Kein Platz im Schulsystem – und die Eltern stehen Vorwürfen gegenüber (Gastbeitrag von Susan, Autistin)

Quelle: pixabay, Nutzer „Free-Photos“

Gastbeitrag von Susan Vogl, Autistin und Mutter von drei Kindern:

Es ist leider kein Einzelfall, doch wenn man diese Geschichten hört, könnte man meinen, man stecke mitten in einer billigen Seifenoper.

Grundschüler, die aufgrund ihrer anderen Wahrnehmung und Reizverarbeitung Schwierigkeiten haben, im normalen Alltag zurecht zu kommen, bekommen keine adäquate Hilfe, werden abgelehnt, sollen in Kliniken eingewiesen werden, und den Eltern wird zudem noch Kindeswohlgefährdung unterstellt. Und das in unserem ach so hoch gelobten Sozialstaat, in dem „die Würde des Menschen unantastbar“ ist.
Glauben Sie nicht?
So passiert es aber. Immer wieder.

Daniel* aus der Nähe von München, Manuel* irgendwo im Raum Nürnberg, beides Autisten. Eigentlich schlau genug, um in eine Regelschule zu gehen, mit einem Schulbegleiter an ihrer Seite, um das lernen zu können, was ihre gleichaltrigen Klassenkameraden auch tun.

„Das Recht auf Bildung“ ist hierbei die Grundlage zur sogenannten Inklusion. Es gibt genügend Beispiele, dass das funktionieren kann, wenn eine gute Zusammenarbeit zwischen Schule, Eltern und Schulbegleiter gegeben ist.
Leider gibt es aber viel zu wenig Schulbegleiter, die sich wirklich mit Autismus auskennen, Lehrer haben Sorge, dass sie ihren Unterricht nicht halten können und meinen, „solche Schüler sind auf Förderschulen besser aufgehoben“, Jugend- und Schulämter berufen sich auf die Schulpflicht, die selbst bei Kindern mit Einschränkungen so unauffällig wie möglich erfüllt werden muss.

Was das für Eltern bedeutet, die Tag für Tag bemüht sind, dem Kind die
bestmöglichen Chancen für ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben mitzugeben, mag sich kaum jemand vorstellen. Ein Termin jagt den nächsten, Ärzte, Therapeuten, Ämter, usw., alle wollen Nachweise, Tests, Angaben, und leider nimmt kaum jemand die Eltern und ihre Einschätzungen ernst. Sie werden als „Helikoptereltern“ abgestempelt, würden ihre Kinder zu sehr in Watte packen, oder im Gegenteil zu wenig Liebe zeigen…

Menschen im Autismus-Spektrum haben manchmal Angststörungen als Komorbidität [Begleiterkrankung]. Diese entstehen oft aus schlechten Erfahrungen, und weil es für Autisten ohnehin schwer ist, die Welt zu verstehen. Ihre Reaktionen auf bestimmte Situationen sind für diejenigen, die sich mit Autismus nicht auskennen – und das sind leider immer noch die meisten Menschen – schwer zu verstehen, nachzuvollziehen oder gar zu akzeptieren. Da kann es schon mal passieren, dass ein Kind mit Autismus unter dem Tisch sitzt, sich die Ohren zuhält und vor sich hinschaukelt. Dass es mit Reizüberflutung zu kämpfen hat, ein Schüler etwas Blödes gesagt hat oder das Kind sich nicht mehr zu helfen weiß, wenn es etwas nicht versteht, sieht von außen ja niemand. Oder es fliegt ein Stift durch die Luft, ein Stuhl wird umgeworfen, geschrien. Ursache: Reizüberflutung und Unwissenheit des Umfelds. „Plötzlich und ohne Grund“ heißt es dann meistens.
Dass die Kinder ausreichend in die Konfrontation mit der „Außenwelt“ gehen müssen, ist einleuchtend, es kommt dabei aber eben auf eine gute Dosierung an. Autistische Kinder sind weder „ganz normal“ noch „völlig anders“.

