Autismus und Wahrnehmung: „Nein, meine Mütze mag ich nicht!“

Jetzt ist es wieder soweit – die Temperaturen draußen haben Werte erreicht, bei denen man normalerweise (!) Mütze, Schal und Handschuhe anzieht. Nicht so bei meinem Sohnemann.

Die Mütze „quetscht meinen Kopf“, schrieb Niklas einmal und ich besorgte verschiedene Modelle, die meiner (!) Meinung nach nicht quetschen konnten, sondern eher schon wieder so labberig waren, dass man tatsächlich darauf verzichten konnte.
Die Handschuhe „jucken bienenstark“ schrieb er ein anderes Mal und ich zog wieder los und kaufte eine Auswahl Handschuhe aus unterschiedlichem Material… Das „Jucken“ ließ nicht nach.
Tja und der Schal „ist eine Dschungelerfahrung“. Aha. Nunja, vielleicht ein kürzerer oder ein anderer oder ein…. Nein, es half alles nichts.

Inzwischen ist Niklas 18 Jahre alt und Mützen, Schals und Handschuhe gibt es bei ihm nicht. Wir haben das akzeptiert und behelfen uns mit Pullis, die höher geschnitten sind. Außerdem gibt es „Knickkissen“, die man sich in die Jackentasche stecken kann und die

beim Knicken warm werden. Wenn Niklas nicht gerade Lust hat, in die Kissen hineinzubeißen, wärmt er sich auch gern daran.
Ausflüge nach draußen sind zwar für uns nicht so lange möglich, da es für ihn dann auch irgendwann zu kalt wird und er es auch selbst so empfindet, aber das ändert nichts daran, dass er sich gegen die Accessoires sträubt.

Ob er oft krank wird? Nein, erstaunlicherweise nicht mehr als andere Kinder, eher weniger. Normalerweise (!) und meiner Meinung nach (!) zählen einfach nicht. Seine Wahrnehmung ist ein andere und bevor er mit gequetschtem Kopf und juckenden Händen schreiend durch einen beängstigenden Dschungel laufen muss, akzeptieren wir lieber, dass es eben ohne gehen muss.
Den Stress, dass man (!) das doch aber alles anziehen muss, habe ich mir abgewöhnt.

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3 comments

  • Magdalena

    Das kenn ich zu gut! Als wir noch nicht wussten, dass er Autist ist, wunderten wir uns, weshalb er im Winter nicht raus wollte und wenn wir draußen waren, fing er an zu weinen. Nur etwas habe ich gemacht. Aus weicher Wolle stricke ich wie einen Raglanpullover mit Rollkragen. Aber nur einige Reihen und dann noch vorn und hinten eine gerade Fläche ran. Das lässt er dran. Und es wärmt den Hals und ist doch nicht so auftragen wie ein Schal.

  • Melina

    Ich bin immer wieder erstaunt wie unterschiedlich unsere Kinder sind…..
    Mein Sohn würde am liebsten mit seiner Mütze ins Bett gehen!
    Bis vor einiger Zeit gab es eine bestimmte Mütze die er immer angezogen hat wenn er das Haus verlassen hat…dann kam der Tag das sie wirklich nicht mehr passte und das war schlimm, denn es gab diese Mütze nach so vielen Jahren nicht mehr zu kaufen. Zum Glück entdeckte er dann Pullover mit Kapuze für sich. Das war für mich ein Erleichterung. Jetzt hat mein Sohn den ganzen Tag die Kapuze auf und fühlt sich wohl und siche….

  • Hiller

    jaaa, genau so haben wir das auch erlebt… auch Strumpfhosen engen ihn ein. Am liebsten immer Barfuß rumlaufen und nur in Badehose (Sommer)… Auch Helm auf dem Kopf ist immer ein Kampf. Er muss so locker sein, das es schon gar nichts mehr bringt, da er beim hinfallen, als erster vom Kopf fallen würde.

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