Wenn der Weg in die Förderstätte führt

„Mein Sohn besucht eine Tagesförderstätte“, erzählt Thomas, „eine Berufsausbildung oder eine Werkstatt würden ihn komplett überfordern.“
Viele Eltern sind darauf angewiesen, eine gute Förderstätte zu finden, in der ihre erwachsen gewordenen Kinder betreut werden.

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Viele Autisten haben einen so hohen Betreuungs- und Förderbedarf, dass an eine normale Berufsausbildung oder eine Beschäftigung mit produktiven Tätigkeiten in einer Werkstatt nicht zu denken ist.
Die Besonderheiten im Bereich ihrer Wahrnehmung sind so stark ausgeprägt, dass im Vordergrund ihrer Förderung unter anderem steht, Strategien zu entwickeln, um überhaupt sich wohlfühlend an Gemeinschaften teilhaben zu können und trotz ihrer Handicaps ihre Persönlichkeit zu entfalten und so selbständig wie möglich zu werden.
Bei vielen steht auch im Erwachsenenalter immer noch im Vordergrund, Möglichkeiten der Kommunikation zu finden und zu fördern, da sie nicht sprechen oder sich nur sehr eingeschränkt ausdrücken können. Auch die Pflege, Hilfe bei An- und Auskleiden, Waschen, Toilettengängen ist bei vielen ein durchgängiges Thema.

„Ich bin sehr froh, dass wir eine Förderstätte gefunden haben, in der auf Tims Befindlichkeiten und seine Art zu kommunizieren, nämlich per Talker, eingegangen wird. Wir wünschen uns sehr, dass er dort unter Gleichaltrigen und mit weiterer lebenslanger Förderung seine Bedürfnisse ausdrücken und ein erfülltes, glückliches Leben führen kann“, erzählt Tomas weiter.

In Förderstätten für Erwachsene arbeiten meistens Pädagogen, Sonderpädagogen, Ergotherapeuten, Heilerziehungspfleger, Psychologen und andere Mitarbeiter mit einer pflegerischen, pädagogischen oder therapeutischen Ausbildung. Sie bieten dem behinderten Erwachsenen bestenfalls einen Lebensbereich, in dem sie so angenommen werden, wie sie sind, in dem sie weiter gefördert werden und aktiv und lebensfroh die Welt und neue Handlungsfelder entdecken können, wenn sie das möchten.

Niklas´ Weg wird nach seiner Schulzeit voraussichtlich auch in eine Förderstätte führen. Er braucht diese intensive Betreuung, Anleitung und weitere Förderung, um sich selbst entfalten und weiter entwickeln zu können. Jeder kleine Schritt, der dabei erreicht wird, um seine Selbständigkeit weiter voranzubringen, wird ein großer Erfolg und ein wichtiger Baustein in seinem Leben sein.

Von großem Vorteil sehe ich jetzt schon, dass er sich trotz fehlender Verbalsprache über Gebärdensprache gut verständlich machen kann. Und so hoffe ich – wie Thomas – dass er ein liebevolles Umfeld finden wird, das ihn fördert, fordert und respektiert und dass Ressourcen bei ihm entdeckt werden, die wir vielleicht noch gar nicht kennen.
Ich wünsche mir nichts mehr, als dass er dort ganz viel Lebensfreude entfalten können und Freunde fürs Leben finden wird.

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