im Wartezimmer

Ich wurde neulich von einer anderen Mutter angesprochen: „Du hast doch mal vor einiger Zeit so einen Text über einen Besuch beim Arzt veröffentlicht…… sowas ist mir neulich auch passiert.“

Das kennen sicher Viele, diesen Spießroutenlauf und das Beglotztwerden in Arztpraxen. Jemand sagte mir mal vor einigen Jahren, dass mir noch ein dickeres Fell wachsen würde, aber leider kann ich das an mir bis heute nicht feststellen. Dieses dicke Fell wurde für mich bisher nicht geschneidert, dafür hat sich eine augenfunkelnde Wölfin zu mir gesellt und eine kleine Füchsin, die mir etwas von ihrem Überzeugungs- und Organisationstalent abgibt :-) .

Die erwähnte Mutter, die mich angesprochen hatte, weinte als sie mir von ihrem Besuch beim Orthopäden berichtete. Denn es gibt eben immer wieder diese Besuche… und diese Blicke und diese Kommentare und dieses „sich nackt und beglotzt auf einer Bühne fühlen“:

 

im Wartezimmer

So viele
Lichter
Geräusche
und Menschen!

Ich halte deine Hand
schütze deine Augen
deine Ohren schmerzen
hast dein Gesicht an meinem Herzen.

So viele
Stühle-Rücker
Sich-Vorbeuger
Rüber-Gaffer!

Du schaust dich um
wedelst mit den Händen
kreischt in hohen Tönen
willst den Besuch hier beenden.

„Mama,
warum macht der Junge das?
Ist der behindert?“
„Komm her
das geht uns nichts an.“

Sensibel und begreifend
beglotzt und verkannt
zur Stummheit verbannt.

„Früher hätte es sowas
nicht gegeben!
Das Kind hat
überhaupt kein Benehmen!“

In diesen Momenten
gehen alle Lichter aus
ich will mit dir
einfach nur noch nach Haus
dich schützen
vor Verletzungen
wissendem Nicken
verbalen Übergriffen
und bohrenden Blicken.

Da kommt der Arzt
und bittet dich herein.
Du lächelst ihn an
mein kleiner Sonnenschein

winkst in die Runde
glücklich sie zu verlassen
bist nicht nachtragend
aber ich, mein Schatz
ich muss sie hassen.

 

***

Zum Weiterlesen:

Anregungen und Tipps für Arztbesuche mit autistischen Kindern

 

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4 comments

  • Petra Gloger

    Ja da kann ich auch ein Lied von singen.Arztbesuche sind immer für mich und meinen Sohn der 31 Jahre alt ist eine große Herausforderung. Unsere Hausärztin weiß ja Bescheid und gibt so Termine das wir nicht lange warten müssen. Bei anderen Ärzten rufen wir an und fragen ob es voll ist.So hat er dann die Chance sich dann wenigstens ein ruhiges Plätzchen zu suchen. Nimmt sich seinen Stuhl und setzt sich dann dort hin wo es passt. Was natürlich nicht immer auf Verständnis stößt.

  • Sandra Hiller

    So ergeht es uns immer beim Handball, wenn unser Kleiner dann einen Anfall nach dem nächsten bekommt. Ich bin stolz, wenn er irgendwie eine Stunde schafft und dann so stolz auf sich selber ist, seine Augen glänzen, aber von den anderen Müttern bekommt man nur mit, das diese kopfschüttelnd und flüsternd über einen und das Kind herziehen, dabei tut er sein bestes! In der Turnhalle hallt es, alle Kinder laufen durcheinander, das Getrappel der vielen Füße und das der Bälle auf dem Boden. Ständig eine neue Situation, auf die man sich rasch einstellen muss, die sich durch den ständigen Ballwechsel ergibt. Eine Höchstleistung die er da vollbringt!
    Man will aber auch nicht jede Mutter darüber aufklären, das Kind stigmatisieren, das es für ihn eine riesige Herausforderung darstellt dieses zu leisten.

  • Ulla

    Sowas kenne ich auch, manchmal (eher selten) ist jemand echt interessiert und stellt Fragen (was ich wirklich gut finde), mehrheitlich gibt es unverholen neugierige, negativ verständnislose, sogar angewiderte oder auch mitleidige Blicke. Als mein Sohn noch klein war, war es noch nicht so arg, aber je älter er wurde um so deutlicher wurden die negativen Reaktionen. Nein, ein dickes Fell habe ich auch nicht mehr, es ist mit den Jahren eher dünner geworden … wohl verschlissen, verbraucht, abgerieben. Bei Terminvereinbarungen frage ich immer nach einer möglichst kurzen Wartezeit, worauf fast alle Sprechstundenhilfen erst mal etwas angenervt antworten „könne man nicht versprechen“. Ich erkläre dann, dass mein Sohn als frühkindlicher Autist solche Situationen schlecht aushalten kann, es durchaus gut laufen könne, aber häufig doch in lautes Schreien etc. umschlägt … dann bekommen wir in den meisten Fällen einen Termin sehr früh (den ersten des Tages ohne Warterei) oder Mittags wenn wenig los ist oder spät wenn die anderen „schon durch sind“. Manchmal dürfen wir auch in einem eher ruhigen Behandlungsraum warten. Warten mit vielen anderen Personen empfinde ich wirklich oft als Spießrutenlauf, bin dann total angespannt und in immer „Alarmbereitschaft“ nötigenfalls eine kleinere oder größere Eskalation zu verhindern. Mein Sohn ist, in der eh schon nicht alltags-entsprechenden Situation, von den vielen Menschen, Geräuschen und der Unruhe überfordert, da nützt keine Training oder Erziehen, da hilft möglichst vermeiden am besten.

  • Julia Salbert

    Hallo ihr lieben,ich hab mir das gut durchgelesen und ich kenne solche Situationen nur zu gut.Bei uns war es leider nicht nur in Wartezimmern so ,auch auf Spielplätzen und in der Stadt.Sie haben ihre Kinder von meinem Sohn weg gezogen,doof geschaut,blöde Kommentare von sich gegeben als er mit seinen Armen wedelte.Mir selbst hat es jedes mal das Herz heraus gerissen.Eunfach bitter so etwas miterleben zu müssen.Wieso fragt denn niemand mal oder spricht klar Text??Ich selbst hab mir da ein dickes Fell angeschafft mit der Zeit,denn irgendwie sind gerade die Menschen die sich so Benehmen irgendwo selbst „krank.Es hört sich zwar komisch an,aber da mein Sohn von Geburt an so war kennt man das nicht anders und gerade das hat mich extrem gestärkt.Auch wenn mein Sohn jetzt bereits 20 Jahre ist passieren immer noch hin und wieder diese Situationen. Heute gehen wir nur selbstbewusster damit um.Ich hab ihm beigebracht das es völlig okay ist mit den Armen zu flattern wenn er das Bedürfnis verspürt.Ganz zum Gegensatz was die Therapeutin meinte :“…es ist mit dem älter werden schwieriger für das Umfeld das flattern zu apzeptieren..“Er solle dann doch lieber in die Hände klatschen,anstatt zu „flattern“.Aber wie bescheuert ist das denn??Es war alles viel schlimmer als vorher als wir das ausprobierten.Es gehört einfach zu ihm und er braucht das.Punkt.So sehe ich das.Mittlerweile geht er sehr gut damit um und es stärkt sein Selbstbewusstsein .Das ist richtig und gut so.
    Ich wünsche euch ein dickes Fell in Zukunft und letzten Endes zählt euer Kind und nicht was all die anderen sagen.

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