Damals in diesem kleinen Schwimmbad in Norwegen

Norwegen Geirangerfjord

Geirangerfjord Norwegen

Viele von Euch wissen, wie gerne ich nach Norwegen reise. Es ist ein wunderschönes Land, das für mich Freiheit und Weite bedeutet und mir regelmäßig hilft, Gefühle und Situationen zu relativieren. In der großartigen Natur fällt es mir viel leichter, klar zu denken.

Wovon ich aber in diesem Beitrag eigentlich erzählen möchte, ist über einen Schwimmbadbesuch im Sommer 2001. Es war in der Nähe von Trondheim und Niklas war zwei Jahre alt. Von Autismus wussten wir damals noch nichts, aber es war offensichtlich, dass er ein behindertes Kind ist. Er sprach nicht, konnte noch nicht laufen und hatte sonst noch allerhand „Baustellen“ in seinem Leben.

Es war ein regnerischer Tag. Daher beschlossen wir ein Hallenbad zu besuchen – es war in einer Höhle, wirklich eine tolle Atmosphäre.
Niklas genoss das warme Wasser, wir saßen oft am Rand des warmen Whirlpoolbeckens und ließen es uns gut gehen.
Irgendwann kam die Bademeisterin und erklärte uns freundlich, dass wir uns bitte an eine andere Stelle setzen sollten, damit auch andere Badegäste die Möglichkeit haben, den Whirlpool zu nutzen. Damit hatte sie natürlich recht, wir hatten ganz die Zeit vergessen.

Die Bademeisterin war eine junge Frau mit Down-Syndrom.
Sie ging ganz auf in ihrem Job, war in ihrem Element und wuselte durch die Halle, um Gästen zu helfen, dafür zu sorgen, dass alles seine Richtigkeit hatte, man vor dem Sprung ins Wasser duschte und um Kindern den Weg in die Kabine oder zu ihren Eltern zu zeigen.

Ich muss noch häufig an diesen Nachmittag im Schwimmbad zurückdenken, weil mir damals, als noch niemand wirklich von Inklusion sprach, vorgelebt wurde, was Inklusion ist.
Es war so vollkommen normal, dass sie dort ihren Job machte, mit dem sie ja unter anderem Verantwortung für die Sicherheit der Gäste trug. Und das färbte sich auch auf die anderen Menschen ab. Niklas gelegentlichen Quiekser, die Tatsache, dass er nicht laufen konnte und offensichtlich eine Behinderung hat, führten nicht dazu, dass wir angestarrt wurden oder blöde Kommentare zu hören bekamen. Nach einem kurzen Blick in unsere Richtung folgte meist ein freundliches Lächeln und dann wurden wir nicht weiter mit Blicken oder anderem belästigt.

Damals als Niklas noch so klein war, erlebten wir dort, wie es sein sollte.
Damals als Niklas noch so klein war, wusste ich noch nicht wirklich, wie es anders sein kann, denn wir hatten ja noch nicht so viel erlebt.
Damals als Niklas noch so klein war, bekam diese junge Frau einen festen Platz in meinem Herzen und ich denke immer gerne an sie zurück, wenn mal wieder Situationen sind, in denen ich wegen der Ignoranz und Diskriminierung um mich herum verzweifle.

Möglicherweise ist dieses Erlebnis auch ein Grund dafür, dass wir seitdem fast jedes Jahr in Norwegen waren – wir fühlen uns dort einfach wohl. ♥

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Kalender Momente der Stille Ellas Blog Leben mit AutismusÜbrigens habe ich aus den Bildern, die wir bei unseren Reisen nach Norwegen machen, einen jahresunabhängigen Fotokalender gestaltet. Er ist ohne Kalendarium und hat zu jedem Monat einen kleinen Gedanken von mir dabei abgedruckt. Vielleicht kann er auch Dir ein kleines bisschen Weite und Freiheit vermitteln.
Erhältlich ist er exklusiv nur in meinem kleinen Shop, falls Du mal schauen magst.

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Zum Weiterlesen:

carpe momentum – Skandinavien 2016

 

 

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