Erfahrungsbericht von Paulina (Mama eines autistischen Sohnes): „Bei uns hat sich viel verändert.“

Paulina kommt ursprünglich aus Polen und hatte bereits im August 2019 über die ersten Jahre mit ihrem Sohn Kacper in einem Gastbeitrag berichtet. Heute lässt sie uns an einer kleinen Fortsetzung teilhaben.
Vielen Dank dafür, liebe Paulina.

Gastbeitrag von Paulina

Bei uns hat sich viel verändert.
Vor allem hat Kacper gelernt, an der Hand zu laufen, wenn ich mit ihm zu Fuß gehe. Das ist in den Sommerferien passiert, wo wir zusammen bei meiner Schwiegermutter waren. Damals sind Kacper, meine Schwiegermutter und ich viel spazieren gegangen. Sie hielt Kacper an einer Seite an seiner Hand und ich an der anderen. Kacper schien sich besser und begrenzter zu fühlen und vor allem sicherer. Sowas gefiel meinem Sohn sehr.
Er hat aufgehört zu schreien und bringt viel Lächeln in unsere Leben.

Er kann schon viel mehr Zeit an einem Platz aushalten. An seinem Schultütenfest saß er mit mir zusammen und lief nicht weg. Genauso war es während  seiner Einschulung.
In der Kita hat er viel gelernt, was er zur Zeit auch in der Schule nutzt. Er ist auf der Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung. Diese Schule arbeitet viel mit Unterstützter Kommunikation, wie Gebärden, METACOM-System usw.

Genaue und strukturierte Abläufe helfen Kacper den Schulalltag jeden Tag zu bewältigen.
Er hat sich gut in seiner Schule eingelebt: er weiß, wo sein Platz ist, kann ausdauernd an seinem Platz arbeiten und nimmt zunehmend mehr Kontakt zu seinen Mitschülern auf. Er freut sich jeden Tag, in die Schule zu gehen und mit seinem Bus zu fahren.

©Bild von Paulina

Seine Stärke ist Deutsch. Er mag es, Bücher zu lesen und zeigt wachsendes Interesse an verbaler Sprache, wenn er lautiert. Er kann schon einzelne einsilbige Wörter aussprechen und auch wenn man mit ihm langsam einzelne Silben ausspricht, kann er diese wiederholen.
Manche Wörter, wenn er diese länger übt, z.B. in der Logopädie, kann er nach längerer Pause langsam aussprechen und er scheint sich darüber zu freuen.
Worüber ich mich sehr freue, dass Kacper endlich „Ich bin Kacper“ verbal und mit seiner Namensgebärde sagen und zeigen kann. In der Schule haben sich alle gefreut und gejubelt.

Er erkennt Familienmitglieder und benennt sie. Wenn er etwas nicht aussprechen kann, nutzt er züsätzlich die GUK Gebärden, oder die, welche er in der Schule gelernt hatte.

Kacper zeigt Interesse an sozialem Geschehen und ist nicht mehr außen vor, z.B. beim Hauswirtschaftsunterricht in der Schule, wenn er zusammen mit seiner Klasse kocht oder backt.
Auch die Toilettengänge klappen immer besser.

Um mit der Schule zusammen kommunizieren zu können, benutzen wir ein Mitteilungsbuch, wo die Lehrerinnen und ich etwas eintragen können, z.B. Erfolge oder Schwierigkeiten.

Kacper hat ein bisschen Schwierigkeiten mit Mathe. Er kann Zahlen zu Mengen zuordnen, aber er scheint keine Interesse daran zu haben, diese auf irgendwelche Weise zu benutzen. Ich habe schon TEACCH-Aufgaben vorbereitet und demnächst werden wir versuchen, zusammen zu üben.

Kacper hat auch deutlich weniger Wutanfälle und kann sich selbst regulieren, auch wenn ich manchmal dabei helfen muss. Ich habe viele Spielsachen, die er nicht mehr benutzt, aussortiert.
Wir haben einen großen Schrank gekauft, in dem er seine Sachen hat, und einen Schreibtisch, an dem er ruhig arbeiten kann.
Wir haben für ihn eine reizarme Umgebung für den Schulanfang vorbereitet und er hat davon profitiert.

Ich habe bemerkt, dass Kacper Emotionen von anderen besser zu erkennen scheint und auch seine Emotionen besser zeigen kann.
Wenn Kacper etwas guckt, einen Zeichentrick im Fernsehen, kann er wirklich laut lachen.

Kacper kann jetzt seinen Namen schreiben, das habe ich in den Herbstferiuen mit ihm geübt. Erstmal habe ich Buchstabe für Buchstabe diktiert, dann hat er jeden Buchstaben geschrieben und danach haben wir seinen Namen gelesen. Letzte Woche hat er von allein seinen Namen geschrieben, ohne dass ich ihn dazu aufgefordert habe.

In seinen Bildern hat sich auch vieles verändert. Er kann ein Haus zeichnen und auch Gesichter von Menschen.

Ich möchte am Ende sagen, wenn es um diese verrückte Corona-Zeit geht, dass sie für uns auch Vorteile mit sich bringt. Markierungen auf dem Boden, wo man Abstand halten muss, oder weniger überbevölkerte Straßen, Geschäfte und Busse, kommen Kacper entgegen. Auch dass es ruhiger ist, führt dazu, dass er weniger reizüberflutet ist.

Für die Zukunft würde ich mir und meiner Familie ein zusammenhaltendes glückliches Leben und vor allem Gesundheit in dieser schwierigen Zeit wünschen.
Vielen Dank, dass ich nochmal ein Stückchen von unserem Leben beitragen konnte.

Liebe Grüße
Paulina

Zum Weiterlesen:
noch mehr Erfahrungsberichte aus Familien

Zu den Online-Kursen und -Seminaren auf Ellas Blog

One comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.