Weltgeschichtentag: Lernt Emma und Jakob kennen und lest den Anfang ihres Abenteuers

Heute ist Weltgeschichtentag und ich möchte das zum Anlass nehmen, Euch einen kleinen Auszug aus meiner momentan entstehenden Erzählung für Kinder und Jugendliche vorzustellen. Taucht einfach mal in die Zeilen ein, wenn Ihr mögt:

***

Nach einer halben Stunde über Hügel und Felder hält der Schulbus in einer kleinen Einbuchtung, von der aus eine ungeteerte Straße den Hügel zum Fluss hinabführt. Heute war nichts Besonderes geschehen, der Bus stoppte an jeder Haltestelle und überall stiegen die üblichen Kinder ein und aus. Für Jakob bedeutet das eine gelungene Heimfahrt.

Emma zupft ihren Bruder am Ärmel: „Komm, Jakob, aussteigen.“
Die Heimfahrten mit Emma im Bus sind für Jakob die schönsten, weil er dann allein mit ihr von der Haltestelle den Weg hinab bis zum Haus schlendern darf. Wenn Emma zu anderen Zeiten Schulschluss hat und er allein mit dem Bus nach Hause fährt, wird er meist von Oma an der Haltestelle abgeholt, was er ziemlich blöd und peinlich findet – schließlich schaffen andere Kinder in seinem Alter das auch allein. Aber nachdem er eines Tages einmal nicht zur üblichen Zeit nach Hause gekommen und erst nach zwei Stunden sich hin und her wiegend im hohen Gras neben dem Haus gefunden worden war, wird er nun immer abgeholt.

Aber heute ist Emma-Tag und so springen die beiden aus dem Bus, nehmen sich an der Hand und spazieren Richtung Schotterweg.
Emma ist die einzige, die Jakob an der Hand nehmen darf, bei anderen empfindet er das als sehr unangenehm und beginnt sofort zu kneifen oder zu schreien.

SchotterwegAuf dem Weg nach Hause plappert Emma wie immer ohne Unterlass. Jakob liebt die Melodie ihrer Stimme und sie scheint es gar nicht zu stören, dass er nicht antwortet. Manchmal summt Jakob vor sich hin oder stößt ein „hm“ hervor, bei dem die Stimme am Ende nach oben geht und das reicht Emma, um zu wissen, dass er ihr zuhört.
Er würde ihr sehr gern ihren Wunsch erfüllen und wenigstens einmal ihren Namen sagen, aber es kommt ihm einfach nicht über die Lippen.

Jakob schlendert, wie immer, den kleinen mit Weinranken überdachten Pfad zwischen Carport und Haus entlang, direkt hinter das Gebäude in den Garten. Bei gutem Wetter wie heute zieht ihn nichts ins Haus, er möchte direkt zu seinem Lieblingsplatz, der Hängematte zwischen den riesigen Linden unten am Fluss. Dort kann er in Ruhe hin und her schaukeln, den Vögeln, dem Rauschen der Blätter und dem Strom des Flusses zuhören.
Am Schönsten ist das Lied der kleinen, ganz weißen Vögel, die nur sehr leise singen und deren Stimmen nur er hören kann. Sie sind leider nur selten, meistens an kühleren Tagen, da. Wie gerne würde er manchmal Emma seine Ohren leihen, damit sie seinen kleinen Freunden auch zuhören könnte.

(Liebe/r Leser/in, hier habe ich für das Vorstellen des Geschichtenauszuges einen Teil ausgelassen, in dem Jakobs und Emmas Oma und ihr Papa eine Rolle spielen und in dem die beiden Geschwister nach einem besonderen Ereignis plötzlich verschwinden…
Dann geht es weiter in…)

Silarbia

WaldJakob weiß nicht, wie lange er geschlafen hat. Als er erwacht steigt ihm ein wohltuender Geruch aus Wald und feuchter Erde in die Nase. Es ist etwas frisch und so fühlt er eine leichte Gänsehaut den Rücken heraufkriechen. Über sich sieht er die sich sanft im Wind wiegenden Baumwipfel. Darüber schimmert ein rötlicher Himmel.
Er erinnert sich an den Streit, daran, dass er davon gelaufen war – Richtung Fluss. Er erinnert sich an das Rauschen der Blätter, das Plätschern des Wassers, das Rot des Himmels und an Emma, die immer an seiner Seite geblieben war. Das Wasser war kalt, der Himmel blutrot, die kleinen weißen Vögel sangen lauter als sonst, aber außer Jakob konnte sie trotzdem niemand hören.
„Emma, nicht ins Wasser!“ hatte der Vater gerufen – und seine Stimme passte nicht zum Gesang der Vögel.
Wir müssen weg, Emma und ich, hatte Jakob gedacht.

Er setzt sich vorsichtig auf und schaut sich um, irgendetwas stimmt hier nicht. Und wo ist eigentlich Emma? War sie nicht gerade noch bei ihm? Jakob muss nicht lange suchen, denn als er sich umdreht, sieht er seine Schwester ein paar Meter hinter sich im Moos liegen. Erschrocken rappelt er sich hoch und läuft zu ihr, streicht ihr die langen blonden Haare aus dem Gesicht und macht sein „hm“.
Irgendetwas ist schon wieder seltsam. Außerdem zeigt Emma keine Reaktion. Jakob klopft mit der Handfläche auf ihre Arme, immer stärker bis er sie hin und her schüttelt. Wieso hört er das Klatschen auf ihrer Haut nicht?
Er sieht sich erneut um. Wieso hört er das Rauschen der Blätter nicht, und auch nicht das Singen der Vögel, die hier in diesem Wald doch sicher ihr Zuhause haben. Warum hatte er sein eigenes „hm“ nicht gehört?
Es herrscht Totenstille.

