Gastbeitrag: Autismus und Schlaf – unsere Erfahrung mit Melatonin

Gastbeitrag von Tanja:

„Teks?“, fragt die sanfte Stimme.

Ich versuche, meine Augen zu öffnen.
Schaue auf die Uhr. 3:10 Uhr morgens.
„Teks?“ fragt mich mein 2-Jähriger Sohn. Zeigt mir den leeren Teller und wartet geduldig auf meine Antwort.
Aha. Diese Strategie ging also nicht auf.

Ich hatte den Rat einer Mutter befolgt und meinem Kind abends ein paar Kekse auf den Teller gelegt. So wird er morgens beschäftigt sein und dich schlafen lassen, so die Ratgeberin.
Unser Sohn stand nun mitten in der Nacht auf, und wollte Kekse. Jede Nacht.
Also alles auf Anfang. Ich stand wieder mitten in der Nacht auf und hoffte auf ein Zeichen der Müdigkeit beim Kind.

Besser wurde es, als unser Sohn mit ca. 3 Jahren die Zahlen für sich entdeckte.
Es machte ihm großen Spaß, wenn bestimmte Ereignisse zu der gleichen Uhrzeit stattfanden.
Abends sagte ich nun zum Kind: „Es ist Zeit zum Schlafen.“ Er guckte auf die Zahl beim PC und freute sich. Es war die gleiche wie gestern.
Das sollte ich nutzen, dachte ich. Nur wie?!

In der Küche hatten wir eine digitale Uhr. Mit leuchtend roten Zahlen. Unser Sohn schien diese Uhr besonders zu mögen. Diese kam ins Kinderzimmer.

Wenn er morgens um 4 mich weckte, sagte ich: „Du musst zurück ins Bett.“
„Wie lange noch?“, wollte mein Sohn wissen. Wie erklärt man einem 3 jährigen Kind, wie lange etwas dauert?

Ich malte unserem Sohn „7:00“ auf ein Blatt Papier. Dieses Papier stellte ich direkt neben die Uhr.
Wenn die Uhr nun 7:00 zeigte, durfte er aus dem Bettchen. Und tatsächlich schlief er nochmal ein, wenn er mal wieder um 3h aufstand und die Uhr beobachtete.

Eine Sache fiel mir dabei auf, ich durfte das Wort „Uhr“ nicht benutzen. Sagte ich z.B. 7 Uhr, drehte sich mein Kind um und ging von mir weg. Dieses Wort mochte er nicht und konnte es nicht verstehen.
Also begannen mein Mann und ich, ohne je etwas von Asperger-Autismus gehört zu haben, dieses Wort zu meiden. Wir sagten nur noch „Sieben Null Null“, wenn wir 7:00 Uhr meinten.

Unser Sohn (heute 13, Asperger-Autist) hat schon immer wenig geschlafen.Manchmal läuft er nachts durch das Haus und macht Lärm. Meistens liest er aber in seinem Zimmer.
Besonders als die Situation in der Schule unerträglich wurde, hatte er massive Schlafprobleme.

Da entdeckte ich den Artikel auf Ellasblog.de „Schlaf, Kindlein, schlaf – Autismus und Melatonin“ und beschloss, die Gabe von Melatonin auszuprobieren. An mir selbst und an meinem Sohn.
Wir hatten die 1 mg-Lutschtabletten, die wir abends einnahmen.
Das Ergebnis: Wir beide konnten sehr gut einschlafen. Viel besser als vor Melatonin.
Allerdings änderte sich nichts an der Dauer des Schlafs. Das wird ja in dem Artikel auf Ellasblog.de genauso beschrieben.

Nach 3 Monaten hatten wir das Experiment beendet.

Fazit:
In ruhigeren Zeiten war die Gabe von Melatonin sehr erfolgreich.
In stressigen Zeiten half diese kleine Dosis nicht. Eine höhere hatten wir nicht ausprobiert.
Ich bin zuversichtlich, dass es immer Wege geben wird, um aus einer Situation zu lernen.
Seit wir die Schule gewechselt haben, sind die Einschlafprobleme fast verschwunden.
Aber das ist ein ganz anderes Thema…

Alles Liebe
Eure Tanja

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Ganz lieben Dank, Tanja, für den Einblick in Eure Erfahrungen.

Wenn Ihr mehr von Tanja lesen möchtet, besucht doch mal ihren Authenta-Blog!

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3 comments

  • Freia Zang

    Wir benutzen auch Melatonin (2,5 mg), da mein Sohn (13 Jahre, Aspi) große Probleme mit dem Einschlafen hat, besonders wenn der Schultag sehr aufregend war.
    Es verlängert nicht die Schlaf Dauer, aber es hilft ihm enorm, runter zu fahren

  • Stephanie Bengsch

    Mein Sohn (4,5) bekommt seit 2 Jahren Circadin (Melatonin auf Rezept) 4mg. Es hilft ihm enorm beim Ein- aber auch beim Durchschlafen. Die Tabletten sollte er eigentlich schlucken; da er dies von Anfang an nicht macht/kann, kommt die Müdigkeit (Wirkung) sehr schnell!
    Am Anfang wusste ich manchmal gar nicht, was ich mit der vielen, freien Zeit am Abend anfangen soll (er schlief teilweise schon um 18.30 Uhr), doch mittlerweile weiß ich diese entspannte (Entschuldigung dafür), kindfreie Zeit zu schätzen ;-).

  • Brigitte Gamerdinger

    Mein Sohn bekommt seit 2012 auch Circadin (Melatonin auf Rezept). Am Anfang waren es 4mg, mittlerweile reichen 2mg. Vor der Gabe von Circadin war er 2-3 mal in der Woche nachts wach und ist auch nicht mehr ei geschlafen. Jetzt sind es nur 1-2 I. Monat. Uns hat es sehr viel geholfen und vielleicht benötigt er es irgendwann nicht mehr……

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