Samyra: „Ein Autismusbegleitung könnte meinem Sohn die nötige Sicherheit geben.“

Liebe Samyra, Du bist Mutter von drei Kindern. Dein jünster Sohn ist fünf Jahre alt und bei ihm besteht der Verdacht auf Autismus. Wie unterscheidet er sich von seinen Geschwistern?

Lenn war schon immer anders. Er hat eigentlich nur reagiert, wenn man gesungen hat, als er ein Baby war….es ging immer weiter. Er hat nie normal vom Tisch mitessen wollen, das erste halbe Jahr nur Frischkäse auf Brot. Er wollte auch nichts anderes probieren. Laufen war recht spät, das Sprechen bekam er mit 3 1/2 zu Weihnachten….man konnte niemals vom roten Faden in userem Tagesablauf abweichen. Stand um 17.35 das Essen nicht auf dem Tisch, lag Lenn schreiend auf der Erde. Irgendwann bekam Lenn Schreianfälle aus unerklärlichen Gründen. Heute geht es, aber wenn etwas Unvorhergesehenes stattfindet oder passiert, sprengt es den ganzen Tag. Eigentlich lässt er den Frust nur Zuhause raus, draußen nur sehr selten.
Er spielt seit fast einem 3/4 Jahr Geige und ist auch sonst extrem schlau, stolpert dafür aber oft über seine eigenen Füße, rutscht auf Laminat aus heiterem Himmel aus und lässt ständig was fallen.

Geht Lenn in den Kindergarten? Und wie klappt es dort?
Ja, Lenn geht seit er drei Jahre alt ist halbtags in den Kindergarten. Es klappt gut, da er seinen Frust und Stress nur Zuhause ablädt. Alle Erzieher lieben ihn, Freunde hat er eigentlich nicht.

Was sind besondere Herausforderungen in Eurem Alltag?
Besonders schwierig ist es, den roten Faden immer beizubehalten und wenn es Lenn mal nicht gut geht, dem Bruder Vorsicht zu raten. Er ist nur 17 Monate älter, 6 3/4 Jahre, und Stänkern oder nur Albern macht viel Spaß. Damit kommt Lenn aber nicht klar und geht ohne Vorankündigung auf ihn los.

Und was macht Deinen Sohn besonders liebenswert?
Besonders liebenswert macht ihn seine Art, wenn er nicht gestresst ist. Er ist dann unfassbar höflich, liebevoll und goldig. Er ist ein Künstler, liebt die Musik.

Du hast mir erzählt, dass Ihr gerne einen Autismus-Begleithund in Eure Familie aufnehmen möchtet. Warum glaubst Du, dass das eine gute Idee für Lenn und Eure Familie ist?
Bis Mitte Oktober hatten wir einen Hund, der länger bei uns war, als Lenn alt ist. Wir alle vermissen diese Hündin sehr und es war klar, es muss irgendwann wieder ein Hund her. Ich wusste nicht, dass es Autismusbegleithunde gibt, stieß irgendwo bei Facebook darauf und hab das Hundezentrum direkt angeschrieben und meine Fragen gestellt.
Sie erzählten mir, was so ein Hund alles kann und fand es super. Der Hund kann Lenn in jeder Lebenslage Sicherheit geben, ob beim Einkaufen, im Straßenverkehr, im Urlaub, in der Nacht. Wenn Lenn 12 Jahre alt ist, könnte er sogar allein Brötchen holen, ohne dass wir vor Sorge umkommen müssten. Und so war klar, wir verbinden das Angenehme mit dem Nützlichen.

Du schreibst einen eigenen Blog – was ist Dein Anliegen, was möchtest Du mit Deinen Beiträgen erreichen?
Ich möchte anderen zeigen, wie toll das Leben mit unserem besonderen Kind ist. Das kann man auf Facebook bei „Das Leben mit unserem geliebten Anderskind“ nachlesen. Außerdem möchte ich zeigen, dass es wichtig ist, als Eltern auf seinen Instinkt zu hören, und nicht nur auf Ärzte.

Was wünschst Du Dir von Deinen MItmenschen?
Meine Mitmenschen hier sind toll. Das liegt vermutlich daran, dass man Lenn den Autismus außer Haus einfach nicht anmerkt.

Was ist Dir sonst noch wichtig zu sagen?
Anders sein ist toll, das sollte die Gesellschaft endlich sehen.

Danke, liebe Samyra, für den Einblick in Euer Leben und alles Gute für Euch.

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