Schulbegleitung über das Persönliche Budget – Erfahrungsbericht

Stifte
Quelle: pixabay, User Free-Photos

Kevin (Name geändert) ist sechs Jahre alt und hat die Diagnose „frühkindlicher Autismus“. Seine Schulbegleitung für die erste Klasse beantragten seine Eltern über das Persönliche Budget. Nach einigen Diskussionen wurde das Budget genehmigt und die Eltern stellten die Schulbegleiterin für ihren Sohn selbst an.
In seinem Gastbeitrag schildert Kevins Vater den Weg.


Gastbeitrag:

Unser Sohn ist sechs Jahre alt, frühkindlicher Autist und seit August 2018 in der ersten Klasse einer Grundschule im Nachbarort.
Wir haben bereits sechs Monate vor Schulbeginn mit einer Eingewöhnung begonnen, so dass Kevin die Schule und die Lehrer kennenlernen konnte.

Das Jugendamt hat leider sehr lange gebraucht, um unseren Antrag auf Schulbegleitung zu bearbeiten. An der Schule gab es aber eine Schulbegleiterin für eine ältere körperlich behinderte Schülerin. Sie unterstützte Kevin anfangs mit.
Wir beantragten beim Jugendamt schließlich das Persönliche Budget.
Nach langem hin und her wurde es genehmigt und wir konnten die Schulbegleiterin selbst anstellen.
Sie hat keine Ausbildung in dieser Richtung, aber eine 19-jährige Tochter, die Autistin ist. Dies war ein absoluter Glücksfall. Es läuft deshalb in der Schule sehr gut.

Die Klassenlehrerin ist auch wirklich perfekt für unseren Sohn, sie geht sehr gut auf ihn ein, fördert und fordert ihn, ohne ihn zu überfordern. Er ist überdurchschnittlich intelligent und bekommt deshalb auch immer Zusatzaufgaben, damit er sich nicht langweilt.
Wenn es ihm zu laut oder aus einem anderen Grund zu viel wird, kann Kevin sich jederzeit mit der Schulbegleiterin in einen anderen Raum zurückziehen. Hier rechnet er meistens schwerere Aufgaben und fährt dabei wieder runter

Wir denken, dass das Persönliche Budget für viele interessant sein könnte. Allerdings haben wir erfahren, dass in unserem Landkreis noch niemand vor uns auf diese Idee gekommen ist. Die Schulbegleiter werden von den Trägern häufig unterbezahlt, obwohl das Jugendamt zwischen 20-40,- Euro pro Stunde bezahlt.
Natürlich haben wir durch die Inanspruchnahme des Persönlichen Budgets weitere Kosten (Steuerberater zur Lohnberechnung, Sozialabgaben, Berufsgenossenschaft…). Aber laut Gesetz müssen diese ebenfalls vom Jugendamt übernommen werden.
Wir haben einen Stundensatz von 30,- Euro ausgehandelt. Damit müssen wir alle Kosten decken. Dies rechnet sich aber ganz gut und für den Schulbegleiter bedeutete das in unserem Fall eine Vervierfachung ihres Gehaltes.

Das Gesetz über das persönliche Budget gibt es seit 10 Jahren, aber offensichtlich wissen darüber nur wenige Bescheid.
Wir denken, dass es eine gute Lösung ist, da die Eltern als Arbeitgeber auftreten und damit das Verhältnis zum Schulbegleiter deutlich anders ist.
Wir haben allerdings auch einen wirklichen Engel in dieser Beziehung gefunden.

Man sollte sich nicht verunsichern lassen, dass angeblich kein Anspruch bestünde. Wenn der Bedarf, z.B. für eine Schulbegleitung nach §35a SGB VIII, festgestellt wurde, kann die Leistung auch über das Persönliche Budget beantragt werden.

Kevins Eltern helfen bei Fragen gerne weiter.
Gerne könnt Ihr per Mail Kontakt zu ihnen aufnehmen oder hier im Blog kommentieren, damit auch andere von der Beantwortung Eurer Fragen profitieren können.
Besten Dank für das tolle Angebot an Kevins Familie!

Weitere Informationen über das Persönliche Budget auf Ellas Blog in diesem Beitrag:
Das Persönliche Budget im Bereich Autismus

Erfahrungsberichte zum Persönlichen Budget:
Sehr gerne veröffentliche ich weitere Erfahrungsberichte zum Persönlichen Budget.
Schreib mich gerne an – vielen Dank!


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.