Diese Kinder sind es aber nun, die wie Schwerverbrecher in Kliniken
geschickt werden (sollen), weg von ihrem gewohnten, Sicherheit vermittelnden Zuhause, weg von den vertrauten Eltern. Sie sollen Medikamente nehmen, Therapien machen, um bloß nicht mehr negativ oder überhaupt aufzufallen, sollen an die Gesellschaft angepasst, nein, ihr gefügig gemacht werden. Dass spätestens hier die Eltern gegen solche „Empfehlungen“ laut werden, kann sicher jede Mutter oder jeder Vater nachvollziehen.

Doch nun stehen auch die Eltern unter Beschuss: Wenn eine Einweisung in Kliniken abgelehnt wird und das Kind nicht normal beschult werden kann, wird geprüft, ob das Kindeswohl gefährdet ist.
Hier fragt niemand, wie es bspw. zu diesen Ängsten gekommen ist, was die Schulbegleitung über das Kind wissen muss, überhaupt, wie man dem Kind helfen könnte, sich besser zurecht zu finden. Es findet keine hilfreiche Kommunikation zwischen Eltern und Lehrer statt, denn die Fronten sind verhärtet. Auch wird von dem Kind verlangt, dass es mit dem ihm vorgesetzten Schulbegleiter klarkommt, egal, ob man sich wenigstens ansatzweise sympathisch ist oder nicht. Man will sich auch nicht darauf einlassen, dass das autistische Kind seine Rückzugsmöglichkeiten bekommt, sprich, mit der Schulbegleitung für eine Zeit das Klassenzimmer verlassen und sich erholen darf, obwohl dies zuvor im sogenannten Nachteilsausgleich vereinbart wurde. Man gestattet dem Kind auch nicht, sich langsam an neue Situationen zu gewöhnen, es muss jetzt, sofort, und wie alle anderen funktionieren.

So kämpfen die Eltern weiter, am Ende ihrer Kräfte, für ihre Kinder, für deren Würde, für deren Rechte… Und gegen die furchtbare Behauptung, das Wohl des Kindes könnte gefährdet sein.
Man gewinnt bei alledem den Eindruck, dass das Unvermögen der gesellschaftlichen Akteure zur Inklusion hier auf die Kinder und ihre Familien abgewälzt wird.
Das Wohl dieser Kinder und das ihrer Familien ist ganz sicher gefährdet, aber nicht, weil die Eltern dies mit ihrer Schutzhaltung verursachen, sondern weil man sie nicht hört. Und weil das Schulsystem keinen Platz für Kinder wie Daniel und Manuel hat.
Ein Armutszeugnis für unser Land bzw. unsere „aufgeklärte Gesellschaft“.

(*Die Namen wurden geändert)

Verfasst von_
Susan Vogl; Autistin
Mutter von drei Kindern, davon eine erwachsene Autistin

Administratorin im www.autismus-forum-deutschland.de
Website: www.autistisch-beraten.de

Ihr dürft Euch über ein ausführliches Interview mit Susan freuen – erscheint in Kürze.

***

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Herzliche Einladung für mehr Informationen.

14 comments

  • Martin

    Vielen Dank für diesen Beitrag.
    Man kommt sich mit solchen Erfahrungen oft so allein vor.

