Was wünscht Ihr Euch von Euren Therapeuten in dieser Krisensituation? (Gastbeitrag)

Quelle: pixabay, User geralt

Gastbeitrag von Janina

Die aktuelle Lage betrifft uns alle und zeigt einmal mehr, dass Menschen eben einfach Menschen sind. Viren und Verordnungen machen vor niemandem halt.

Ich bin Autismustherapeutin und in diesen Tagen bricht es mir oftmals schier das Herz, wenn ich Therapien absagen muss, da sie in der Einrichtung nun nicht mehr stattfinden dürfen.

Die Verzweiflung bei meinen Klienten und deren Familien ist groß! Nun sind schon Kitas und Schulen geschlossen, das normale Leben ohnehin schon völlig auf den Kopf gestellt, dazu die Angst, die allenthalben um sich greift und nun brechen auch noch die Hilfesysteme in Form von Beratung und Therapie weg!

Ich überlege nun, wie ich Hilfen dennoch anbieten kann, gegebenenfalls auch kontaktfrei.
Zur Zeit gehen meine Gedanken in Richtung Telefonate/ Videotelefonie/ Skype/ Youtube, etc.
Allerdings tun sich einige meiner Klienten mit Telefonieren in jeglicher Form sehr schwer und können dieses Angebot zur Zeit noch nicht akzeptieren. Daher bleibt es dann meist eher auf der beratenden Ebene mit den Angehörigen (immerhin!).

Ich würde gern diese Plattform nutzen, die Silke hier so lieb angeboten hat, und einmal nachfragen:

  • Was wünscht ihr euch? Was würde euch in dieser Krisensituation helfen?
  • Welche Ideen habt ihr? Wie könnte Beratung/ Therapie in Zeiten von Viruspandemien stattfinden?
  • Möchtet ihr in solchen Zeiten überhaupt in Kontakt mit angebundenen Therapeuten bleiben oder würdet ihr euch lieber komplett zurückziehen?
  • Was liegt euch auf dem Herzen? Was macht euch gerade die größten Sorgen?

Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele Wünsche, Ideen, Anregungen zusammenkommen, damit ich diese beherzigen, umsetzen und auch an meine Kolleg/innen weitergeben kann.
So gern würde ich die Hilfen aufrecht erhalten! Ein funktionierendes Miteinander ist gerade in schwierigen Zeiten so wichtig!

Bitte bleibt alle so gesund wie möglich!
Janina

Bitte kommentiert direkt hier im Blog, damit auch diejenigen mitlesen und davon profitieren können, die nicht auf Facebook sind. DANKE
Silke

4 comments

  • Dario

    Hallo Janine,

    es ist toll, dass du dir so viele Gedanken gemacht hast, was autistische Menschen und ihre Familien in dieser schweren Zeit brauchen.

    Meine Therapeutin (Freiberuflerin) hat ihre Praxis noch geöffnet, bietet aber auch Videosprechstunden an für Klienten, die wegen der Ansteckungsgefahr nicht mehr in die Praxis kommen möchten. Dieses Angebot ist mir eine große Hilfe und ich überlege, ob ich davon Gebrauch mache.

    Sollte ich eines Tages in Quarantäne müssen, würde meine Therapeutin mich sogar durch tägliche Telefonate begleiten. Auch dieses Angebot bedeutet mir sehr viel. Sie hat sie auch bereit erklärt, im Quarantänefall mit dem Gesundheitsamt zu sprechen und den Amtsärzten meine besondere Situation zu erkläre. Was sie damit konkret erreichen könnte (z.B. Ausnahmeregelungen zum abendlichen Spaziergang), kann sie allerdings nicht einschätzen.

    Wärst du bei deinen Kleienten auch dazu bereit, im Quarantänefall mit dem Gesundheitsamt zu sprechen und z.B. die besondere Belastung zu erklären, die das für in autistisches Kind bedeuten kann? Niemand kann voraussagen, ob die Gesundheitsämter für solche Gespräche offen sind und Zeit dafür haben. Vielleicht kann ein Therapeut trotzdem mehr erreichen als der Betroffene selbst, das wäre zumindest meine Hoffnung.

  • Saskia

    Danke das du dir da Gedanken machst.
    Es reicht vielleicht auch schon das da einfach jemand ist, den man ansprechen könnte.
    Ob persönlich, Telefon oder wie auch immer ist da zweitrangig.
    Es gibt ja gerade in schwierigen Zeiten immer weniger Ansprechpartner die einen wieder etwas erden können.

  • MoFrie

    Hallo,
    ich bin froh zu hören, dass es anderen ähnlich geht!
    Unser Therapeut musste auch die Termine absagen. Aber ein Kontaktangebot über Medien haben wir leider nicht bekommen. Nun hängt nicht nur das gemeinsame Üben von Berufschul-Lernstoff an uns Eltern, sondern auch die Verunsicherung unseres Sohnes, seine Verstörung, seine Verzweiflung. Es ist anstrengend, aber wir werden es schaffen! So wie Vieles andere auch; aber eine telefonische Beratung für Betroffene und Eltern wäre sehr hilfreich.

  • Frank

    Ich bin spätdiagnostizierter Aspie, mache zurzeit noch Therapie und bin froh, dass meine Therapeutin neben Videosprechstunden auch noch anbietet, in die Praxis zu kommen. Dort liegen die Termine so, dass sich die Patienten möglichst nicht begegnen, es gibt Desinfektionsmittel, wir sitzen weite auseinander und ich fahre nicht wie sonst mit der S-Bahn hin, sondern mit dem PKW.

    Wichtig ist mir, dass ich den Ort gut kenne, mich dort wohlfühle und dabei nicht so auf das Gesicht der Therapeutin fixiert bin, wie ich mir das zumindest bei einer Videosprechstunde vorstelle. Außerdem: Ich lebe nicht allein in meiner Wohnung, ich kann die Wohnungsklingel nicht abstellen. Und irgendwie ist es auch ein gutes Gefühl, sich zu einer Therapiestunde, wo ich ja nicht einfach über banale Alltagsthemen smalltalke, so richtig aufmache, Distanz überwinde und auf der Hin- und Rückfahrt Gelegenheit zum Vor- und Nachbereiten habe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.