Pubertät bedeutet, neben Verwirrung auch Schönes zu entdecken

Häufig werde ich bei Veranstaltungen zum Thema Körperkontakt gefragt: Mag Niklas das? Mag er es nicht? Wie ist das bei anderen Autistinnen und Autisten?
Und immer antworte ich, dass man das nicht pauschal sagen kann. So wie bei allen Menschen, ist auch hier das Bedürfnis nach Nähe oder Distanz unterschiedlich und sollte natürlich respektiert werden.

Seit Neuestem kann ich aber auch als Erfahrung weitergeben, dass Niklas‘ Bedürfnis nach Nähe in der Pubertät deutlich größer geworden ist. Und das ist richtig schön.
nähe Ellas Blog Leben mit AutismusHäufig kommt er zu mir und möchte sich an mich lehnen, an meinen Haaren schnuppern, gekrault oder massiert werden. Ganz von selbst zeigt er, dass er diese Nähe genießt und wenn es genug ist, kann er auf angemessene Weise zeigen, dass er wieder etwas mehr Abstand möchte. Das bedeutet, dass er nicht mehr automatisch kneift und Haare zieht, wenn er jemanden verscheuchen möchte, sondern mich sanft wegdrückt oder mich „weg winkt“.

Natürlich klappt das nicht immer und auch nicht bei jedem. Aber es ist eine Entwicklung, die nun schon eine Weile anhält und die sicherlich noch weitergeht, so dass er hoffentlich auch anderen Menschen gegenüber auf angemessene Art und Weise zeigen können wird, wie nah sie ihm kommen dürfen oder ob er mehr mit ihnen zu tun haben möchte. 🙂

Möglicherweise hängt das neue Zulassen von Nähe – besonders innerhalb der Familie – damit zusammen, dass er mit den Jahren gelernt hat, seine eigenen Empfindungen besser zu entschlüsseln. Wie alle Menschen hat auch Niklas sich mit der Pubertät genauer mit Distanz Ellas Blog Leben mit Autismusseinem eigenen Körper beschäftigt und mit Emotionen, die ja gerade in diesem Sturm-und-Drang-Alter ständig kräftig durcheinander wirbeln. Nun ist er 18 Jahre alt, hat schon einiges erlebt und möglicherweise auch mehr Vertrauen in seine eigenen Reaktionen gewonnen.

Dieses „Durcheinanderwirbeln“ in der Pubertät trägt nach einer Weile eben auch dazu bei, dass man es zu deuten lernt und neben verwirrenden Dingen auch Schönes entdeckt. Ich habe das Gefühl, dass Niklas sich selbst viel besser einzuschätzen weiß, als noch vor einigen Monaten und daher auch bereit ist, ab und zu seine Komfortzone zu verlassen.
Für kritische Situationen hat er Strategien entwickelt, mit denen er nun besser zurechtkommt als früher und die ihn davor bewahren, allzu oft in einen Meltdown zu rutschen.

Das geschieht alles noch sehr im Kleinen, aber für uns doch spürbar und ist ein schönes Zeichen dafür, dass er auf seine ganz eigene Weise ein toller, cleverer und erwachsener junger Mann geworden ist. 🙂

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Zum Weiterlesen:

Autismus und Entwicklung hin zu mehr Selbstregulation

Die Schwierigkeit mit Übergängen – besonders in der Pubertät

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