Wie eine Vermittlerin Autisten im Krankenhaus unterstützen kann

Ein weiterer Gastbeitrag zum Thema „Autismus und Schmerzempfinden“ hat mich erreicht.
Vielen herzlichen Dank an Emma (Name geändert).

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Gastbeitrag von Emma:

Seit längerer Zeit beschäftigt mich schon, wie die Spitalaufenthalte für Menschen im Autismus-Spektrum anders gestaltet werden könnten. Bisher befasste ich mich damit besonders wegen der Erfahrungen mit meinem Sohn.
Jetzt steht mir selbst als Autistin eine Operation bevor. Eigentlich dachte ich, kein Problem.
Als Pflegefachfrau kenne ich die theoretischen Hintergründe, Abläufe und auch das Spital ist mir bekannt.
Als der Termin zur Vorbereitung der Operation stattfand, merkte ich allerdings, dass es alles Klinitutensilienandere als einfach ist. Als Pflegefachfrau fand und finde ich das perfekt organisierte System super – es gibt klare Regeln, Abläufe und Strukturen.

Als Patientin löst es aber andere Gefühle aus.
Ein Gefühl des Ausgeliefertseins und keinen Einfluss mehr haben können. Für mich bedeutet es Kontrollverlust.
Aber ich kann die Strukturen nicht ändern, denn diese sind notwendig und machen Sinn.
Also was tun?

Mit meinem Psychiater besprach ich die Situation und dieser schlug vor, dass er mit
einer Psychologin des Spitals Kontakt aufnimmt und diese mich dann vor Ort betreut.
Diese Idee fand ich super. Die Psychologin durfte ich vorab kennenlernen und mit ihr meine Ängste und Sorgen besprechen. Während und nach der Operation wird sie die Rolle der Vermittlerin übernehmen und bei Bedarf erklären, was es bedeutet im Autismus-Spektrum zu sein.

In Bezug auf die Operation kann das bedeuten, dass sich Schmerzen anders äußern, z.B. verzögert, nicht als Schmerzen erkannt werden oder nicht benannt werden können.
Ein weiterer Punkt ist meine starke Lichtempfindlichkeit und wenn notwendig, dann kann die Psychologin erklären, dass ich deshalb meine Sonnenbrille mit sehr dunklen Gläsern benötige.
Auch meine Geräuschempfindlichkeit ist ein sehr wichtiger Punkt. Bei Schmerzen verstärkt sich diese. Dagegen kann ich Kopfhörer und Oropax mitnehmen.

Es könnte das Argument kommen, dass dies auch jemand von der Familie und/ oder eine nahestehende Person übernehmen kann.
Nein, kann diese nicht. Auf der eine Seite sind diese Personen viel zu emotional eingebunden und auf der anderen Seite wird eine Fachperson von anderen Fachpersonen viel ernster genommen.
Diese einfache Maßnahme gibt mir Sicherheit und das Gefühl, dass ich einen Teil der Kontrolle zurück bekomme. Denn diese Fachperson erklärt meine besonderen Bedürfnisse und weist darauf hin, weshalb diese wichtig sind und nicht nur „nice to have“.

Teil 2 folgt nach der Operation.

***

Vielen Dank, liebe Emma. Ich wünsche Dir alles Gute für die Operation und dass es mit der Psychologin als Vermittlerin gut klappt. Wir sind gespannt auf Teil 2.

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Zum Weiterlesen:

Maria ist Autistin: „Mein Schmerzempfinden tritt mit Verzögerung ein.“

Autismus und Schmerzempfinden – wie Autistinnen und Autisten ihren Umgang mit Schmerzen beschreiben

 

2 comments

  • Monique

    Guten Tag

    Habe ihren Betrag gelesen. Bei meiner Tochter ist es gar nicht möglich das sie im Krankenhaus untersucht werden kann. Rein gehen funktioniert aber das untersuchen kann ich vergessen. Da bin ich auch total am verzweifeln wie ich das machen kann. Auch die Ärzte dort nehmen nicht wirklich Rücksicht die wollen nur alles schnell schnell machen und gehen nicht drauf ein.
    Leider hatten wir jetzt schon öfter einen Notfall wo sie hätte behandelt werden müssen leider war dies nach einigen Stunden nicht möglich.
    Haben sie einen Tipp wie man das noch angehen kann ?

