Mit einer neuen Strategie durch die Silvesternacht

Im letzten Newsletter hatte ich schon angedeutet, dass wir das letzte Silvester nicht wie in den vorherigen Jahren auf der Gefriertruhe verbrachten, sondern unser Sohnemann uns eine neue Strategie präsentierte.

Vorab: es war nicht alles eitel Sonnenschein und gut.
Die Belastung durch das unvermittelte Geknalle blieb wie sonst. Vor allem die Nachmittage und frühen Abendstunden sind unglaublich schwierig für Niklas und, wie mir erzählt wurde, auch für viele andere Autistinnen und Autisten.

Den meisten Menschen ist sicherlich nicht bewusst, was sie mit ihren Knallern um 16 oder 19 oder 22 Uhr anrichten, wenn man seinem autistischen Kind erklärt hat, dass es um Mitternacht ein Feuerwerk geben wird und dann alles wieder vorbei ist. Die Panik, die auftritt, wenn doch schon vorher unvermittelte Böller loskrachen – ja, das können sich viele nicht vorstellen, außer diejenigen, die ganz unabhängig vom Thema Autismus ebenfalls Ängste mit diesen Geräuschen verbinden oder Haustiere haben.

So war es auch dieses Mal wieder so, dass diese nachmittäglichen und frühen Abendstunden sehr schwierig waren. Niklas tigerte rastlos durchs Haus, schwitzte, wurde jedes Mal weiß im Gesicht, wenn wieder ein Böller losging. Wir versuchten ruhig zu bleiben, ich hatte ehrlicherweise Mühe, meinen Groll gegen die Menschen da draußen im Zaum zu halten.
So wollte Niklas eine Runde Auto fahren, was ihn etwas beruhigte, und sich sonst lieber im Keller aufhalten.

Irgendwann wurde es aber besser und er schlief gegen 21 Uhr ein. Das ist eine altbewährte Strategie von ihm: ich gehe schlafen und wenn ich aufwache, ist alles vorbei. Klappt manchmal – aber nicht immer – und an Silvester natürlich nicht sehr Erfolg versprechend.
Aber immerhin, er schlief erstmal ein….

… und ich präparierte die Gefriertruhe, denn in den letzten Jahren waren wir um Mitternacht immer dorthin ausgewichen. Der fensterlose Raum bietet den besten Schutz gegen den Krach draußen und so verbrachten wir dort immer ein oder sogar zwei Stunden bis der Spuk vorbei war.
Damit wir nicht nur auf gefrorenen Leckereien sitzen würden, legte ich ein paar Snacks in die Regale rundum, so dass wir es ein bisschen gemütlicher haben würden.

Mitternacht.
Niklas wurde natürlich wach und wir rechneten mit der energischen Gebärde: runter in den Keller auf die Gefriertruhe.
Aber weit gefehlt. Er guckte etwas müde aus seinen Augen, gebärdete “Feuerwerk” und “laut”, nahm mich an der Hand und dann sollte ich mich mit in sein Bett setzen. Dort blieben wir und er amüsierte sich.

Niklas` Papa und ich konnten es nicht wirklich glauben, dass unser Heldentiger im Bett saß und von lauten Elefantenpupsen, an die ihn die Böller erinnern, gebärdete und lachte. Keine Panik, nichts mehr von dem, was ihm am Nachmittag so zu schaffen machte.

Quelle: pixabay, User GDJ, vielen Dank!

Seine neue Strategie, wenn man so will: es mit Humor nehmen.
Das passt auch ganz toll zu ihm, weil Niklas oft witzig ist und ob er es sich nun bewusst vorgenommen hatte oder es einfach so aus ihm herauskam: er suchte das Lustige, das Witzige und kam auf diese Weise viel besser mit der Situation zurecht.

Gegen 3 Uhr schlief er wieder ein. Die Snacks neben der Gefriertruhe waren unberührt geblieben. Und wir hatten wieder mal dazu gelernt.

Ganz unabhängig von Silvester hat Niklas einfach total Recht: manches wird einfacher, wenn man versucht, es mit einer Prise Humor zu nehmen.

Zum Weiterlesen:

Silvester auf der Gefriertruhe

Einrichten eines Rückzugsbereichs (muss ja nicht die Gefriertruhe sein ;-))

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