Momente: „Ihr Kind ist nicht das einzige mit einer Macke!“

Lea ist mit ihrem Sohn Max bei einer Ärztin.
Wieder mal soll eine neue Diagnostik angestoßen werden, um den Autismus zu bestätigen.
So wie schon vor sieben Jahren und vor vier Jahren und vor zwei Jahren.
Es könnte ja sein, dass der Autismus plötzlich verschwunden ist…. (*ironie).

Die erneute Diagnostik wurde vom Jugendamt gefordert, sonst gibt´s keinen weiteren Schulbegleiter. Also sind Lea und Max wieder in der Mühle… in der anstrengenden, zermürbenden und oft entwürdigenden Mühle (rw).

„Was meinen Sie denn, wie lange es dauert, bis Sie die Diagnose bestätigen können?“, fragt Lea vorsichtig.
„Ihr Kind ist nicht das einzige mit einer Macke! Ich habe viel zu tun“, die Antwort der Ärztin.

EthikFast hätte es Lea die Sprache verschlagen, wie so oft, wenn etwas Unglaubliches passiert und einem erst abends im Bett die passenden Worte einfallen. Aber nicht heute.
„Und Sie sind nicht die einzige Ärztin auf dieser Welt, der man die Approbation entziehen sollte. Können Sie das mit ihrem ärztlichen Ethos vereinbaren, Menschen so abwertend zu behandeln?“

Lea schnappt sich ihren Sohn und verlässt die Praxis – ohne zu wissen, wohin sie sich jetzt zur Diagnostik wenden soll. Aber das ist ihr im Moment egal.

(nach einer erzählten Begebenheit, Namen geändert)

2 comments

  • Das kam mir gleich bekannt vor, wenn auch in einem anderen Zusamnenhang. Gerne wird das auch von Lehrern angemerkt: Ihr Kind ist nicht das Einzige mit Verhaltensauffälligkeiten! Wir können nicht auf alle Kinder gleichermaßen eingehen! (Auch wenn diese Aussage je nach Klassenzusamnensetzung eine gewisse Existenzberechtigung hat: Lehrer müssen sich ja heutzutage wirklich oft besonderen Herausforderungen stellen), so beschleicht mich bei diesen Äußerungen immer ein ungutes Gefühl, was deren soziale Kompetenz anbelangt. Man kann Dinge auch sagen, ohne den Eltern/Mutter/Vater zu Gefühl zu geben, man würde Ihnen gerade einen unsittlichen Antrag machen….

  • Alex

    Richtig gehandelt. Ich höre das, für mich, selbst ständig. Und erst jetzt wehre ich mich dagegen. Also schön zu hören, dass sowas nicht einfach still hingenommen wird. Man hat das Gefühl um Verständnis betteln zu müssen, um Akzeptanz und Toleranz, aber da sind wir meilenweit davon entfernt. Die sogenannte Norm ist das zu erreichende Ziel. Jeder redet von Akzeptanz und sozialer Kompetenz etc., aber wenige setzen sie (oder sich) im Alltag auch ein. Empathie hört wahrscheinlich für neuro- typische Menschen in Bezug auf Menschen im Autismus Spektrum u.o. sonstigem abweichenden Varianten z.B. komplett auf, oder versagt…Clever :(

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