Momente: Immer wenn es scheppert…

Ein paar Gedanken einiger Momente in diesen Tagen:

Wer schon länger „Ellas Blog“ verfolgt oder mein Buch gelesen hat, weiß, dass Niklas vor zwei Jahren in den Weihnachtsferien einen Unfall hatte – nachzulesen, wer möchte, im Beitrag Friede, Freude, Notaufnahme oder in meinem Buch.

Niklas hatte damals unglaubliches Glück. Aber ich sehe ihn immer noch, wenn ich an den Tag zurückdenke, blutend inmitten der Glasscherben liegen. Wenn bei uns zuhause etwas zu Bruch geht oder er mit Anlauf gegen eine Tür rennt oder stärker gegen eine Fensterscheibe klopft, habe ich Angst, dass sie zerbricht und er sich schlimmer verletzt.

Vor etwa drei Wochen passierte es wieder und es hat einen guten Grund, dass ich erst jetzt darüber schreibe, denn ich musste das erst ein wenig verarbeiten.
Es war bei Weitem nicht so schlimm wie damals und es wurde zum Glück auch niemand verletzt. Aber es schepperte ganz schön als Niklas mit voller Wucht gegen eine Terrassentür trat. Eine der beiden Scheiben ging zu Bruch – sonst passierte nichts.
Keine Kratzer, keine Schnittwunde, nichts.

In der Situation funktionierte ich mal wieder, andere Anwesende beruhigen, Niklas bändigen, der sehr aufgeregt war, den Schreiner anrufen, Scherben wegräumen… das macht man dann alles, ohne groß darüber nachzudenken.
Aber wenn Ruhe einkehrt – dann kommen sie wieder die Gedanken an Vergangenes und das Kopfkino beginnt: Was hätte noch alles passieren können? Wo wären wir dann? Wie würde es Niklas dann gehen?

Auch Niklas gebärdet – zwei Jahre später – immer noch von seinem damaligen Unfall. Andere Verletzungen wie ein Armbruch vor ein paar Jahren oder auch die Weisheitszahn-OP vor einem Jahr sind keine großen Themen. Der Unfall an Weihnachten 2015 schon. Es war wohl für uns beide ein sehr einschneidendes (im wahrsten Sinne des Wortes) Erlebnis.

Mir wird wieder mal bewusst, wie sehr man doch die ganze Zeit funktioniert, bei Unfällen, Verletzungen, in Krisenzeiten, im Alltag – und wie sehr einen diese Dinge einholen und prägen, obwohl man dachte, dass sie Geschichte sind.

 

***

Zum Weiterlesen:

Autismus und Gefahrenbewusstsein

Friede, Freude, Notaufnahme

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2 comments

  • Sandra

    Unsere 10jährige Aspergerin hat neben dem fehlenden Gefahrenbewußtseinund der Wahrnehmungsproblematik auch noch kein Schmerzempfinden. Sie merkt es schlicht nicht, wenn sie sich den Arm bricht, eine Platzwunde hat, eine Mittelohrentzündung, die Hand mal wieder auf der heißen Ofenplatte war…… Auf Blut ist sie mitlerweile gut „trainiert“, da sagt sie bescheid.
    Wie oft haben wir in der Notaufnahme, beim Arzt gestanden und gehört : das Kind ist völlig in Ordnung, sie hat nichts und sind nach nervenaufreibenden Diskussionen und oftmals selbst bezahlten Zusatzuntersuchungen dann mit Gips, Verbänden nach Haus gegangen oder sogar auf der Intensivstation gelandet. Selbst bei gebrochener Nase mit Schädel-Hirn-Trauma ( der Sprung von der Mauer in der Schule ) zeigt sie keinerlei Schmerz, dafür aber höchstes Interesse an den tollen, vielen medizinischen Apparaten.
    Wir sind ständig auf der hut, passen auf, denken voraus, achten auf alles und zucken zusammen sobald das Telefon klingelt, wenn sie in der Schule ist…..

    • Silke

      Ohja, das kann ich gut verstehen, dass Ihr da ständig unter Anspannung steht. Ich wünsche Euch sehr, dass nichts Schlimmeres passieren möge. Alles Gute ♥

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