Nicht vergessen: Immer schön Eure Übungen machen :-D

Wenn Du ein Kind hast, das rund um die Uhr versorgt und auch gepflegt werden muss, weißt Du, von was ich hier schreibe: es geht irgendwann tierisch auf den Rücken. Auch Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten, wissen davon ein Lied zu singen (rw).
Niklas hat Pflegegrad fünf und braucht in allen Lebenssituationen Hilfe und Unterstützung. Und da mir regelmäßig Wirbel rausspringen oder meine Ischias herumjault, habe ich seit einiger Zeit eine Langzeitverordnung für Physiotherapie.

Wie es dazu kam, erzählt Euch die folgende kleine Geschichte:

Nachdem mein Arzt eine entsprechende Verordnung ausgestellt hatte, reichte ich sie im April eines schönen Jahres bei der Krankenkasse ein. Ganz entgegen meiner Tugenden übte ich mich anschließend vorbildlich in Geduld, fragte dann im Juli aber doch mal telefonisch nach, was denn aus meinem Antrag geworden sei:

Die Dame am Telefon meinte: Gym1„Ja, das müssen wir dann mal an den Medizinischen Dienst weitergeben.
Machen Sie doch inzwischen immer morgens Ihre Übungen. Das ist wichtig.“

„Wie bitte? Welche Übungen denn? Und warum ist das Rezept nicht längst beim Medizinischen Dienst?“

„Wir haben so viel zu tun, da dauert das etwas. Aber da Sie jetzt angerufen haben, gebe ich es gleich weiter. Machen Sie inzwischen Ihre Übungen, damit Sie die Bewegungsabläufe üben, die Ihr Physiotherapeut Ihnen gezeigt hat.“

Gym3„Sagen Sie mal, welche Übungen denn? Es geht hier um eine chronische Belastung aufgrund der Pflegesituation eines Teenagers mit Pflegestufe drei. Was steht denn da in Ihren Unterlagen?“

„Ach so, ja das steht hier nicht. Aber machen Sie trotzdem Ihre Übungen. Das ist wichtig, wissen Sie? Ich habe zwar kein behindertes Kind, aber Übungen sind immer gut.“

„Sagen Sie mal – reden Sie mit allen so? Das ist ja unglaublich!“

„Jaja, das sage ich allen. Das ist wichtig, Frau B., das können Sie mir glauben. Auch wenn ich kein behindertes Kind habe,…“

„Ich möchte gern, dass Sie mir einen konkreten Ansprechpartner für mein Anliegen nennen. Ich möchte da jetzt täglich nachhaken.“

„Das kann ich leider nicht. Konkrete Ansprechpartner wurden von der Geschäftsleitung abgeschafft. Das wollen die so, damit wir hier in Ruhe arbeiten können.“

„Aha – alles klar – deswegen liegen Anträge auch drei Monate lang herum bis mal jemand anruft.“

„Ich kann Ihnen nur noch einmal versichern, dass wir uns jetzt sofort darum kümmern. Gym2Und machen Sie Ihre…“

„… meine Übungen. Ich weiß. Ich rufe wieder an. Schönen Tag noch.“

Nein, es war nicht der kleine Nils von Antenne Bayern, es war tatsächlich eine Dame meiner Krankenkasse. Unglaublich!

***

Die Angelegenheit löste sich dann nach weiteren zwei ähnlichen Anrufen in Wohlgefallen auf und ich bekam meine Langzeitverordnung.

Was ich Euch eigentlich sagen möchte: wenn Ihr physiotherapeutische Behandlung braucht, um der Pflegesituation auf Dauer gewachsen zu sein, lasst Euch nicht zu schnell abspeisen (rw). Es lohnt sich, dafür zu kämpfen.
Seit ich meine wöchentlichen Einheiten habe, geht es mir viel besser und Fehlstellungen bzw. Verspannungen können sich gar nicht erst soweit manifestieren, dass ich als Pflegeperson dann wegen starker Schmerzen ausfallen würde. Ich hoffe sehr, dass das so stabil bleibt und bin meiner Physiotherapeutin unendlich dankbar dafür, dass und wie sie das Woche für Woche immer wieder hinbekommt.

Bleibt dran und beantragt die Hilfe, die Ihr braucht.

Aber nicht vergessen: Immer schön Eure Übungen machen. :-)Frösche

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