    • Juliane Jonach-Bender

      Oh ja, das ist unsere Geschichte sein – genau so ist es passiert :-(
      Aber wir haben weiter gekämpft, Glück mit dem Amtsarzt gehabt, mit der KJP, mittlerweile einen menschlichen Schulbegleiter bekommen – Was für ein Glück!
      Trotzdem heißt es weiter zittern irgendwie. *Funktioniert* das Kind, das wird erwartet, sonst Klinik für *ordentliche* medikamentöse Einstellung, wie das Schulamt forderte.
      Die, die am wenigsten Ahnung haben, haben die Klappe am weitesten aufgerissen. Als Mutter / Vater hat man ja auch absolut keine Ahnung. Erst zu dumm, um sein Kind richtig zu erziehen, nach der Diagnose keine Ahnung davon, was das eigene Kind wirklich braucht, die Fachmänner gibt es ja nur in Kliniken in Form eines stationären Aufenthaltes ….
      Nun ja, in dem Fall weiß die Mutter nicht nur über Autismus bescheid, natürlich , man informiert sich doch umfänglich, auch über die Rechte des Kindes, die Pflichten der Schule etc….
      Diese Mutter ist auch noch seit 20 Jahren selbst Pädagogin. Aber Achtung, sitzt man in einem Kreis mit *Selbst ernannten Experten*, ist man plötzlich einfach nur die dumme überfürsorgliche Mutter, die keine Ahnung hat und endlich das Beste für ihr Kind tun sollte: Es mit 7 Jahren stationär in eine Klinik einweisen lassen.

  • Wickieva

    Es ist schlimm,was Du beschreibst,dass Kinder autistischen Kinder in Kliniken eingewiesen werden und aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden!Das ist unglaublich!
    Das Verhalten eines Autisten im Unterricht zu verstehen,dazu bedarf es viel Aufklärung.Wenn man ein gutes Autismus-Zentrum an der Hand hat,kann hier die Aufklärung in Abstimmung mit der Schule in der Klasse erfolgen.Es ist elementar wichtig ,dass immer wieder aufgeklärt wird.Man darf nicht erwarten,dass Aussenstehende das Thema Autismus kennen und sich entsprechend verhalten.Es sollte im Gespräch mit der Schule festgelegt werden, dass z.B der Klassenlehrer/in für die Einhaltung des Nachteilsausgleich verantwortlich ist.
    Wir haben auch schon viel erlebt und bleiben trotzdem optimistisch.Deshalb möchte ich auch nochmal sagen,dass es auch gute Erfahrungen unter den Schlimmen gibt.
    Auch wir haben. ,was die Integration unseres jüngeren Sohnes (7 Jahre) in eine Regelgrundschule angeht, feststellen müssen,dass dies ,unter dem Schulsystem wie es jetzt ist,nicht funktioniert. Wir sind noch nicht am Ende der Odyssee ,d.h. derzeit wissen wir noch nicht,wie er bis zum Sommer beschult wird.Dies wird sich aber bald entscheiden. Seit Mitte des Monats ist er nicht mehr in seiner Schule,weil es einfach nicht mehr für ihn ging. Bei unserem älteren autistischem Sohn(9Jahre),der jetzt zum Sommer mit gymnasialer Empfehlung und guten Noten in die weiterführende Schule wechselt,hat die Integration sehr gut an derselben Schule funktioniert.
    So unterschiedlich kann es ablaufen.Trotzdem sehe ich es positiv,dass unser „Kleiner“ nun spätestens bis zum Sommer auf unsere Wunschförderschule geht.Die Zeit bis dahin muss überbrückt werden.
    Wir hatten jederzeit korrekte Gegenüber,die an einer Lösung zum Wohle des Kindes interessiert waren,aber manchmal gibt es auch Vorschriften,die es so wirken lassen können als wäre dem nicht so.Deshalb ist es wichtig,sich zu informieren ,zu wissen was Vorschrift ist und was Willkür.Gegen Willkür kann man sich rechtlich wehren.
    Ja, die Szenerie der Schulbegleiter ist angespannt ,die Schulen sind am Ende ihrer Kräfte,ebenso die Eltern gehandikapter Kinder, Inklusion ist im Grossen und Ganzen ein Witz,etc.Nur Mutlosigkeit oder jammern bringen einen nicht weiter.Sich informieren, absichern,Netzwerke knüpfen und trotz allem positiv bleiben,dass wird langfristig erfolgreich sein und schlussendlich dem Kind helfen.
    LG Eva

  • Jr.

