Anregungen und Tipps für Arztbesuche mit autistischen Kindern

Ihr kennt das bestimmt – ein Arzttermin muss vereinbart werden oder steht unmittelbar bevor. Nicht nur, dass die Gründe für Besuche beim Arzt nicht besonders schön sind, es kommt noch dazu, dass das ganze Procedere sich oftmals wie ein unüberwindbares Hindernis vor einem auftürmt. Da können ein paar angepasste Rahmenbedingungen eventuell etwas helfen.

Hier zunächst ein eben erst erlebtes positives Beispiel eines Telefonats mit einer Arztpraxis zur Terminvereinbarung.

***

„Schönen guten Morgen, ich würde gern einen Termin für meinen Sohn vereinbaren. Er ist Autist und er hat seit einiger Zeit XYZ und es wäre schön, wenn sich der Doktor das mal anschauen könnte.“

„Sicher. Was sagten Sie? Ihr Sohn ist Autist?“

„Ja richtig.“

„Dann wäre es sicher gut für ihn, wenn er in seinem normalen Tagesrhythmus nicht gestört wird. Also am besten vor oder nach der Schule. Wäre das in Ordnung?“

„Ja…. das stimmt….“

„Wir sind ziemlich voll in den nächsten Wochen, aber das kriegen wir schon hin. Warten Sie mal einen Moment…. Ja, das müsste gehen…. Passt es Ihnen am 3. Juli um 15 Uhr? Wäre das ein guter Zeitpunkt“

„Ja, das wäre ganz toll. Vielen Dank.“

„Wie sieht es denn aus mit der Möglichkeit, im Wartezimmer zu sitzen? Ich nehme an, dass Ihrem Sohn das nicht so angenehm wäre?“

„Ja, richtig. Das sind Situationen, die schwer auszuhalten sind für ihn.“

„Das dachte ich mir. Sie können dann auf jeden Fall in einem anderen Zimmer warten. Vorsichtshalber können Sie auch gern vorher nochmal anrufen und wenn sich längere Wartezeiten abzeichnen, dann sagen wir Ihnen, wann Sie dran kommen und dann kommen Sie erst kurz vorher. Wäre das in Ordnung?“

„Ja natürlich. Also….. also, jetzt muss ich Ihnen sagen, dass ich wirklich absolut überrascht bin – positiv überrascht. Sonst muss ich immer alles lang und breit erklären, aber Sie bieten mir bestimmte Rahmenbedingungen von selbst an. Vielen herzlichen Dank. Das ist nicht selbstverständlich für uns.“

„Für uns schon. Das machen wir gerne. Bis zum 3. Juli dann.“ :-)

***

Solche Erlebnisse hat man nicht oft – das können andere Eltern bestimmt bestätigen. Diese kleinen aber feinen Ausnahmen sind so wunderbar, schonen Kraftreserven, die man an anderen Ecken und Enden dringend braucht, und lassen mich – was diesen Termin betrifft – viel positiver gestimmt daran denken.
Ein anderer Arzt fragte mich neulich, was eigentlich genau helfen würde. Er würde auch gern angemessener darauf eingehen, wenn er Autisten in Behandlung hat. Ein paar Tage später gab ich ihm eine kleine Liste mit Anregungen und Tipps, vielleicht hilft sie Euch oder Eurem behandelnden Arzt auch weiter. Sie kann gern ausgedruckt und verwendet werden.
Alles Liebe :-)

zum Download:
Handout Tipps für Arztbesuche Eltern

Handout Tipps für Arztbesuche Arztpraxis

Weitere Tipps und Checklisten findet Ihr auch in der Bibliothek von Ellas Blog.

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5 comments

  • Wow, was für eine positive Erfahrung.
    Ich wünschte, dass alle Arztpraxen auf diese Weise reagieren würden.

    Liebe Grüße,
    Juliette Goutte

  • Pingback: Autismuslink

  • Sabine H.

    So eine Arztpraxis würde ich mir auch wünschen…… Wir hatten vor ein paar Wochen ein so unschönen Erlebnis bei unserem Kinderarzt, dass mich wirklich sprachlos und traurig gemacht hat.

  • Petra Gloger

    Mein erwachsener Sohn war ja noch jahrelang beim Kinderarzt in Behandlung. Dort bekamen wir immer einen Termin wo wir dann auch zeitnah dran kamen.Aber schon 5 Min. warten war eine Herrausforderung für ihn .Da es dort recht laut war .Kindergeschrei und Spielzeug fiel um . usw. Seit 2Jahren hat unsere Hausärztin ihn mit in Behandlung. Dort ist es ruhiger.Und auch 10 Min. warten sind für ihn kein Problem mehr.Dadurch das Sie 2Warteräume hat verteilt sich alles ein bisschen und er kann in Ruhe alleine sitzen.

  • Berbig Kerstin

    Auch wir haben mit unserer Augenärztin solche guten Erfahrungen gemacht . Wir kommen mit unserem Sohn immer eine halbe Stunde vor Beginn der Sprechstunde drann . Das ist immer sehr angenehm , das wir nicht ewig im Wartezimmer sitzen müssen . Die Augenärztin nimmt sich die Zeit und läßt ihn sich langsam an das Sprechzimmer und den Untersuchungsstuhl zu gewöhnen , da er immer große Angst hat .

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