Frühlingsfahrt

Im Radio werden euphorisch wärmere Temperaturen für das Wochenende verkündet. Alle freuen sich, die Stimmung hebt sich, ich bin zwiegespalten.

Wärmere Temperaturen – das bedeutet mehr Sonne, Helligkeit, Vogelgezwitscher, viele Stimmen in den Gärten und auf den Straßen. Für uns bedeutet es in dieser Übergangszeit vor allem Geschrei, Getrampel, die Flucht ins Haus oder ins Auto, um bei monotonem Motorengeräusch und gleichmäßigem Vibrieren durch die Landschaft zu fahren. Es bedeutet auch, wieder mehr Anteil am Leben anderer zu nehmen, da die Menschen um einen herum sichtbarer sind, aus ihren Häusern kommen  und sich ein Teil ihres Leben außerhalb der eigenen vier Wände abspielt. Umgekehrt bedeutet es, dass auch unser Leben sich öffentlicher abspielt, zumindest in den Phasen, in denen wir Haus und Auto verlassen können.

Ich bevorzuge wie Niklas den Herbst, liebe die warmen Farben der dritten Jahreszeit und mag es, wenn die Natur sich schlafen legt, es ruhiger wird und der Regen um die Häuser peitscht.

Frühlingsfahrt

Aber jetzt ist Frühling und wir sind mal wieder auf den Straßen unterwegs, rollen mit Musik durch die Landschaft, fahren an Familien auf Fahrrädern vorbei und an Eisdielen, in denen die ersten kalten Kugeln des Jahres geschlabbert werden. Wir fahren. Vorbei an kleinen Straßen, in denen Kinder Fußball spielen und schaukeln. Wir fahren. Vorbei an Cafés mit Eltern, die Cappuccino trinken und Kindern, die auf der Gaststättenrutsche lachen. Wir fahren und fahren und fahren.
Und wir hören Musik. „Your heart my love is blue“ tönt es aus dem Radio und ich verstehe nicht wirklich, was gemeint ist. „Niklas, im Radio singt der Mann, dass das Herz seiner Freundin blau ist, verstehst Du das?“ Er sieht mich kurz an.
Wir passieren einen Spielplatz, auf dem zwei Kinder, ein Mädchen und ein Junge, mit Eimer und Schaufel im Sand spielen. Niklas wendet seinen Blick erst von den beiden ab, als wir um die nächste Kurve gefahren sind.
Zuhause schreibt er auf einer Buchstabentafel: Manches blau ist warm und ewig, Mama.

Es war eine schöne Frühlingsfahrt.

Merken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.