    Hi
    Tatsächlich klappt es wenn alle zusammen arbeiten. Nur haben nicht alle Leute Verständnis sogar Leute die eigentlich vom Fach sind. Ich habe drei Kinder , zwei davon Autisten in unterschiedlicher Ausprägung. Der Älteste wird jetzt dreißig Jahre alt und war 8 Jahre in einer WfBm bis er dort so auffälliges Verhalten zeigte dass sie das Beschäftigungsverhältnis kündigten nachdem wir ein schwieriges letztes Jahr hatten indem ich öfter gebeten wurde ihn daheim zu lassen. In diesem Jahr war er zweimal in einer Speziellen Klinik und zweimal in der Psychiatrie vor Ort. Jetzt ist er in einem Wohnheim und auch dort kam es Anfangs zu extrem auffälligem Verhalten und er wurde zweimal in die Psychiatrie in Ansbach eingeliefert. Wir haben dann festgestellt dass sein Verhalten durch Nebenwirkungen ( Dyskinesien) auf die Psychopharmaka entstanden sind. Dort ging es ihm gar nicht gut und mir wurde erlaubt ihn eine Nacht mit heim zu nehmen. Er hatte Alpträume vom fixieren. Nie wieder würde ich das erlauben und so hab ich es auch gesagt. Wenn er wieder dort hin muss hol ich ihn heim. Er hatte Angst , diese ist auch immer der Grund für sein auffälliges Verhalten. So richtig verstehen tut das auch von den Fachleuten kaum jemand.

  • Sabine Eichert

    Danke für diesen Beitrag.Es ist erschreckend wenn man doch weis, wie viele von uns genau das durchmachen und sich trotzdem kaum etwas zum besseren bewegt.Diese Beiträge hier sind Gold wert.Für Eltern,Betroffene und Menschen die helfen wollen.

  • Maria Plobner-Trisko

    Bei uns in Österreich schauts mit den Schulbegleiterinnen ganz traurig aus. Anscheinend will niemand Geld investieren. Der Gedanke der Inklusion hört sich gut an, ist aber nicht so richtig durchführbar. Der Sohn eine Freundin – 8 Jahre, im autistischen Spektrum – wird in einer Regelschule unterrichtet. Seine Begleitperson ist eine Gemeindeangestellte ohne jegliche pädagogische Ausbildung. Wie soll diese wissen, wie det Junge die Welt wahrnimmt. Auch die Lehrerinnen sind mit dieser Situation vollkommen überfordert. Immer wieder muss die Mutter in der Schule wie eine Schuldige antanzen, von den Eltern der anderen Schülern wird die Familie gemieden. Ein Wechsel in eine Sonderschule wird immer wieder angedacht. Ich frage mich, wo man bei der Aufklärung über Autismus Spektrum Störung beginnen soll. Bei den Lehrern, bei den Politikern oder bei der Allgemeinheit.

