Leserbrief von Yvonne: Warum es Raum 10 und der Mann in blau sein muss :-)

Liebe Silke,

Ich schreibe dir, weil wir gestern einen großen Schreck erlebt haben mit unserem Krümel und weil ich anderen Mamas (und Omas, Papas, Opas usw) Mut machen möchte, auch im Notfall stark für das Kind zu sein.

Der Spatz war gestern Abend im Schlafzimmer mit dem Papa und kletterte auf die Fensterbank. Er sagte er müsse nachschauen, ob auch keine Katzen miauen und keine Vögel zwitschern, weil ihn das aufwecken würde, wenn er dann schlafen geht.

Er wollte dann auch hinunter klettern und rutschte ab und schlug sich den Hinterkopf an der Steinfensterbank auf. Der Papa rief sofort nach mir und als ich ins Zimmer kam, war schon alles voller Blut und ein weinendes kleines Unglück stand auf dem Bett.
Die Versuche, das Blut mit Zellstoff abzudrücken und auch der Kühlversuch scheiterten, da unser Krümel gerade am Kopf super sensibel ist. Und er fand unsere Idee, in ein Krankenhaus zu fahren, natürlich mega doof.

Trotzdem machten wir uns auf den Weg und waren eine halbe Stunde später in der Notfallchirurgie angekommen. Die Schwestern waren sehr lieb und verständnisvoll – aber auch etwas hilflos, weil sich der Spatz so gar nicht untersuchen ließ, nicht einmal auf die Liege durften wir uns mit ihm auf dem Arm setzen.
Dann kam der Arzt und sagte, das wären ja nur zwei Stiche nach dem Rasieren und da müssten wir jetzt durch.
Ich fragte erst freundlich, ob es die Möglichkeit eines Beruhigungsmedikaments gäbe. Die ChirurgieDaten meines Sohnes wären ja im Netzwerk der Klinik abrufbar und auch das Medikament, auf das er paradox reagiert, ist dort hinterlegt (mir fiel der Name bei dem Schreck nicht ein).
Dies lehnte der Chirurg ab und ich bat dann etwas deutlicher und eingehender um die Rücksprache mit einem Anästhesisten (und kam mir dabei schon etwas übersensibel vor – aber es ging um meinen Schatz und darum, dass zwei Stiche am Kopf uns die nächsten Wochen zur Katastrophe machen könnten).

Wir mussten wieder warten und dann kam der Mann in blau. Ein Retter und Segen zugleich, der sofort jedes Verständnis für den Krümel hatte (weil er eine Tochter mit Autismus hat) und vorschlug, dass Linus ein Mittel zur Beruhigung bekam.
Dieses schmeckte offensichtlich sehr übel und der Krümel würgte. Aber es zeigte Wirkung und so konnte die Platzwunde zwar unter Tränen und auf meinem Schoß – jedoch innerhalb weniger Minuten versorgt werden. Die Haare darf der Spatz nun ein paar Tage nicht waschen – das ist schon fast ein Glück für ihn.

Nach der Beobachtungszeit, wurden wir auch wieder entlassen und die Schwestern und der Anästhesist in blauAnästhesist bedankten sich bei uns für unser Verständnis. Das fand ich dann schon fast seltsam, waren wir ja froh, dass die Besonderheiten unseres Kindes dann doch ernst genommen wurden.
Der Krümel ist auch zum Glück nicht nachtragend und sagte allen ganz süß „Tschüss“ und bemerkte noch, dass er beim nächsten Mal bitte Raum 10 hätte und der weiße Mann kann im Raum 2 bleiben, der blaue Mann darf mit in die 10.

Auch wenn es sich manchmal komisch anfühlt, so auf Alternativen und andere Wege für seine Kinder zu bestehen, es lohnt sich, wenn am Ende eine Lösung gefunden wird, die solche unvorhersehbaren Momente leichter tragen lassen.
Alles Liebe

Yvonne

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Liebe Yvonne, danke für diesen Gastbeitrag, bestimmt macht das anderen Eltern Mut!
Und ich plädiere auch unbedingt für Raum 10 und den Mann in blau! :-)

Alles Liebe, Silke alias Ella ♥

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Yvonne hat auch diesen Gastbeitrag geschrieben:

Warum das Essen mit den Fingern eigentlich ganz schlau ist

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In der Bibliothek hier auf Ellas Blog findet Ihr Checklisten für Arztbesuche – einmal für Eltern und Bezugsperson und auch für Arztpraxen.

 

 

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