Emma wird endlich wach und bewegt den Mund als wolle sie etwas sagen. Es sieht sehr komisch aus, wie ihre Lippen Worte formen, aber kein Laut zu hören ist. Sie reißt die Augen auf, springt auf die Füße und schaut sich ängstlich um.
„Wo sind wir?!“ formen ihre Lippen, aber es ist immer noch kein Laut zu hören.
Jakob, der sie beobachtet und sieht, wie sie mit ihrem Mund Worte formt, hört Emmas Stimme, doch sie kommt nicht von ihrem Gegenüber, sondern er hört sie in sich, als ob sie in seinem Ohr säße.
„Ich höre Dich“ denkt er, denn er konnte ja noch nie sprechen, und sieht sie dabei an. Emma starrt zurück und reibt sich gleichzeitig mit ihren Handflächen die Ohren.
„Was sagst Du da? Du kannst doch gar nicht sprechen? Bist Du das Jakob?“
Ängstlich tritt sie zu ihm, weil sie nicht deuten kann, woher die Stimme in ihrem Ohr kommt; Jakob hat schließlich noch nie mit ihr gesprochen.

„Seit wann kannst Du denn sprechen? Und warum verstehst Du mich überhaupt?“ fragt Emma.
„Ich spreche nicht, Emma, ich denke meine Worte und Du kannst sie hören.“
„Was ist das hier? Wo sind wir?“ formen Emmas Lippen erneut und Jakob hört es gällend laut in seinem Ohr.
Er hält sich seine Ohren zu: „Nicht so laut, Emma! Vielleicht reicht es, wenn Du auch nur denkst, was Du sagen willst, dann musst Du nicht so schreien.“
„Was?“ schreit sie wieder.

Dann hält sie inne, sieht Jakob an und denkt: „Hörst Du mich?“
„Ja sicher höre ich Dich, zum Glück jetzt etwas leiser“, lächelt Jakob sie an.
„Das gibt es doch gar nicht“, ruft Emma erneut und bewegt ihren Mund wieder heftig dazu.
„Emma, bitte nicht so laut, meine Ohren  schmerzen schon von Deinem Geschrei. Bitte denke nur, was Du mir sagen willst, ja?“
Emma stutzt verwirrt „Ja, ok“, denkt sie und setzt sich wieder auf den Boden.

GrashalmJakob hockt sich neben sie, pflückt einen Grashalm ab und beginnt ihn zu drehen.
„Ich weiß, dass immer alle sagen, ich sei geistig behindert, ich saß schließlich oft genug daneben, wenn Mama und Papa über mich gesprochen haben. Die glauben immer, dass ich nichts verstehe.“
Emma starrt ihren großen Bruder an.
„Ich kann einfach nicht sprechen, Emma, und ich muss viele Dinge anders tun als Ihr, sonst versinkt für mich alles im Chaos.“

…..

©Silke Bauerfeind

***

Mich würde sehr interessieren, Ihr lieben TestleserInnen, ob das Lust auf mehr macht. Einen weiteren Ausschnitt, in dem ein großer Fluss eine Rolle spielt, könnte ich online stellen, bevor das Buch fertig geschrieben und gedruckt wird.

Flusslandschaft

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10 comments

  • Heike

    Ich freue mich auf eine Fortsetzung! Herzlichen Gruß Heike Vogel

  • IAn Holler

    Eine Frage habe ich zu der GEschichte, eigentlich 2. Ist dei frei erfunden? UNd wie ist das mit den STimmen. Verständigen die sich per GEdankenübertragung, habe das mit der Verständigung nihct verstanden. KAnn das nicht zusammenbringen. ICh hoffe es ist keine blöde Frage. ABer da tue ich mich schwer. Ansonsten mag ci´´ich die GEschichte.

    • Silke

      Liebe Ina, ja, die Geschichte ist erfunden und sie ist auch eher im Fantasybereich angesiedelt. Das mit der Gedankenübertragung bleibt vorerst ein Geheimnis, denn es muss ja spannend bleiben. Dankeschön für Deinen Kommentar 🙂

  • Marianne

    Liebe Silke, Du schreibst ein Kinderbuch! Das ist ja toll! Ich weiß jetzt schon, wer die erste ist, die es kaufen wird. Ich! Liebe Grüße, Marianne

  • Tom

    Liebe Silke, das macht definitiv Lust auf mehr. Ich bin sehr gespannt. Super!
    Viele Grüße, Tom

  • Tina

    Oh wie spannend – ja bitte mehr davon – ganz schnell 🙂

  • IAn Holler

    Alle klar, danke frü de ANtwort. dann bin ich mal gespannt, wie es weitergeht.

  • Mirja Olbrich

    Das ist wirklich fesselnd! Spannend! Ja, bitte mehr davon 🙂

  • Maike Schulte

    Bin neugierig auf mehr. Für welche Altersgruppe ist das Buch gedacht. Ich bin in unserer Bücherei für den Bereich der Kinder- und Jugendbücher zuständig und ich würde es eventuell dafür kaufen. Kommt ein bisschen auf den Preis an.

    • Silke

      Liebe Maike, danke für Dein Interesse, freut mich. Für nähere Angaben ist es noch ein bisschen früh, die Zielgruppe wird erst noch bei der Überarbeitung genauer eingegrenzt, Umfang und Preis stehen auch noch nicht fest. Aber ich werde hier im Blog wieder rechtzeitig berichten 🙂

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