Niklas nach den Herbstferien: „Das war sehr gechillt.“

Heute ist der erste Tag nach den Herbstferien.

Ferien – ein Wort, das mit vielen verschiedenen Gefühlen besetzt ist. Klar ist es mal schön, weniger bis keine Termine zu haben und einfach in den Tag hinein zu leben. Aber gleichzeitig bedeutet es bei uns auch, rund um die Uhr für Niklas da zu sein, weil er sich sonst selbst gefährdet und sich nicht alleine beschäftigt. Und das führt dazu, dass wir nach Ferien eigentlich immer urlaubsreif sind. Denn: Ausschlafen – Fehlanzeige. Gemütlich am Tisch sitzen – Fehlanzeige.

Nicht so dieses Mal. „Das war sehr gechillt“, gebärdete Niklas und das kann ich nur bestätigen.
Obwohl ich in diesen Ferien die Hälfte der Zeit krank war, bin ich irgendwie erholt. Es ist so ungewohnt, das auszusprechen – jetzt in Niklas` letztem Schuljahr.
Ja, es war eine gute Woche, in der wir anfangs einigen Besuch hatten und die Zeit, in der ich im Bett liegen musste, nahm Niklas so toll Rücksicht. Meine beiden Männer (der „richtige“ und der Heldentiger :-)) umsorgten mich ganz wunderbar.

 

Ich überlege gerade, woran es liegt, dass es in den Ferien einfacher geworden ist.
Wahrscheinlich liegt es an verschiedenen Dingen.
Zum einen ist Niklas etwas ruhiger geworden. Er hat Strategien entwickelt, um sich zu beruhigen und obwohl auch in dieser Woche wieder einiges zuhause kaputt gegangen ist, war es ruhiger als sonst.
Zum anderen gehe ich mit einer anderen Erwartungshaltung in die Ferien. Früher dachte ich häufig darüber nach, was ich wegen der intensiven Betreuungszeit alles nicht machen kann, dass nicht mal eine halbe Stunde für mich blieb, usw. – Heute weiß ich vorher, dass alles hinten anstehen muss, ich stelle mich darauf ein, dass ich nichts anderes „schaffen“ werde und damit bin ich automatisch entspannter. Ich habe mich damit abgefunden und in gewisser Weise sogar angefreundet, weil es auch Vorteile hat, alles andere hinten anstellen zu müssen.
Und ein dritter Faktor ist sicherlich auch, dass ich mich daran gewöhnt habe. Es ist nun mal so, es war schon viele Jahre so und es ist nichts Neues mehr, diese intensive Zeit mit allen Höhen und Tiefen gemeinsam zu meistern. Inzwischen bin ich dankbar, wenn wir die Zeit ohne Unfälle und Krankheiten von Niklas verleben dürfen, wenn keine Krisen ins Haus stehen und wenn uns liebe Menschen besuchen kommen.
Es sind die Kleinigkeiten, die das Leben so lebenswert machen. Und es sind die Menschen, die aufmerksam, wertschätzend und ehrlich mit uns umgehen. Menschen, mit denen man lachen und weinen, sich streiten und wieder vertragen, philosophieren und Blödsinn machen kann – ja, das alles kann man auch mit Niklas. Sein cleverer Humor ist einfach unschlagbar.

Vielleicht machen Euch diese Zeilen ein wenig Mut, wenn Ihr in einer Phase seid, in der Ferien einem die letzte Kraft nehmen. Ich weiß, wie das ist. Aber es verändert sich immer wieder, traut Euren Kindern viel zu, sie tragen so viel Potential in sich.

Natürlich kann es sich auch wieder andersherum entwickeln, dessen bin ich mir bewusst. Aber das zu schätzen, was IST, das ist etwas, was ich mit Niklas in den letzten Jahren lernen durfte.
In diesem Sinne geht es nach meiner kleinen Herbstpause hier weiter, seid herzlich gegrüßt,

Silke alias Ella

 

One comment

  • Stefanie

    Das freut mich, dass sich das so bei euch entwickelt hat… und es ist eine Tendenz, die ich ähnlich bei meiner Tochter und ihren autistischen Zwillingen beobachten kann… sie kennen das inzwischen. Tochter nimmt mittlerweile einfach an was kommt und reagiert darauf. Sie hat weitestgehend angenommen, dass man nichts ‚wegplanen‘ kann und kommt damit in den Ferien viel besser klar. Und das ist mit zwei autistischen Grundschulkindern und einem Kleinkind einfach nur schön.. und mutmachend.

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