Niklas und sein erstes Praktikum im Erwachsenenbereich der Förderstätte

Drei aufregende Tage liegen hinter Niklas und auch uns, weil er das erste Mal ein Praktikum außerhalb der ihm vertrauten Schule absolvierte.
Gemeinsam mit einem Mitarbeiter aus der Schule und seiner Schulbegleiterin war er für drei Tage zu Gast in einer Förderstätte und wurde dort herzlich willkommen geheißen.

Am Montag früh konnte Niklas es gar nicht erwarten, dass wir endlich losfuhren. Er war aufgeregt, neugierig und freudig erwartungsvoll, was sein Praktikum anging.
Hier wirkte sich positiv aus, dass er die Einrichtung über seine FeD/FuD-Tage schon kennt und somit nicht alles komplett neu für ihn war.

Als ich ihn verabschiedete, war er sooo stolz, man konnte ihm förmlich ansehen, dass er es super findet, nun zu den Großen zu gehören und etwas Neues kennenzulernen.

An allen drei Tagen freute er sich morgens und ich bekam nachmittags einen müden, aber zufriedenen Heldentiger zurück – bis auf den letzten Tag – da war er richtig sauer, dass das Praktikum schon vorüber ist und er am nächsten Tag wieder in die Schule soll.

 

Durch die bisherigen Rückmeldungen und das, was er gebärdete, konnten wir verstehen, dass ihm mehrere Dinge gut gefielen:

Das war zum einen die größere Ruhe in einer Einrichtung, in der keine kleinen Kinder herumwuseln. Niklas hat im Moment große Probleme mit Kindergeschrei und unberechenbaren Bewegungen und Herumgerenne. Da kam ihm der Erwachsenenbereich sehr entgegen.

Dann fand er es toll, etwas Produktives tun zu können. Er gebärdete viel darüber, dass er „arbeitete“, „Pausen machte“, „dann chillen konnte“, und „wieder arbeitete“, usw.

Seine Gebärdensprache wurde sehr interessiert und begeistert aufgenommen. Und das ist der Türoffner schlechthin bei Niklas. Wenn man seiner Art zu kommunizieren, Interesse entgegenbringt, dann ist das schon die halbe Miete (rw). Er genoss es sehr, dass man seine Gebärden lernen wollte und zwei der neuen Mitarbeiter, die er kennenlernen durfte, haben von ihm auch gleich charakteristische Gebärdennamen verpasst bekommen. Ob die zwei schon von ihrem Glück wissen? Die eine Gebärde hat etwas mit einer Frisur, die andere mit Tattoos zu tun :-D

Super für ihn war natürlich auch der luxoriöse Betreuungsschlüssel an den beiden Tagen. Da ihn gleich zwei Personen begleiteten, war ihm höchste Aufmerksamkeit sicher.

Niklas hat schon gefragt, wann das nächste Praktikum sein wird und er möchte es am liebsten gemeinsam mit seinem Freund aus der Schule absolvieren. Mal sehen, ob der Wunsch erfüllt werden kann.

 

Uns machen diese Entwicklungen große Hoffnung und Mut für die Zukunft.

Ich weiß von vielen Eltern, dass es ein großes Thema ist, was nach der Schule kommt. Viele machen sich Sorgen, in etlichen Regionen mangelt es an Möglichkeiten und Alternativen, so dass für einige völlig unklar ist, was nach der Schulzeit passieren wird.

Ich habe das Gefühl, dass Niklas einen tollen ersten Schritt in diese Zeit getan hat und wir freuen uns riesig darüber. Zu wissen, dass er mit offenen Armen empfangen wurde und er dort eine echte Zukunftsperspektive hat, ist ein großes Glück, dessen wir uns sehr bewusst sind.

Nichtsdestotrotz mischt sich natürlich auch ein bisschen Wehmut in die Gefühle.
Als ich ihn am ersten Tag ablieferte und nach Hause fuhr, hatte ich einen dicken Kloß im Hals und dachte darüber nach, dass er jetzt schon so groß ist. Automatisch kommen Erinnerungen an die Kindergartenzeit, viele Kämpfe, prägende Meilensteine, die vielen Menschen, die wir kennenlernen durften, positive Entwicklungen, generell die Schulzeit und vieles mehr hoch.

Wenn es dann in gut einem Jahr wirklich soweit ist, dass er die Schule verlassen wird, wird das für uns alle ein emotionaler Schritt sein. Aber wie es im Moment aussieht, kann es ein sehr guter Schritt für Niklas werden, auf den er sich selbst schon freut – und das ist das Allerwichtigste.

***

Zum Weiterlesen:

Wenn der Weg in die Förderstätte führt

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.