Momente: wie Niklas mir heute Kraft für viele Wochen schenkte…

Blatt mit HerzHeute gibt´s eine kleine Anekdote aus der Kategorie „Momente“.

Niklas ist zur Zeit vor allem morgens sehr widerwurzig (wie man bei uns in Bayern sagt), also er hat überhaupt keine Lust, für die Schule aufzustehen, trampelt herum, verweigert den Klogang und das Anziehen. Bis er im Bus sitzt, der zum Glück bis in unsere Hofeinfahrt fährt, haben wir meistens schon viel Schweiß vergossen.

Aber nicht heute.
Heute Morgen bekam ich in seinem Zimmer einen Muskelkrampf im Rücken, brach zusammen und lag auf dem Boden, konnte mich nicht mehr bewegen und rief nach Niklas´ Papa.

Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie lieb und fürsorglich Niklas plötzlich war. Alle Morgenmuffelei war wie weggeblasen, er kam zu mir, schickte mir Küsse durch die Luft, sagte immer wieder „Mamamamama“ und wollte nicht von meiner Seite weichen.
Ich sagte ihm: „Du musst jetzt gut mit dem Papa zusammenhalten, weil ich heute früh nicht helfen kann.“ Und es klappte alles einwandfrei, er war unglaublich rücksichtsvoll und half bei allem mit.

Als er von der Schule nach Hause kam, hüpfte er vor Freude und gebärdete „lachen“ und „sich freuen“, weil er mich aufrecht gehend vorfand. Ich las in seinem Mitteilungsheft, dass er in der Schule sehr unruhig gewesen war, immer wieder „Mamamama“ gesagt hatte, gebärdet hatte, dass ich krank bin, und ständig mit seiner Jacke nach Hause fahren wollte.

Ich las diese Zeilen und Tränen schossen mir in die Augen. Ich war sehr gerührt, weil er sich so große Sorgen um mich gemacht hatte, zeigt es doch, wie er mitfühlt und wie wichtig ihm seine Liebsten sind.
Es ist nicht so, dass ich das nicht wüsste, aber die Momente, in denen er es auf diese Weise zeigt, sind rar. Und sie sind dann besonders kostbar. Und sie zeigen einmal mehr, dass das Klischee des empathielosen Autisten nicht stimmt.

Danke, Niklas, das gibt mir Kraft für sehr lange. ♥

P.S.: Ach ja, meine Erklärungen, dass ich fünf Spritzen in den Rücken bekommen hatte, fand er dann sehr witzig. Aber der Humor lässt sich aushalten 😀

 

2 comments

  • Katrin Fiedler

    Liebe Silke,
    so sehr kann ich Dich verstehen…
    Meine Tochter kann kaum Gefühle zeigen und wenn sind es Gefühle wie Verzweifeln, Traurigkeit und depressive Hoffnungslosigkeit. Freude ist selten und Gefühle meinem Mann und mir gegenüber sehr selten. Weißt Du, ich fragte mich selbst schon, wie lange ich es schaffe immer für sie da zu sein, ihr die bedingungslose Liebe zu schenken, die mein Kind in jedem Fall verdient hat, die Geduld für ihr besonderes Wesen….wenn sie mir doch kaum ein Lächeln schenkt, nur kurze Sätze mit mir spricht, mich nicht in ihre Gedanken lässt, sie doch immer lieber allein ist in ihrem Zimmer, keine Umarmung zulässt und alles immer nur rational mit mir bespricht und ich dies auch mit ihr tun muss, weil sie sonst abschaltet. Ich stehle mir am Abend, wenn ich sie zu Bett bringe einen Kuss… selten gibt es Momente, in denen wir rumalbern, sie verpuffen so schnell, als wären sie nie da gewesen… aber ich halte mich an gestohlenen Küssen und an den kleinen angedeuteten Lächeln fest!!! Liebe Grüße….

  • Andrea Lesoipa

    Liebe Silke, das ist in der Tat von Herzen berührend. Ich hatte gerade Tränen in den Augen, solche Situationen kennend.Man hat Schmerzen und plötzlich kommt ein Verhalten des Kindes, was einem schier den Atem stocken lässt. Ja, unsere Kinder mit Autismus sind immer wieder eine Überraschung mit Momenten, welche das Herz berühren, wie kaum jemand zuvor.

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