Momente: bei einer Hochzeit

Vorgestern war Niklas mit uns bei einer Hochzeit – seine Cousine heiratete. Wir hatten im Vorfeld einen Betreuer organisiert, der uns unterstützte.

Der Plan war, dass Niklas am Nachmittag bei der Feier dabei sein würde und wir abends das Fest gemeinsam mit seiner Schwester alleine besuchen würden.

Wie erwartet, war es sehr schwierig für ihn: fremde Umgebung, viele Menschen, Geräusche ohne Ende, dann auch noch eine Kettensäge in nächster Nähe und viele Fotoapparate, deren Blitzlichter er ganz schrecklich findet.

HerzCampeNiklas war zwei Mal für kurze Zeit mit dabei und was er da tat, war einfach nur großartig. Beim ersten Mal gratulierte er dem Bräutigam, umarmte ihn sogar. Beim zweiten Mal, umarmte er die Braut und gab ihr ein Bussi. Er nahm für diese beiden Aktionen all seine Selbstbeherrschung und Kraft zusammen und ließ es sich nicht nehmen, den beiden zu zeigen, wie gern er sie hat.
Danach waren seine Möglichkeiten, ein solches Fest zu ertragen, verständlicherweise ausgeschöpft und er zog sich in seinen sicheren Hafen, das Wohnmobil auf dem Parkplatz, zurück.

Später gebärdete er, dass die Braut ein sehr schönes Kleid anhatte, aber dass sein neues Hemd, das er extra für die Hochzeit bekommen hatte, auch sehr schön ist. ♥

 

4 comments

  • Dagmar

    Toll!!! Was für ein aufmerksamer und besonderer Hochzeitsgast!!!! Ihr könnt so stolz auf ihn und euch sein!!!! Danke für deine tollen Berichte!!!! Sie füllen mein Herz und inspirieren mich immer wieder!!!!

  • Romy

    Ach wie schön, das lässt mich doch hoffen, da wir im September selber heiraten und für Leo sicher auch dies eine große Herausforderung wird. Aber ich denke wir haben ihn schon ganz gut vorbereitet, beziehen ihn bei vielem mit ein und hoffen deshalb auf Verständnis bei allen Beteiligten, wenn es mal nicht so läuft wie auf anderen Hochzeiten.

    Wir sind eben eine sehr spezielle Familie.

