Ein Jahr Förderstätte – von Höhen, Tiefen und einem stolzen Heldentiger

Diese Woche stand in Niklas` Mitteilungsheft: „Morgen feiern wir ein Jahr Förderstätte. Niklas hat sich toll entwickelt.“
Und mir liefen die Tränen. Einfach so.
Weil der Heldentiger, wie ich ihn seit seiner Weisheitszahn-OP manchmal nenne, einfach super ist.

Weil ich mich in diesem Moment an den Kampf erinnerte, der vor der Aufnahme in die Förderstätte stand, als wir mit Bezirk und Träger um einen angemessenen Betreuungsschlüssel ringen mussten und lange nicht wussten, ob es klappt oder ob Niklas am Ende dann doch ohne Platz dastehen wird.

Weil ich an die erste Zeit denken musste, in der er so viel Neues aufnehmen und verarbeiten musste und das so wunderbar meisterte.

gemalter Tiger

Weil ich an die neuen Menschen dachte, die wir in diesem Jahr kennenlernen durften und die Niklas liebevoll und wertschätzend begleiten.

Weil ich daran denken musste, dass man sich ganz selbstverständlich auf die Gebärdensprache einließ, die man bis dato dort nicht praktizierte und Niklas damit zeigte, wie ernst man ihn nimmt.

Weil ich natürlich auch an die schwierigen Tage denken musste, an denen Niklas fix und fertig nach Hause kam, weil es anstrengend und reizüberflutend für ihn war.

Weil ich es schön finde, wie wichtig es ihm ist, dass er nun Urlaub und keine Ferien mehr hat.

Weil er und wir eine Perspektive haben und auch schlechtere Tage nicht dazu führen, dass  man sich von Niklas abwendet.

Weil wir das Glück hatten, so toll in der Corona-Pandemie unterstützt zu werden.

Weil die zweijährige Vorbereitung dieses wichtigen Übergangs so gut geklappt und sich bewährt hat.

Weil Niklas sich toll entwickelt hat, so wie es im Heft steht.

Das alles und das Gefühl, dass er dort so angenommen wird, wie er ist, das ließ meine Tränen laufen. Bestimmt kennt Ihr das, dass einem alles auf einmal in den Sinn kommt und gar nicht weiß, was man zuerst und zuletzt denken soll. Es sind so viele Gefühle auf einmal, dass sie dann einfach überquellen.
Und manchmal ist es auch so, dass man in diesen Moment erst merkt, unter welcher Anspannung man sonst steht. Es ist, als ließe der Druck endlich nach, und sei es nur für eine kurze Weile.

Ich weiß, dass das, was ich hier aufgezählt habe, nicht selbstverständlich ist. Viele von Euch machen leider ganz andere Erfahrungen und es ist noch ein weiter Weg, bis es keiner besonderen Erwähnung mehr bedarf, dass Menschen so angenommen werden, wie sie sind, in ihrer Kommunikationsform ernst genommen werden und dass man auch bereit ist, unbequeme und außergewöhnliche Wege mit ihnen zu gehen.

Dass das gelingen möge, wünsche ich Euch allen.

Ein kleines Mosaiksteinchen für einen gelungenen Übergang kann eine gute Vorbereitung sein. Mehr dazu in Kürze im Newsletter:

Zum Weiterlesen:
Der erste Urlaub nach vier Wochen Förderstätte

Die Schulzeit ist zu Ende

2 comments

  • Bettina

    Hallo,erst möchte ich mich bedanken das Sie solche Einblicke gewähren vom Leben ihres Sohnes.Und so interessante Themen vom Autismus schreiben.Das dritte Buch von ihnen ist wirklich toll.Mit fdrl.Grüssen.Bettina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.