  • Hasenmutti

    Solange die Rahmenbedingungen für Inklusion nicht angepasst, d.h. VERBESSERT werden, kann eine erfolgreiche Inklusion aller Behinderungen, aller Besonderheiten nicht funktionieren.
    Ich stamme aus Niedersachsen. In unserem Bundesland benötigt eine Schulbegleitung keinerlei (!) Qualifikation, da wir ja nicht pädagogisch arbeiten dürfen.
    Dementsprechend schlecht, ist auch unsere Bezahlung.
    Ich selber bin eine Fachkraft, und kann dieser Tätigkeit, welche ich aufgrund der tollen Arbeitszeiten (bin selber Mutter) als ideal empfinde, nur nachgehen, weil mein Mann den Bärenanteil unseres Einkommens verdient.
    Ich bin überaus engagiert, scheue mich nicht, für meine Schützlinge zu kämpfen, berate und kläre Lehrerkollegen auf, hinterfrage vieles und reflektiere mich ständig.
    Leider bin ich eine der Wenigen.
    Die Meisten meiner Kolleginnen sitzen ihre Zeit ab, haben keinerlei Ahnung bzgl. der Diagnosen, Defizite und Ressourcen ihrer Schützlinge.
    Es ist unfassbar, was man da alles erleben kann.
    Derzeit „darf“ ich eine Kollegin dabei bewundern, wie sie ein Kind mit Diab. Typ 1 begleitet und wirklich keine Ahnung von dieser Krankheit hat. Es ist gruselig. Bestürzend. Gespräche mit dem Arbeitgeber haben nichts gebracht (auf den Hinweis unserer Klassenleitung, diese Dame würde bei Problemen immer die andere Sb (also mich) fragen, kam nur die Aussage: „Das ist doch toll. Sie erkennt, dass sie Hilfe braucht.“ Ähm hallo?!
    Aber das ist eine andere Geschichte.
    Was ich damit sagen möchte:
    Wird die Bezahlung besser, werden die Sb professioneller.
    Aber wir sind ja nur ein Tropfen, auf dem heißen Stein.
    Es stimmt so vieles im System Schule nicht.
    So viel Willkür, die mit „pädagogischen Ermessen“ begründet wird. So viel Intoleranz, so viel Verzweiflung, so viel Frust….
    Es liegt noch viel Arbeit vor uns allen…

    Wünsche allen Familien ganz viel Kraft!

  • Stefan Beumers

    Super so Leute wie dich müsste es öfters geben.
    Wir haben einen 10 Jahren Sohn der Asperger ist.
    Und in der Grundschule wo er zurzeit.
    Ist meines Erachtens die Klassenlehrerin die gleichzeitig auch Direktorin ist,
    Absolut beratungsresistent.
    Hat wohl nicht mehr lange bis zum Ruhestand.
    Leider leiden wir alle da drunter.

  • Claudia

    Hallo, ich kann nur sagen, dass ich mich hier auch total wiederfinde! Nach einer katastrophalen Grundschulzeit mussten mein Mann und ich uns nach dem Kampf um die Aufhebung des sonderpädagogischen Förderbedarfs (unsere Tochter hat nicht eine Stunde Förderung erhalten in 4 Jahren!) von der vollkommen intoleranten und inklusionsfeindlichen Schulamtsleiterin sagen lassen, dass wir undankbar wären, weil wir einen evt. Schulwechsel in den Raum gestellt haben, der uns vor der Aufhebung leider nicht möglich war (bzw. die Anmeldung auf dieser Schule, weil nicht im Kreis/in der Stadt). Man hat also keine freie Schulwahl, kämpft dafür (was für andere völlig normal ist) und muss dann noch dankbar sein, dass das Kind überhaupt in die (Regel-)Schule gehen darf. Bei soviel Inkompetenz fehlen einem einfach die Worte. Im Übrigen habe ich mich ans Ministerium (NRW) gewandt und die haben dem Schulamt vollumfänglich Recht gegeben und die Nicht-Förderung als Förderung bestätigt. Auch eine Vertreterin des RP Köln (Bescheid über Aufhebung kommt von dort, steht aber aktuell noch aus) sprach davon, dass das Kind sich der Schule anzupassen hätte und von nun an keinerlei Besonderheiten mehr herrschen würden (die es vorher ja auch nicht gab). Von Inklusion ist in NRW wirklich nichts zu spüren. Unsere Tochter geht jetzt in eine „Inklusionsklasse“. Eigentlich ein Widerspruch zu einer inklusiven Schule, wie sie sein sollte. Wir werden nicht aufhören zu kämpfen, denn zu allem Überfluss hat uns das JA, das uns seit 2014 wirklich extrem ärgert, nun ein Verfahren wegen Kindswohlgefährdung an den Hals gehängt, weil unsere Tochter denen nicht selbständig genug ist (mit SBA 100 % und Pflegegrad 3). Dabei sind die einizigen, die das Kindswohl gefährden, die vom JA mit dem ständigen Ablehnen von Anträgen zum Wohl des Kindes bezüglich der (nur teilweise vorhandenen) Schulbegleitung. Deutschland im Jahr 2019….

