Interview mit Dr. Dina Beneken – Lerntherapeutin

Dina arbeitet als Lerntherapeutin in eigener Praxis. Im Interview erzählt sie mir darüber, dass auch ihr Sohn besondere Unterstützung beim Lernen braucht und wie sich dies auf ihren Beruf auswirkt.

Liebe Dina, als promovierte Chemikerin und erfahrene IT-lerin in der Automobilbranche bist Du nicht gerade den linearen Weg hin zur Lerntherapeutin gegangen. Wie kam es schließlich dazu?

Ich habe meine drei Kinder immer schon beim Lernen unterstützt. Mein Sohn brauchte schließlich besondere Hilfe und wurde von mir zeitweise zuhause unterrichtet, weil er nicht die volle Stundenzahl in die Regelschule gehen konnte. Dieser Selbstunterricht führte dann dazu, dass ich mich immer stärker mit dem Thema Lernen und Lernförderung beschäftigte.

©Dina Beneken

Mir wurde insbesondere klar, wie sehr Eltern in dieser Situation auf sich alleine gestellt sind, weil es keine konkreten Hilfen zum Lernen mit dem Kind gibt.
In der Zeit kündigte ich meinen vorherigen Job und bildete mich zur integrativen Lerntherapeutin weiter. Zusatzqualifikationen habe ich u.a. zu den Themen Dyskalkulie und Legasthenie erworben.
Inzwischen arbeite ich in einer eigenen Praxis mit Räumlichkeiten bei mir vor Ort und biete einige Leistungen auch online an

Wem bietest Du Deine Hilfe an? Wer kann mit Dir arbeiten?

Meine Zielgruppe sind vor allem Eltern, die ihren Kindern zuhause Lernstoff vermitteln müssen bzw. wollen. Ich helfe bei der Analyse des aktuellen Lernstands, erstelle Trainings- oder Förderpläne und unterstütze bei ganz konkreten Fragen zum Schulstoff. Das ist wichtig, damit die Kinder nicht mit unpassenden Übungen unnötig belastet werden. So kann man die Übungszeit auf ein Minimum begrenzen und dabei das Beste herausholen.

Einige Eltern kommen auch mit Fragestellung zu mir wie: soll ich mein Kind auf eine bestimmte Diagnose hin testen lassen? Ist der Lernstand meines Kindes noch im Rahmen oder sollte ich unterstützen? Und wenn ja, wie kann ich das tun?
Ich versuche, den Familien bei der Beantwortung dieser Fragen Orientierung zu geben.

Arbeitest Du dabei mit bestimmten Methoden?

Ja, wichtig ist bei meiner Arbeit, dem Lernstoff und der Lernumgebung Struktur zu geben. Durch mein Kind und inzwischen einige andere habe ich einen großen Fundus an alternativen „Lernvermittlungstaktiken“ aufgebaut. Vieles läuft mittels Spielen, die ich den Kindern dann auch mal mit nach Hause gebe. Ich habe unterschiedlichste Materialangebote wie beispielsweise Montessori, TEACCH und die Sandwanne. Die Kinder arbeiten viel am Boden oder an der Wand (dem Whiteboard :) ). Auch die sogenannten „modernen Medien“ setze ich nach Bedarf ein.

Außerdem arbeite ich viel mit Visualisierungen. Das Verbildlichen von Inhalten hilft den meisten Kindern beim Lernen.
Gerne biete ich meinen Klienten auch Methoden der Unterstützten Kommunikation an, arbeite mit strukturierten Mappen oder auch mit Metacom.
Über meinen Sohn bin ich auf Marte Meo gestoßen und bin begeistert von den Möglichkeiten, die diese Methode bietet.

Mehr über Marte Meo erfährtst Du IN DIESEM BEITRAG auf Ellas Blog.

Wie prägt der Werdegang Deines Sohnes Deines Arbeit?

Ich habe eine gehörige Portion Gelassenheit lernen dürfen. Nicht jede Auffälligkeit ist ein Drama und muss thematisiert werden. Im Prinzip ist es mir egal, mit welchem Päckchen die Kinder zu mir kommen – mein Fokus liegt auf der pragmatischen Lösung. Was braucht dieses Kind? Was die Eltern? Ich habe gelernt, dass viele Wege nach Rom führen und es immer auf die Menschen ankommt, mit denen man zusammenarbeitet.
Ich weiß, wie Eltern sich fühlen, wenn sie zwischen allen Stühlen sitzen: der Schule, anderen Eltern, dem System – das ist nicht immer einfach.  

Andererseits habe ich genau dadurch sehr viel über mich und auch meine Umwelt lernen dürfen. Mein Blickwinkel hat sich geändert, ist weiter geworden und offener. Auf der anderen Seite auch fokussierter. Meiner Arbeit kommt sicher zugute, dass ich aus eigener Erfahrung weiß, dass es normal ist, sich unterschiedlich zu entwickeln.

Inwiefern helfen Dir diese Erfahrungen bei Deiner Arbeit?

Zum einen bin ich relaxter geworden und rege mich nicht mehr so schnell auf. Am meisten hilft mir, dass ich gelernt habe, den Fokus richtig zu setzen. Wenn ich mit einem Kind ein Spiel zum 1*1 spiele und es mogelt, damit es öfter würfeln kann (und damit mehr rechnet), weiß ich, ich lasse es mogeln. Denn das Ziel ist in dem Fall nicht, Regelkonform zu spielen, sondern viele Wiederholungen beim Rechnen zu haben. Das mache ich nicht kaputt, indem ich auf Regeln beharre. Ich habe gelernt unter die Oberfläche zu schauen und die Wurzel des Problems so gut wie möglich zu suchen, um darauf aufbauend zu arbeiten. Und natürlich mein Fundus an Materialien aus den verschiedensten Bereichen – ich habe wirklich vieles mit meinem Sohn ausprobiert und das ist jetzt alles in die Praxis gewandert.

Zum anderen kenne ich die Sorgen der anderen Eltern gut und weiß trotz der großen Unterschiede in den Problematiken, dass man Leid und Sorgen nicht gegeneinander aufwiegen kann.
Ich kann den Eltern aus eigener Erfahrung sagen, welche Maßnahmen sie ergreifen können, was ein Nachteilsausgleich bedeutet, wie man einen sonderpädagogischen Förderbedarf feststellt und worauf man bei einer Schulbegleitung achten muss. Und dass es ok ist, das alles einfach auch mal richtig blöd zu finden, dass es eben nicht so läuft wie man sich das mal gewünscht hat.

Wie findet man Dich und wie kann man mit Dir zusammenarbeiten?

Meine Praxis ist in Brunnthal, die genaue Anschrift kann man auf meiner Website sehen: Integrative Lerntherapie Dr. Dina Beneken

Gerne kann man mich anschreiben oder auch meine Online-Angebote in Anspruch nehmen. Schaut Euch gerne auf meiner Seite um.

Liebe Dina, vielen Dank für Deine Erfahrungen und viel Erfolg Dir und Deinen großen und kleinen Klienten bei Eurer gemeinsamen Arbeit.
Alles Gute für Deine Familie!

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.