Daniel über Farben, die Sonne und Autismusdiagnosen

Neulich bekam ich eine sehr interessante Rückmeldung von Daniel. Er ist Autist und schrieb mir seine Gedanken zu einigen Blogbeiträgen der letzten Zeit.
An seinen Zeilen darf ich euch mit seinem Einverständnis teilhaben lassen:

 

Hallo Silke,
heute habe ich ein paar Artikel gelesen, die in der letzten Zeit erschienen sind und wollte dir zu einigen Kommentare schicken:

Zu Autismus und Gesellschaft – Kerstin im Interview: „Ich wünsche mir, dass aufgehört wird zu urteilen.“:
Ich habe auch schon seit Längerem den Plan, dass mein Zimmer (das jetzt seit Ende 2009 seine derzeitige Farben hat) neu gestrichen wird. Ein paar Stellen sind auch schon ziemlich ‚abgenutzt‘. Die Sache ist nur: Ich wüsste nicht, in welchen Farben ich das streichen könnte, die mir dann (vermutlich bis zu meinem Auszug in den nächsten Jahren) sicher noch gefallen werden und wie viele unterschiedliche Farben.
Das ist natürlich nur bedingt vergleichbar, aber ich weiß auch, dass die Farbe Rot, besonders hellrot, anregend wirkt, aber auch wütend oder agressiv machen kann. Momentan habe ich größtenteils helles Gelb an den Wänden, das passt.

Zu Romana über ihre Tochter: „Isabella hat das Rett-Syndrom und eine Engelsgeduld.“:
Das war ein sehr ausführlicher, informativer Artikel zu einem mir noch unbekannten Syndrom. Er ist sehr schön gegliedert. Und es ist auch immer wieder wichtig, zu erfahren, mit welchen unterschiedlichen Einschränkungen und/oder Schwierigkeiten andere Leute umgehen müssen. Da kommen mir meine Probleme regelmäßig immer wieder recht unbedeutend vor.

Zu Innere Würde und Selbstachtung: über gesundes autistisches Selbstbewusstsein:
Diesen Text finde ich sehr motivierend und gut geschrieben, mir fehlt aber deine Antwort auf die Problemstellung in der Einleitung: Viele AutistInnen und Eltern stehen vor der Frage, ob sie ihren Autismus oder die Diagnose ihrer Kinder offenlegen sollen oder lieber nicht.
Wenn ich dich richtig verstehe, denkst du, dass man sich nicht verstecken braucht, nur, weil man Autist ist, sondern das auch offen sagen darf. Da es kein Manko ist. Das finde ich sehr schön formuliert. Gerade, weil ich selbst auch immer wieder in Phasen komme, in denen ich denke, als NT müsste man doch ein wunderbares Leben haben (weil eine ganze Reihe von Problemen nicht oder nicht so stark vorhanden wären). Wenn man die Sonne vor lauter Wolken nicht mehr sieht, ist es sehr hilfreich, wenn einen andere Leute dran erinnern, dass sie trotzdem da ist :-).

Zu Das Dilemma mit dem Bloggen und warum ich es so liebe :-):
Auch dieser Artikel war sehr informativ. Besonders der Vergleich zwischen einem Buch und einem Blogbeitrag. In Grundzügen kenne ich den ein oder anderen Gedanken. Besonders: Wenn ich jetzt einen Beitrag zum Thema Autismus mache (oder, wie in der letzten Ausgabe, eine ganze Sendung), wie intensiv gehe ich darauf ein, dass jeder Autist anders ist und es etwa nicht nur IT-Spezialisten mit dieser Diagnose gibt? Und was wiederhole ich, das ich schon in früheren Beiträgen gesagt habe? Stammzuhörer werden sich denken ‚So hört man sich wieder‘, Leuten, die das erste Mal mit dabei sind, hilft es vielleicht trotzdem weiter. Das mal aus deiner Perspektive zu lesen, war wahnsinnig spannend.

Zu Autismus ist keine beliebige Eigenschaft – warum man nicht ein bisschen autistisch sein kann:
Vielen Dank! Gerade mit meinen Verwandten habe ich schon ein paarmal Unterhaltungen geführt, die in folgende Richtung gingen: Aber das kenne ich ja von mir. Ist dann nicht jeder ein bisschen autistisch? Ich habe dann immer darauf verwiesen, dass man für eine Autismusdiagnose am besten einen Facharzt aufsuchen sollte und diese nicht von der Nachbarin gestellt werden kann – was in dem Fall auch ein echter Vorteil ist.

Ganz herzlichen Dank, lieber Daniel, ich freue mich über das Feedback – gerne mehr davon :-)
Silke alias Ella

 

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