    • Monika Bollin

      NRW schein besonders wenig Sachverstand zu haben. Unser Sohn musste in der 4. Klasse einen Sonderpädagogischen Förderbedarf bekommen, weil die Lehrerin sonst nicht auf ihn eingehen wollte. Also eingerichtet, bei Antrag wusst jeder, er geht auf ein Regelgymnasium. Parrallel zur Verschlechterung seiner Schulsituation fiel in der 8. Klasse auf, mit dem Bescheid SF darf er gar nicht auf eine Regelschule. Depression, Angsstörung aufgrund Mobbing. KJP und Verhaltenstherapie, mittlerweile die Erkenntnis Förderschule zur Entlastung. Bei Einrichtung des SF wurde zwischen Schulamt und Bezirksregierung etwas nicht richtig kommuniziert. Nun hat er einen SF,der ihn nur dazu qualifiziert, nicht auf eine Regelschule zu gehen. Er braucht aber einen neuen SF, damit er auf eine Förderschule gehen kann. Seit den Sommerferien nicht mehr in der Schule, jeder sagt, er soll gehen. Ich finde aber keine neue Schule. Von der alten würde die Bezirksregierung ihn entfernen. O-Ton. Da der alte Förderbedarf über die Jahre unzureichend dokumentiert ist, fehlen Unterlagen für eine Aufhebung. Nur mit Aufhebung darf er auf eine Regelschule. Der neue Antrag wird von der alten Schule seit Oktober irgendwie immer verschleppt. Ich habe mehrmals Unterlagen erneut eingereicht. Ohne einen neuen Bescheid darf er nicht auf eine Förderschule. Warum ein bestehender Bescheid nur dafür reicht, etwas nicht zu dürfen, keine Ahnung. Das ist wie bei Kafka oder bei den Schildbürgern. Erklär mal irgendwo, ich habe einen Bescheid, mit dem hätte ich damals nur auf eine Förderschule gehen dürfen, auf die Regelschule hätte ich damit nicht gedurft. Der reicht aber nicht, wenn ich jetzt auf eine Förderschule möchte.

  • Andrea

    Wir leben in Österreich . Asperger ist leider für den Grossteil der Lehrer ein Fremdwort. Meine Tochter und wir wurden ihre gesamte Schulzeit lang angefeindet sowohl von Pädagogen als auch von den anderen Eltern trotz Offenlegung der Diagnose und Aufklärung . Das Verständnis für autistische Probleme geht gegen Null. Sie entwickelte eine Angststörung, schwere Depressionen mit Suizidgedanken. Letztendlich haben wir sie herausgenommen. Sie besucht jetzt eine Abendschule , dort geht es ihr besser, die Akzeptanz und Freundlichkeit der Lehrer hilft ihr sehr. Aber die Wunden bleiben und ihr Selbstvertrauen hat extrem gelitten.

