Kolumne: „Mein Ziel ist die Aufklärung über das gesamte Autismus-Spektrum.“

Als mich Silke fragte, ob ich zum Weltautismus-Tag etwas schreiben könne, überlegte ich zunächst, ob ich über meine Zeit als Vorstandsmitglied bei autismus Deutschland e.V. und autismus Mittelfranken e.V. schreiben sollte und was ich bislang erreicht habe.

Aber – wer will das lesen und überhaupt, kommt es nicht auf etwas ganz anderes an?
Mein Ziel ist die Aufklärung über das gesamte Autismusspektrum, aber der Weg dahin begann nicht erst in dem Moment, als ich in den Verein eintrat.

kurvige StraßeEr begann lange bevor ich überhaupt wusste, dass ich selbst Autistin bin.

Er begann, als ich meinen Sohn erstmalig im Autismus-Kompetenzzentrum in Mittelfranken vorstellte – als einen der ersten Klienten. Glücklicherweise war mir damals noch nicht bewusst, wieviel Energie ich brauchen würde und zwar nicht, nur um meinen Sohn bis ins Erwachsenenleben hinein zu begleiten, nein…für die vielen Kämpfe.

Lange Zeit war ich auf die Hilfe vom AKM (Autismus-Kompetenzzentrum Mittelfranken) angewiesen und bin auch heute noch für jede Hilfestellung dankbar. Die Damen und Herren unterstützten mich bei Anträgen, bei jeder Diagnoseanzweiflung, beim Finden neuer Schulbegleiter, bei zig Hilfeplangesprächen und immer wieder redeten sie mir gut zu – denn mehr als einmal war ich am Verzweifeln: wenn mein Sohn mal wieder die Schule wechseln sollte, wenn mich Eltern beschimpften, wenn mein Sohn wieder mal schlimm gemobbt wurde, wenn die Diagnose in Frage gestellt wurde…die Liste ist ellenlang.

Irgendwann kam als weitere Hilfe-Stelle der MSDA (Mobiler Sonderpädagogische Dienst für Autisten) hinzu. Auch diese Dame leistete für uns wertvolle Unterstützungsarbeit.

Nach und nach kehrte mehr Ruhe ein, auch wenn ich weiß, dass die Kämpfe weitergehen werden – wahrscheinlich dann, wenn ich einen Studienbegleiter für meinen Sohn beantrage…oder die Betreuung vor Ämtern verlängert werden muss…oder der Pflegegrad in Frage gestellt wird… oder es eine Überprüfung vom Schwerbehindertenausweis gibt.

Zwischenzeitlich gab es dann auch für mich 2012 die Diagnose „Asperger Autismus“, mit 37 Jahren und dadurch öffnete sich für mich eine ganz „neue Welt“.
Ich trat mit anderen Autisten in Kontakt und auch mit Silke, die mich davon überzeugte, dass ich wertvolle Arbeit im Verein autismus Mittelfranken e.V. leisten könne. Nie werde ich vergessen, wie mich ein Vorstandsmitglied dort zunächst sprachlos anstarrte und dann herausbrachte. „Du kannst ja sprechen !?!“ Mittlerweile gibt es da überhaupt keine Berührungsängste mehr. Ich bin selbstverständlich mittendrin.

Derweil stehe ich also schon um die 11 Jahre mit dem AKM im Kontakt und das sind wertvolle Kontakte, die ich jetzt für meine Arbeit nutzen kann. Mit der Dame vom MSDA fahren mein Sohn und ich inzwischen jährlich nach Dillingen, um Schulpsychologen aufzuklären.

Sehr wertvoll ist für mich die Kommunikation mit vielen anderen Autisten aus dem gesamten Spektrum. Dadurch habe ich unglaublich viel gelernt und auch über mich selbst erfahren. Ich danke euch!

Sehr wichtig ist mir auch die Zusammenarbeit mit den Eltern, die nach meinem Gefühl auch immer offener werden und die Tipps von uns erwachsenen Autisten annehmen können. Neurotypische Eltern können dann Dinge durchboxen (rw), wenn wir Autisten an unsere Grenzen kommen.

Letztendlich habe ich auch immer mehr Fachleute getroffen, die mittlerweile zum Teil auf uns Autisten zukommen, was ich sehr begrüße.

zwei Menschen Schattenbild auf StraßeWenn ich nochmal auf mein Ziel zurückkomme – die Aufklärung über Autismus – dann sehe ich, wie ich den Weg begonnen habe: alleine, mit meinem Sohn an der Hand.

Mit der Zeit kamen immer mehr Menschen hinzu und inzwischen ist es eine große Gruppe, die sich gemeinsam auf den Weg gemacht hat. Es werden immer mehr Stimmen und ich bin mir sicher, dass sie irgendwann nicht mehr überhört werden.

***

Die Kolumne für „Ellas Blog“ schreibt:

BirkeBirke Opitz-Kittel
Studentin Bachelor of Laws
in Ausbildung zur Psychologischen Beraterin
ehrenamtlich im Vorstand von autismus Deutschland e.V.

ehrenamtlich im Vorstand von autismus Mittelfranken e.V.
Mutter von fünf Kindern, ein Asperger-Autist
selbst Asperger-Autistin

Birkes Facebookseite

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