für deine Interessen ein, mach dein Ding in dem du gut bist und wobei du dich wohl fühlst. Vielleicht findest du so jemanden mit dem du auf der gleichen Welle (RW) schwimmst. Das ihr zusammen das gleiche Hobby habt und dann mal schauen was sich daraus ergibt.

    • M

      Das klingt leichter, als es sich dann in der Realität darstellt, denn dazu müsste ich Menschen erstmal näher an mich heranlassen bzw kennenlernen. Meine Interessen teilen nur sehr wenige, und eben diese finde ich dann in Foren. Dort entsteht in der Regel kein näherer Kontakt. Es ist auch nicht der Zwang, einen „Freund“ zu finden. Es ist vielmehr der Wunsch jemanden zu kennen, der einen versteht, mit dem man sich austauschen kann, der für einen da ist, ohne Gegenleistung. Den man nach einem gewissen Vorlauf vielleicht auch mal treffen kann. Meine Kontakte sind tatsächlich seit sehr sehr vielen Jahren nur im Netz anzutreffen. Das ist mir langfristig etwas zu wenig.
      Ich kann das grade schlecht erklären, aber ich schätze mal, dass man versteht, was ich meine.

  • Zarinka

    Ich (Diagnose Asperger Syndrom) persönlich brauche jetzt keine Freunde und ich habe in meinem Leben auch noch nie nach Freunden oder Freundschaften gesucht.

    Das Leben fordert und stresst mich so schon genug so dass für das Eingehen und Aufrechterhalten von Freundschaften (von meiner Seite her) eh kein Raum vorhanden ist.

    Zudem fehlt mir schlicht weg auch einfach der Wunsch dazu.

    Wer nicht verstehen kann (ob nun Partner, Familienmitglieder oder sonst wer) dass ich mich so noch am ehesten wohl fühle, sollte dann jedoch zumindest versuchen es zu akzeptieren, bzw. zu respektieren.

    So wie ja auch ich versuche deren Art und Lebensweise zu respektieren, denn auch ich musste erst lernen dass Freundschaften für die meisten Menschen nun einmal wichtig zu sein scheinen…auch wenn ich selbst es nicht wirklich verstehe.

    Es muss nicht zwangsläufig deswegen zu neuen Problemen in einer Beziehung kommen. Aber es ist viel „Arbeit“ nötig um zu einer beiderseitigen respektvollen Akzeptanz zu gelangen.

    Den Wunsch mich hin und wieder mal mit anderen auszutauschen verspüre ich zwar auch ab und an mal, jedoch sind meine Interessengebiete und die Interessengebiete der anderen völlig unterschiedlicher Natur so dass es oft nicht wirklich zu einem beiderseitigem Austausch kommt..letztendlich schaut es dann doch immer wieder gleich aus: Andere reden, und ich bin Zuhörer.

    Auch was da Mails angeht ist es nicht viel anders…richtiger Austausch findet auch da nicht wirklich statt…was jetzt (aus eigener Erfahrung) meine bisherigen Mails betrifft.

    Ob es einen Weg gibt durch direkte Kontakte zu anderen Autisten an Freunde zu gelangen, ist zwar schon gut möglich…eine Garantie dafür gibt es letztendlich aber leider auch da nicht…meine persönlich Erfahrung hat auf jeden Fall gezeigt dass auch Kontakte zu anderen Autisten zwangsläufig nicht unbedingt zu dauerhaften Freundschaften führen.

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