  • Claudia Ungefehr

    Wir haben mit unserem Mittleren (10)-Asperger- auch eine Odyssee durch. In der 1.Klasse ist er durch viel Aggression aufgefallen. Wir haben uns Hilfe in der KJP gesucht, sind allerdings noch vor der Diagnose höflichst von der Schule gewippt worden. Der Start an der 2. GS war auch alles andere als gut. Wie oft habe ich ihn abgeholt….
    Kurz vor seinem 9. Geburtstag erhielten wir die Diagnose Asperger. Und hatten da schon per Gericht eine Schulintegrationshelferin eingeklagt. Der Weg dahin war steinig und ungewiss und ging ganz schön an die Psyche von mir und meinem Mann. Dazu sei gesagt, mein Mann ist Ergotherapeut und hatte zu dem Zeitpunkt eine Position inne, aus der er die ganzen Behörden Wege und Mittel wusste. Ich bin Erzieherin und so ist unser Mittlerer ein richtig gut, sozialisierter Asperger. Der zeitweise Ausschluss aus der Klasse hat tiefe Spuren bei unserem Sohn hinterlassen. Bis heute greift er nicht auf den Rückzugsort zurück.
    Jetzt im Sommer steht der Wechsel auf die weiterführende Schule an. Mit Hilfe der Autismus Ambulanz und den anderen Beteiligten wird es hoffentlich klappen.
    Liebe Grüße

  • Marion Husch

    Oh ja, so ähnlich sind meine Erfahrungen auch. Man läuft von einem Arzt zum Anderen, macht Therapien ohne Ende, aber keiner versteht wirklich was mit dem Kind los ist. Als Mutter wirst du nur dumm angeschaut, weil keiner dir glaubt, dass dein Kind wirklich nicht anders kann. Wie oft musste ich mir anhören, mein Sohn sei nur bockig und stur. Ich wäre nicht konsequent genug mit ihm. Für unsere Kinder gibt es leider auch keine passende Schule, sie passen einfach nicht ins System. An Förderschulen würden sie sich langweilen und an der Regelschule kommen sie auch nicht klar. Nicht,weil sie dumm sind, sondern weil es dort naturgemäß laut und schrill zugeht, geschubst und geschrien wird. Bei meinem Sohn hatte das zur Folge, dass er über die letzten Jahre schleichend immer häufiger krank war bis hin zur völligen Schulverweigerung. Seit den Herbstferien war er nun nicht mehr in der Schule und wir wissen nicht, wie es weitergehen soll. Dabei war er früher ein sehr guter und hoch motivierter Schüler. Es ist echt traurig, er hat wirklich Potential, kann aber nichts damit anfangen, weil er mit den Rahmenbedingungen einfach nicht klar kommt.

  • CiBi

    Ganz genauso ist es.
    Die Autorin dieser Zeilen und auch einige Folgekommentare haben genau beschrieben, an was es in den Schulen, den Institutionen, die Schulbegleitungen „anbieten“, sämtlichen Institutionen, die mit Inklusion zu tun haben, mangelt.
    Ich selbst erlebe es aus verschiedenen Perspektiven. Als Mutter eines pubertären Aspergers, die eine Zeitlang als Schulbegleitung für Autisten gearbeitet hat, und mittlerweile wieder als Regelschullehrerin (tätig im Förderbereich).
    Es gibt kaum fundiertes Wissen über Autismus bei den sogenannten Experten, nur die bekannten Stereotype, die auf alle angewendet werden.
    Kinder sollen einfach funktionieren Bisher gingen alle erlebten Kindergarten- und Schulsituationen und externe in diese Richtung. Kaum jemand betrachtet das Kind (und nicht nur Autisten, auch die NT) als Individuum, das sich in seinem Tempo entwickeln darf.
    Die Eltern sind hochgradige, inkompetente Störfaktoren in diesem in sich nach außen geschlossenen Schul- und Erziehungskosmos, jeder Schüler mit Förderbedarf ist eine zusätzliche Belastung – einerseits verständlich aufgrund der hohen Arbeitsbelastung der Regelschullehrkräfte, aber wenn einem neuen Kind noch nicht einmal die Chance gegeben wird, unvoreingenommen angenommen zu werden, sondern noch vor dem ersten Schultag seinen Negativstempel bekommt, die Eltern, die um Unterstützung bitten, als unverschämt, lästig und eigentlich unfähig abgestempelt werden, und die Kinder dann von Hilfskräften begleitet werden, die null Ahnung haben, dann kann Inklusion auch nicht gelingen.

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