Daniel über Nachbarn, Gebärdensprache und Diagnosestellung

Daniel kennst Du schon, wenn Du hier regelmäßig mitliest. Er ist Autist und schickt mir immer wieder mal seine Gedanken zu verschiedenen Blogbeiträgen. Seine Sicht der Dinge ist äußerst interessant und mit der Veröffentlichung seiner Zeilen ist er einverstanden.

Gastbeitrag von Daniel zu einzelnen Beiträgen der letzten Zeit auf „Ellas Blog“:

Jette kommuniziert mit Gebärdensprache: „Ich bin alles hörend, schwerhörig und gehörlos.“

Wenn ich das so lese, denke ich, dass ich die Gebärdensprache vielleicht besser nicht lernen sollte – weil ich danach sehr begrenzte, fast keine Möglichkeiten zum Training im Alltag hätte. Und sie deswegen wahrscheinlich zu einem Großteil wieder vergessen würde.
Vor einigen Wochen saß ich im Zug und wurde auf zwei Leute aufmerksam, die am anderen Gangende saßen. Diese kommunizierten mit einer Frau, die auf dem Bahnsteig stand, durch das geschlossene Fenster mit Gebärdensprache. Und scheinbar hat es ihnen gefallen, sie haben oft gelacht. Das fand ich schon lustig. In dem Sinn bringt Gebärdensprache ja auch eine Unabhängigkeit von einigen äußeren Umständen, in denen sprachliche Kommunikation sehr schwierig wäre – in sehr lauter Umgebung, in der Disco?

Ja, das stimmt, Daniel. Unsere Familie profitiert auch von den Gebärden ganz unabhängig von Niklas, wenn wir in Situationen sind, in denen man mit gesprochener Sprache aus welchen Gründen auch immer nicht weiterkommt. (Silke)

Gastbeitrag: „Wir sind die sonderbaren Nachbarn.“

Ein großartiger Text. Am besten gefällt mir die Passage „Natürlich rechtfertigen wir uns nicht mehr, warum auch? Die, die uns am Herzen liegen, wissen Bescheid, wer kommt und fragt bekommt auch eine Antwort.“
So ähnlich handhabe ich das mittlerweile auch bei meinen Kontakten, es hat aber sehr lange gedauert, bis ich das zulassen konnte. Man lebt aber entspannter und gelassener.

Gastbeitrag: Die Angst vor der Nicht-Diagnose – „Vielleicht bin ich doch einfach nur falsch?“

Der Beitrag ist sehr gut und nachvollziehbar geschrieben, Respekt.
Diese Angst kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich hatte sie auch während der Zeit, in der meine Diagnosetermine stattfanden. Strafen, weil man etwas nicht kann, sind nicht gerechtfertigt. Ein Freund schrieb mir sinngemäß mal: „Einem Fisch kann man auch nicht befehlen, er solle auf Bäume klettern und ihn dann dafür bestrafen, dass er das nicht kann.“ Manche Dinge kann man einfach nicht. Und erfahrungsgemäß haben die ‚Bestrafenden‘ selbst Dinge, die sie nicht können. Die werden aber zum Teil einfach nicht angesprochen, es gibt sie aber trotzdem. Das finde ich sehr beruhigend. Dann sind es zumindest keine fehlerlosen Übermenschen.

Der Artikel Was sich Autistinnen, Autisten und deren Familien zum Weltautismustag wünschen war sehr schön geschrieben, dem kann ich so zustimmen.

Es grüßt
Daniel

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