„Was machst Du da eigentlich mit Deinem Blog?“ – Kleiner Einblick in meinen Schreiballtag mit autistischem Kind :-)

Wie schreiben Autoren und Blogger eigentlich ihre Texte? Unter welchen Umständen, mit welchen Ritualen, mit welchen Tricks und Kniffs?
Das ist das Thema der Blogparade von Eva Laspas, der Leiterin der „Akademie schreiben lernen“ in Wien.

Ich weiß zwar nicht, ob man von meiner Art zu schreiben etwas lernen kann, aber ich erzähle euch und Evas Lesern heute mal, wie das regelmäßige Schreiben mit autistischem Kind bei mir abläuft. Ein kleiner Blick hinter die Kulissen von „Ellas Blog“:

Manchmal erreichen mich Zuschriften, in denen ich gefragt werde, wann ich denn eigentlich die vielen Beiträge schreibe. Oder Leute fragen mich, was ich so mache. Bloggen? Ach so. Und was macht man da eigentlich?

Manchmal weiß ich selbst nicht, wann ich diese oder jene Zeile verfasst habe und nach den zarten Anfängen mit „Ellas Blog“ geht inzwischen kein Weg mehr an einem Plan vorbei – ein Plan, an den ich auch versuche, mich zu halten und meistens klappt das auch, vor allem vormittags, wenn ich weitestgehend ungestört arbeiten kann.

Es sammeln sich viele Ideen an, zu denen ich recherchiere, lese und eigene Gedanken ausformuliere. Dann kommen Zuschriften mit Gastbeiträgen oder Themenvorschläge von Euch, die ich beantworte, dazu recherchiere, mit Euch hin- und herschreibe. Interviewpartner wollen betreut und befragt, Mails beantwortet, am nächsten Buch gearbeitet, Kurse konzipiert und erstellt werden.
Kommentare in den sozialen Netzwerken durchsehen, möglicherweise beantworten, Nachrichten beantworten, bei anderen lesen, Postings teilen usw., Konzepte für die Zukunft erarbeiten, neue Ideen für den Blog umsetzen. An neuen Buchveröffentlichungen arbeiten. Und und und.

Ihr seht, das ist ein echter Fulltime-Job geworden, der aber auch viel Spaß macht – v.a. weil von Euch so viel Feedback zurückkommt – danke dafür :-)

***

Aber wie kann das mit einem autistischen jungen Mann, der Rund-um-Pflege-und-Betreuung braucht klappen?

Wenn Niklas zuhause ist, geht kein Weg daran vorbei, dass die Strecken durchs Haus mit ihm gemeinsam zurückgelegt werden: hoch, runter, an den Kühlschrank, unters Sofa, in die Schubladen (also nur die Nase, weil´s da angeblich so gut stinkt), über den Tisch, auf die Indoor-Schaukel, auf den Drehstuhl, vor dem Heizkörper rutschend (das Wasser da drin klingt nämlich so super!), immer öfter aus eigenem Antrieb aufs Klo (Jipiiieh! Also Niklas meine ich natürlich), naja und so weiter. (Bitte die äußerst professionelle Fotocollage dazu beachten *ironie*)

Solange die Laune dabei gut ist, kann man das alles mitmachen. Solange man ausgeschlafen ist, auch. Aber wehe, wenn diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind, dann kann man das nur aushalten, indem man zwar rennt, aber gedanklich mit etwas befasst ist, das sich in meinem Fall „Kreativität und Schreiben“ nennt.

Immer wieder ertappe ich mich dabei, dass meine Finger auf meinen Oberschenkeln trommeln, weil ich innerlich einen Text tippe. Und meine Gedanken schlagen dann Purzelbäume, bewegen Ideen, Titelzeilen und Neuerungen für den Blog hin und her, während mein Hintern mal wieder vor der Waschmaschine hin und herrutscht (die dreht sich nämlich so herrlich schön, aber das Waschmittel gehört nicht mitten in die Wäsche und auch nach 18 Jahren immer noch nicht in den Mund).

Wenn ich es dann tatsächlich mal zwischendurch an den PC geschafft haben sollte, um eine neue Idee aufzuschreiben (ich werde ja auch nicht jünger und vergesse so viel…), darf ich mich dabei nicht hinsetzen, sonst gibt´s ein Drama (Mama könnte ja auf die Idee kommen, länger da sitzen zu bleiben) und dann kommt nach spätestens 20 Sekunden die Gebärde „ausmachen“ und nach weiteren fünf Sekunden nochmal „ausmachen“ und dann… naja, Ihr könnt es Euch vorstellen.
Ich konzentriere mich dann darauf, dass ich das Geschriebene auch ja abspeichere, bevor es wieder losgeht Richtung Stinkeschubladen.
Eine Leserin gab mir mal den Tipp, Ideen zwischendurch auf Tonband, Handy oder ähnliches aufzunehmen, aber solche Geräte sind schrecklich verpönt bei meinem Sohnemann (könnte ja ein Ton rauskommen) und wenn ich keinen Riesenaufstand riskieren will, bleiben sie schön weggeräumt.

Wenn abends dann hoffentlich irgendwann Ruhe ist, schließt sich noch eine letzte Runde durch die sozialen Netzwerke an: Kommentare auf „Ellas Blog“ frei schalten, hier und da etwas antworten, mich freuen, dass Ihr so viel lest und schreibt, Buchbestellungen versandfertig machen und die Beiträge für den nächsten Tag planen.

So, jetzt wisst Ihr, wie ein Teil meiner Texte geschrieben wird und was eine Bloggerin so macht. Wahrscheinlich sieht das Leben einer Lifestyle- oder Foodbloggerin ganz anders aus – bei mir ist jedenfalls nix mit Extravaganz oder Superfood ;-)

So, dann bin ich mal wieder unterwegs – zur Waschmaschine, um Schlimmeres zu verhindern – ciao :-)

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2 comments

  • Liebe Silke,
    wow, so schön und ausdrucksvoll geschrieben! Ich fühle das Schreiben bei dir als deinen Ausdruck, deine Möglichkeit zwischen den Schubladen-Wanderungen auch mal du selber zu sein.
    Danke dir vielmals für deine berührende Alltagsbeschreibung und dass du uns in deine Familie blicken lässt.
    Ich freue mich sehr, dass du dieses dein „So schreibe ich“ bei meiner Blogparade eingereicht hast!
    Aus Wien
    Alle Liebe
    Eva

  • Alexandra Wilhelm

    Wow, beeindruckend, was du alles rockst… 👍🏼 Du schreibst so lebendig, daß ich mir richtig vorstellen kann, wie ihr durch das Haus tigert 😅
    Mach weiter so, es ist mega interessant, aus deiner Sichtweise Erfahrungen kennenzulernen.
    Liebe Grüße
    Alex

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