  • Romy Buchmann

    Hier übrigens mal ein kleiner Bericht über die bereits stattgefundene Hochzeit im September 2018. Gut ich beginne mal so. Wir hatten am Freitag, den 14.9. die standesamtliche bei der meine schwerkranke Mama Gott sei Dank noch dabei sein konnte und die freie Trauung am 15.9. mit mehr Gästen als einen Tag zuvor. Ich beginne mal mit dem 14. Leo hat an diesem Tag schulfrei bekommen, was für Ihn natürlich definitv etwas schönes darstellt. Denn der Schulalltag ist für ihn immer wieder eine Herausforderung. Also an dem besagten Morgen musste ich mich um meine gerade 5 Wochen alte Tochter kümmern, meinen autistischen Sohn vorbereiten auf seine Rolle als Ringträger und ebenso wollte ich ja auch noch als Braut glänzen. Wir hatten zur Unterstützung meine langjährige Freundin Katja im Haus, welche Leo ja auch schon seit seiner Geburt kennt und die um seine Besonderheiten weiß. Ebenso wurde meine Friseurin in unsere Wohnung bestellt, zu der Leo auch regelmäßig mal mehr mal weniger gerne Haare schneiden geht. Viele Wochen vorher haben wir bereits mit Leo jede Einzelheit, die wir für ihn für wichtig erachtet haben besprochen. Er sollte uns die Ringe bringen und dafür natürlich auch dementsprechend festlich gekleidet sein. Leider mag es Leo nicht so sehr hübsch auszusehen. Denn er meint das wäre unnatürlich. Es käme doch im Leben nicht darauf an schön auszusehen. Womit er ja grundsätzlich auch richtig liegt, aber an manchen Tagen spielt das Aussehen eben doch eine übergeordnete Rolle. Wir hatten also für diesen Tag extra neue Schuhe, eine neue Hose und ein neues Hemd, was wir sogar extra an den Ärmeln haben kürzen lassen (in Absprache mit Leo, denn er hasst langärmelige Hemden), besorgt. Leider war Leo an dem Morgen erst einmal überhaupt nicht bereit die für ihn rausgelegten Sachen anzuziehen und meinte dann in seinen alten kunterbunten Sachen hingehen zu wollen. Wir haben das Ganze erst einmal gekonnt ignoriert und ihn gelassen und als dann mein Vater, also Leos Opa kam, da konnten wir Leo mit seiner Hilfe dazu bewegen sich umzuziehen. Auch wenn das Hemd nicht in die Hose gesteckt werden durfte und auch die Ärmel des Jacketts natürlich hochgekrempelt werden mussten. Nun gut aber dann konnte endlich zum Standesamt gefahren werden wo mein zukünftiger Ehemann bereits voller Spannung auf uns wartete. Danch sind wir ja noch in ein Restaurant essen gegangen. Welches wir Leo natürlich auch vorher nochmal gezeigt hatten und die definitiv Eis und Pommes hatten. Wir waren an diesem Tag nur eine kleine Hochzeitsgesellschaft. Nämlich 10 Personen uns eingeschlossen. Leo hat uns zur Trauung auch mit einem Knicks die Ringe überreicht und hinterher ganz gerührt gratuliert. Unterschreiben musste er auch noch, da er ja den Namen meines Mannes mit angenommen hat. Als dann dieser Tag beendet war kam ja noch der viel spannendere Teil. Denn zur freien Trauung wurden knapp 40 Gäste, darunter aber auch mehrere Kinder erwartet. Die Uhrzeit der Trauung war ganz genau identisch zum Tag davor nämlich um 10:30 Uhr. Das hatte den Vorteil, das wir den Tagesablauf nicht allzu durcheinander gebracht haben. Leo sollte uns diesmal auch wieder die Ringe bringen und da er ja die Aufgabe bereits einen Tag zuvor super gemeistert hatte waren wir überzeugt, das es diesmal besser laufen würde und auch die Sachen vom Tag zuvor kannte er ja bereits, so das es an diesem Morgen etwas flotter und ohne Diskussion mit dem Ankleiden funktionierte. Ganz zu meiner Freude denn diesmal hatte ich ein etwas pompöseres Brautkleid. Ebenso war wieder meine Trauzeugin dabei, die diesmal sogar bei uns nächtigte und die Friseurin kam auch wieder zur gleichen Zeit am Morgen zu uns nach Hause. Wieder hat mein Papa dann meine Sohn und unsere Tochter abgeholt. Welche dann zum Trau- und Feierort gefahren sind. Leo wurde ja auch in den Hochzeitsvorbereitungen, sei es bei der Anzahl der Gäste und auch beim Essen und dem Unterhaltungsprogramm stark mit einbezogen. Ebenso kannte er den Ort sehr sehr gut. Eine Freilichtbühne bei der ich tätig bin und wo er selber auch schon mehrfach auf der Bühne stand. Den Großteil der Gäste kannte er und bei den Kindern waren es alles „Freunde“ von ihm. Ebenso durfte er sich auch sein Lieblingslied beim DJ aussuchen, auch wenn es ein sehr seltsames Lied für eine Hochzeit war. Aber da hatte er richtig Spaß bei. („Scheiß in die Disco“ von der Band Kraftklub) Wir hatten auch für alle Gäste einen Button wo drauf stand wer er ist, so das dies schonmal auch für Leo eine optische Hilfe darstellte. Eine Eisenbahnfahrt mit der Parkeisenbahn hatten wir als Programm auch bereits mehrmals mit ihm unternommen. Das Gelände in dem wir gefeiert haben ist ihm sehr vertraut und sehr weitläufig, aber auch umzäunt, so das wir ihn immer in Sicherheit wähnen konnten. Von seinem Lieblingseisstand haben wir auch Eis kommen lassen und waren im Vorfeld auch nochmal da und haben nach den Eissorten gefragt. Wir hatten auch in einem kleinen Nebengebäude ein Bett hingestellt, so das Leo falls es ihm zuviel wäre sich dahin zurückziehen konnte. Dem war aber gar nicht so. Leo hatte an diesem Tag viel Spaß und wir auch. Es war eine sehr entspannte, wenn auch manchmal etwas andere Hochzeit. Ach ja und bei der Trauung haben wir sogar noch eine Sandzeremonie abgehalten. Das hatten wir im Vorfeld über eine Kinderspielset mehrfach geübt und das hat Leo sehr viel Spaß gemacht und da haben wir sogar immer eine Erinnerung in Form von Erd-(Sand-)Schichten, die Leo ganz spannend findet. Ich war sehr sehr stolz auf Leo das er so ein toller Ringträger war und wir ein ganz entspanntes Hochzeitspaar mit einem frisch gebackenen Baby und einem 9jährigen Autisten, der die Welt immer wieder auf eine ganz besondere Art betrachtet. Ein Hochzeitslegoset gab es auch für ihn als Geschenk, worüber er sich sehr aber auch sehr draufgefreut hat. Denn er wusste bereits im Vorfeld das er dies erhalten wir. Denn er hasst Überraschungen! Alles in allem muss ich sagen war ich sehr sehr aufgeregt mit meinem jetzigen Mann, was wohl alles schiefgehen könnte an dem Tag, aber der Tag war fast schon zu perfekt und Leo konnte zum Glück ein Teil sein und war immer mittendrin im Geschehen. Was mich total glücklich gemacht hat dies an dem Tag zu sehen. Am 15.9.2019 war ich keine Mama eines Autisten, sondern einfach nur Braut. Das war einfach nur toll!
    Leider hatten wir am 8.2. eine Veranstaltung bei der ich wieder mit großem Herzklopfen und Spannung im Vorfeld in Bezug auf Leo dabei war und auch für mich selber. Denn da wurde meine Mama, sprich Leos Oma beerdigt. Die beiden hatten immer einen besonderen Draht zueinander und deshalb war es mir für Leo aber auch für Leos Opa so wichtig das er da dabei sein konnte. Aber auch das hat Leo wieder einzigartig gemeistert. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

    Danke das es Dich gibt Leo!

    Und danke an Silke für Ihren Blog, wo man immer viel mitnimmt und auch immer auf offene Leser trifft.

    Viele Grüße

    Romy

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