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Scribility – kreatives Therapiematerial zum Individualisieren

Vor Kurzem wurde ich auf das kreative Therapiematerial „Scribility“ aufmerksam und schrieb den Ideengeber und Schöpfer des Material mit der Bitte um ein Interview an. Georg Piller war sofort aufgeschlossen und gab mir interessante Antworten und Einblick in seine Arbeit:

 

Lieber Herr Piller, Sie sind Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut in Berlin. Gibt es bestimmte Schwerpunktthemen bei Ihrer Arbeit?

Ich habe in meiner Praxis zwei Schwerpunkte: zum einen begleite ich Kinder und ihre Familien im Rahmen der Jugendhilfe. Die sogenannten KJHG-Psychotherapien sind eine Berliner Institution und werden eingesetzt, wenn es einen besonders hohen Beratungsbedarf beim Umfeld des Kindes gibt.
Als ein zweiter Schwerpunkt hat sich bei mir mit der Zeit die Therapie mit psychisch erkrankten Kindern und Jugendlichen mit Intelligenzminderung entwickelt.

Sie haben das Therapiematerial „Scribility“ entwickelt. Können Sie bitte beschreiben, was „Scribility“ ist?

Das Scribility – Material besteht aus kleinen magnetischen Strichmännchen, die unterschiedliche Gefühle in verschiedenen Ausprägungen und Intensitäten zeigen. Sie funktionieren zunächst einmal wie die bekannten Gefühlskarten.

Scribility, Figuren in schwarz-weiß

©Scribility, Georg Piller

Aber sie können noch mehr: zum einen lassen sich die Figuren zu Situationen, Szenen oder Geschichten zusammensetzen, d.h. die Kinder wählen eine Figur für sich selber aus, aber müssen dann auch entscheiden, wie sich Mama, Papa, Bruder oder Lehrerin verhalten oder gefühlt haben. Dadurch gelangen sie in die Lage, sich auch in die Perspektive der anderen Personen hineinzuversetzen. Da sich die Figuren jederzeit verschieben oder austauschen lassen, können die Klienten auch verschiedene Reaktionen oder alternative Enden durchspielen.

Die zweite Besonderheit des Materials ist, dass sich die Figuren und der Hintergrund bemalen lassen. Die Figuren können also „individualisiert“ werden. Das hat den Vorteil, dass sich der Arbeitsprozess verlangsamt und sich die Gesprächssituation auflockert. Während die Kinder an den Figuren zeichnen – was den allermeisten Spaß macht – hat der Therapeut genügend Zeit, um nebenbei Fragen zu stellen oder das Bild zu kommentieren.

Einige Anwendungsbeispiele können Sie auf unserer Webseite sehen.

 

Wie kamen Sie auf die Idee, „Scribility“ zu entwickeln?

Ich habe die Idee noch während meiner Ausbildung zum Psychotherapeuten bekommen, und zwar, als ich meinen ersten Patienten mit Asperger-Autismus aufgenommen habe. Da habe ich überlegt, wie ich auf spielerische Weise Perspektivübernahme und einen differenzierteren Blick auf eigene und fremde Emotionen üben kann. Weil ich kein entsprechendes Material gefunden habe, bat ich meinen Bruder, der Grafiker ist, mir ein paar Strichmännchen zu zeichnen. Zu Beginn habe ich mit den Kindern die Figuren noch aus Papier ausgeschnitten und mit Prittstift auf Papier geklebt. Als ich merkte, dass man das Material für sehr viele Patienten nutzen kann, habe ich zusammen mit meinem Bruder begonnen, das Produkt weiterzuentwickeln.

Das klingt spannend und sehr kreativ!

Muss man gut malen und zeichnen können, um das Material einsetzen zu können?

Nein. Kleinere Kinder malen manchmal nur die Bäuche der Figuren farbig an; das reicht ja schon, um sie zu unterscheiden. Ansonsten reicht es auch, wenn man mit zwei Strichen einen Zopf, eine Brille oder ein paar Sommersprossen markiert. Tatsächlich ist es oft am schönsten, wenn die Kinder nur ein einzelnes prägnantes Merkmal finden, um eine reale Person zu skizzieren.

