Heimgekehrt – wie Niklas seine Schwester nach acht Monaten begrüßte

Wer den Blog regelmäßig liest, weiß, dass Niklas‘ Schwester für acht Monate im Ausland war. Das war für uns alle nicht leicht und auch Niklas merkte spätestens nach ein paar Wochen, dass es dieses Mal länger dauern würde, bis er seine geliebte „Manna“ (Verbalsprache für seine Schwester) wiedersehen wird.

In der zweiten Zeithälfte gebärdete er verstärkt und wiederholt, dass „studieren“ und „Afrika“ „doof“ sind und dass sie endlich „kommen soll“. So sehr ich meine Tochter ebenso vermisste, so sehr musste ich auch lächeln, wenn Niklas sich in dieser Art äußerte – zeigte es doch, welch schöne Beziehung und Bindung er zu ihr hat.

Auch auf der Karte schauten wir uns immer wieder an, wo sie überall war: die meiste Zeit in Südafrika und am Schluss noch in Tansania, aber auch noch in einigen anderen Ländern. Mit dem Zeigefinger auf der Landkarte konnten wir das nur sehr bedingt sichtbar machen.

Letzte Woche war es dann endlich soweit. „Manna“ landete am Freitag Abend in Nürnberg.
Niklas‘  Papa und ich holten sie dort ab, Niklas blieb zuhause mit einem Betreuer. Das fand er ganz schön doof, aber wir hatten vorher ausgiebig besprochen, dass am Flughafen viele Leute sind, es laut ist und er die paar Minuten länger auch noch schaffen wird. So waren wir uns einig, dass er zuhause warten würde, aber ein bisschen blöd fand er es verständlicherweise doch.

Zuhause angekommen merkte man Niklas dann deutlich an, dass er gar nicht fassen konnte, dass seine Schwester wieder da ist. Wohin mit den Gefühlen? Ist es wirklich wahr? Fährt sie gleich wieder weg?
Nach dem ersten zaghaften „Hallo“ brauchte er ein bisschen Zeit. Das hatten wir schon vermutet und daher sonst erstmal niemanden eingeladen. Als der Betreuer weg war und die ersten Besucher, die unerwartet vorbei gekommen waren, auch wieder aus der Haustür raus waren, kam er seiner Schwester näher und zeigte ganz deutlich seine Freude.
Er hüpfte und lachte und freute sich total über das afrikanische Shirt, das sie ihm mitgebracht hat. Es war so schön, die beiden wieder zusammen zu sehen, zu erleben, dass die acht Monate der Beziehung überhaupt nicht geschadet hatten und jetzt beim Schreiben kullern mir schon wieder die Tränen, weil ich so glücklich bin, meine beiden Kinder wieder um mich zu haben.

Für Niklas ist es eine enorme Leistung gewesen, seine Gefühle zu sortieren – und zwar während der gesamten Zeit.
Das monatelange Warten, das immer wieder vertröstet werden, das zwischenzeitliche skypen, das ihm alles abverlangte, weil er einerseits seine Schwester sehen wollte und andererseits elektronische Geräte ganz schrecklich fürchtet.
Zwischendurch verbrachten wir ganze Nachmittage im Zimmer seiner Schwester, um ihr gefühlt näher zu sein und ich musste pausenlos die Frage beantworten, wie lange es denn noch dauert. Dafür brachte er mir mehrmals eine Uhr, so als könnte ich ihm die Stunden nennen, aber es waren ja Wochen und Monate. Das hat mir manchmal fast das Herz zerrissen.
Und dann das Warten am Ankunftstag. Der Moment, an dem er mit ihr alleine war und realisierte, dass sie wirklich angekommen war und seine Freude so schön zeigen konnte.

Abends gebärdetet er, dass wir jetzt „nochmal Weihnachten feiern“ sollten, weil „Manna“ wieder da ist :-D

Glücklicher könnte ich gerade nicht sein :-)

 

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One comment

  • Simone

    Hallo Ella,
    dein Beitrag geht mir richtig unter die Haut. beim lesen merkte ich, wie meine Augen feucht wurden. Ich wünsche euch alles Gute.
    Simone

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