  • 1. Ich bin super schmerzempfindlich.
    2. Ich merke nicht, wann die Schwestern im Stress sind und ernte dann missfallen und falle in Ungnade, wenn ich etwas wil.
    3. Ich wirke aufgeregter, als ich tatsächlich bin und werde dann leicht mal in die Psycho-Ecke geschoben, oder meine Beschwerden werden schneller als psychosomatisch deklariert als bei anderen, auch bei rein offensichtlich somatischen Beschwerden.
    4. Ich bin zu ehrlich, wenn es neben dran wehtut, dann sage ich, nein, es tut nicht weh, und dann bekomme ich oft nicht die Behandlung, die ich brauche, oder langsamer als es sein müsste.

    5. Ich bin oft zu schnell und warte nicht ab und komme dem Personal zuvor, weil ich (auch wegen schlechtem SEhen) oft nicht merke, wie weit die sind, und so falle ich in Ungnade und werde als Drängler missverstanden.
    6. Ich kann mich bei Beschwerden oder BItten um HIlfe oder notwendigen Hilfestellungen, wenn diese abgelehnt werden, wie z.B. HIlfe bei Essenszubereitung wegen Blindheit, oft schlecht durchsetzen, dass ich das jetzt aber unbedingt brauche.
    7. Ich kapiere manchmal etwas langsamer und brauche mehr Erklärung, was dann Ungeduld hervorruft .
    8. Ich werde — wohl durch meinen Tonfall — oft missverstanden, wenn ich was frage, ob das oder das schon fertig ist (ob die Infusion schon abgestöpselt ist , und ich jetzt loslaufen kann) –, das wird dann als Ungeduld missinterpretiert, und ich werde gescholten, obwohl ich es einfach nur wissen muss, um nicht versehentlich das falsche Timing zu haben.
    9. Ich kann mich nicht durchsetzen, weil mir der BLickkontakt fehlt, und wenn ich den Ärzten was Dringendes sagen muss, dann muss schon jemand dabei stehen, damit sie mir zuhören und ihre Aufmerksamkeit schenken und nicht einfach weggehen und mich reden lassen. Ich kann dann nicht einschätzen,ob sie es nun gehört haben oder nicht.
    10. Meine Antworten auf Fragen von Schwestern sind offenbatr zu lang, denn während meiner 1-2 Sätze, die ich den Schwestern sage, drehen die sich oft schon um und laufen weg und hören nicht weiter zu.

    11. Ich bin medizinisch ausgebildet, das wird aber bei mir als naseweis und vorlaut oder als „Little Professor Syndrome! gesehen, weil die Ärzte es nicht haben können, wenn man über sein Syndrom Bescheid weiß und einen dann ignorieren oder belächeln. Ich habe wenig SInn für Hierarchien.

    12. Ich habe oft das Gefühl, dass bei mir Erkrankungen viel langsamer ernst genommen werden als bei dem Rest der Bevölkerung.

    13. Ich habe wenig GEspür, wann ich was vorbringen darf und wannnicht, und daher falle ich schnell in Ungnade und kriege dann allgemein andere Sachen auch nicht mehr, oder man kommt langsamer , weil man dann schon angesäuert von mir ist.
    Ich meine das aber alles gar nicht so, aber es kommt halt oft blöd rüber. Wenn ich dann sage, ich habe Kommunikationsprobleme, werden die oft nicht ernst genommen, und ich habe keinen Vermittler, der vielleicht mal sagt, die kann das einfach nicht so gut und angemessen vortragen, bitte haben Sie hier Nachsicht. Vielleicht sollte man das mal dem Medizinpersonal weiterleiten, oder sie sollten diese Seite mal lesen.

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