 

Setzen Sie das Material in Ihrer Praxis auch mit autistischen Kindern und Jugendlichen ein?

Ich setze das Material bei sehr vielen Kindern und Jugendlichen ein, deshalb natürlich auch bei Patienten mit ASS. Bei stark eingeschränkten Patienten empfiehlt es sich manchmal, die Auswahl der Figuren einzuschränken und erst einmal für jeden Gefühlsbereich nur eine Figur mit einer sehr klaren Ausprägung zur Verfügung zu stellen. Im Verlauf kann man dann weiter differenzieren und z.B. Abstufungen der Gefühlsintensität einbauen.
Außerdem kann man mit den Figuren gut Social Stories entwerfen. Weil sich das Material leicht scannen und kopieren lässt, können Sie die Geschichten Ihren Klienten am Ende der Stunde auch gleich mit nach Hause geben.

 

Wie kann man „Scribility“ im Alltag in den Familien verwenden? Haben Sie einige Praxisbeispiele?

Die meiste Zeit arbeite ich mit dem Material in meiner Praxis. Ich gebe aber manchmal Patienten einzelne Figuren mit nach Hause (bzw. Kopien der Figuren auf Papier), z.B. drei Stufen von Ärger. Mit der Familie spreche ich dann ab, dass in Konfliktsituationen alle ihr Ausmaß an Ärger anzeigen, und bespreche, was jede/r auf welcher Stufe tun kann. Auf der höchsten Stufe ist es vielleicht besser, aus dem Raum zu gehen, während es bei der kleinsten Stufe womöglich reicht, einmal tief durchzuatmen. Die Figuren können daran erinnern und helfen außerdem, ein Feedback zu geben, wie man sich fühlt, auch wenn man gerade nicht in der Stimmung ist, mit den anderen zu reden.

 

„Ellas Blog“ lesen auch ErzieherInnen und PädagogInnen – welche Möglichkeiten gibt es für den Einsatz im Kindergarten und in der Schule?

Das Material wird mittlerweile häufig von Schulsozialarbeiter*innen bestellt. Es eignet sich gut für die Arbeit mit einzelnen Kindern oder mit Kleingruppen – für eine ganze Schulklasse sind die Figuren jedoch zu klein. Im schulischen Rahmen sehe ich vor allem das Thema „soziale Kompetenzen“ als Einsatzfeld. So kann man mit den Figuren z.B. Streitigkeiten und Konflikte nachstellen und schauen, was jeder der Beteiligten zu jedem Zeitpunkt gedacht oder gefühlt hat. Das kann dann auch ein Comic mit mehreren Bildern werden. Wenn man auf diese Weise einen Konflikt rekonstruiert hat, kann man anschließend schauen, wer an welcher Stelle anders handeln könnte.

Scribility, Beispiel

©Scribility, Georg Piller

 

Was macht Ihnen besonders viel Freude bei Ihrer Arbeit?

In der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen macht es mir immer wieder Freude, dass man viel ausprobieren kann und nicht alles so ernst ist. Ich spiele gerne und erfinde zusammen mit den Kindern häufig eigene Spiele und Übungen.

 

Wo kann man sich weiter über „Scribility“ informieren und wo kann man das Material bestellen?
Auf unserer Webseite scribility.de finden Sie eine ausführliche Beschreibung und mehrere Anwendungsbeispiele. Dort können Sie das Material auch bestellen. Für Fragen oder Anmerkungen gibt es dort auch eine Emailadresse und Telefonnummer.

 

Herzlichen Dank für das interessante Interview. Es ist toll, dass Sie aus einer Idee und Kreativität ein wertvolles und ansprechendes Hilfsmittel für Therapie, Familienleben, Kindergarten und ggf. Schule entwckelt haben.
Alles Gute und weiterhin viel Freude bei Ihrer Arbeit!

 

(notwendiger Hinweis: dieser Beitrag enthält Werbung, wurde aber kostenfrei erstellt)

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